Die Linksgolf-Saison hat begonnen, Scottie Scheffler, Rory McIlroy und Co. schießen sich ab heute bei der Scottish Open auf das letzte Major des Jahres ein, die Open Championship kommende Woche im englischen Royal Birkdale. Das richtet den Fokus auf die ursprüngliche Art des Spiels, dessen Ursprünge in den kargen Böden vor den Toren schottischer Küstenkäffer wurzeln und von der selbst ein amerikanisch geprägter Profi wie Scheffler sagt: „Diese Art von Golf würde ich gern öfter spielen – auch wenn es nicht einfach ist, sich darauf einzustellen. Aber es macht einfach Spaß, für ein paar Wochen im Jahr hierherzukommen und Linksgolf zu spielen.“
Küstengolf hat also Konjunktur. Für Jon Rahm beispielsweise „erwacht das Spiel hier erst wirklich zum Leben“. Und das hochkarätig besetzte Open-Warm-up im Renaissance Club rückt jedes Jahr eine Region ins Rampenlicht, die wahrhaft gelobtes Golfland ist: East Lothian. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die Platzpreziosen an der Südseite des Firth of Forth, rund 50 Autominuten östlich von Schottlands Hauptstadt Edinburgh: das Open-Geläuf Muirfield, Heimat der Honourable Company of Edinburgh Golfers, die dem Sport 1744 erste Regeln gab. Die ikonischen West Links von North Berwick mit dem berühmten Redan Hole, wo Dustin Johnson und Max Homa vor Jahren ihre Linksgolf-Erweckungserlebnisse hatten, Jordan Spieth und Justin Thomas jetzt wieder im Vorfeld der Scottish Open herumkariolten und auch Scheffler ein paar Löcher spielte. Die drei Plätze von Gullane, jeder für sich ein Juwel, auf „No. 1“ beispielsweise wurde schon 1650 Golf gespielt. The Glen, der zweite Platz von North Berwick vor der Kulisse des Bass Rock in der Nordsee. Dazu Archerfield, Kilspindie, Craigielaw, Dunbar …
Insgesamt sind es 21 Plätze auf 48 Kilometern, kaum dass die A198 vom Flughafen der schottischen Kapitale zum Firth of Forth abgeknickt ist und sich an der Küste entlang schlängelt. Linkskurs an Linkskurs: nacheinander, nebeneinander, geballt. Einfahrten mit Plaketten und Emblemen, die dem Golfpuristen die Geschmacksfäden ziehen. Grüns im Kurvenknick, wo das Asphaltband sich anpassen musste, weil das Spiel längst da war. Diese Dichte ist selbst im Mutterland des Golf einmalig, und nicht von ungefähr hat man sich das Etikett „Scotland’s Golf Coast“ verpasst. Oder wie es ein Einheimischer mit Blick gen Norden und auf das Home of Golf in St. Andrews mal formuliert hat: „Die sollen da oben nicht immer so tun, als wären sie was Besonderes.“ (scotlandsgolfcoast.com)
Medianachweis: © Scotland’s Golf Coast