Brooks Koepka

Comeback auf der PGA Tour

Das neue Jahr ist gerade mal zwei Wochen alt, die Saison der PGA Tour beginnt erst heute mit der Sony Open auf Hawaii, und trotzdem überschlagen sich bereits die „Breaking News“: LIV-Star Brooks Koepka ist von der PGA Tour in Gnaden wieder aufgenommen worden und tritt schon Ende Januar zur Farmers Insurance Open in Torrey Pines an. Binnen fünf Tagen haben CEO Brian Rolapp und die graue Eminenz Tiger Woods mit einer Lex Koepka Sonderregelung namens Returning Member Program die Weichen für das Comeback des fünffachen Majorsiegers gestellt, der dem Golf-Establishment nach der US Open 2022 den Rücken gekehrt und für eine kolportierte Garantiegage von 120 Millionen Dollar beim Konkurrenz-Circuit angeheuert hatte, wo er trotz fünf Event-Erfolgen zunehmend wenig glücklich wirkte. „Ich glaube an die Richtung, in die sich die PGA Tour mit neuer Führung, neuen Investoren und der wirtschaftlichen Beteiligung für die Spieler entwickelt“, erklärte der 35-Jährige jetzt in einer ersten Begründung für seine Rückkehr.

Bereits am Tag vor Weihnachten war bekannt geworden, dass Koepka die neue LIV-Saison trotz des bis Ende 2026 bestehenden Vertrags „schwänzen“ werde. Die PGA Tour witterte ihre Chance und nutzte sie: Das quasi über Nacht gestrickte und mit Woods’ Einfluss bei den Tour-Gremien durchgeboxte Returning Member Program gilt für Majorsieger sowie Gewinner der Players Championship zwischen 2022 und 2025 und ermöglicht in Würdigung dieser Meriten eine direkte Wiederaufnahme der PGA-Tour-Mitgliedschaft ohne die eigentlich vorgesehene einjährige Sperre und bei vergleichsweise milden Sanktionen.

Gleichzeitig ist es eine ziemliche Provokation an die Adresse von LIV. Denn unter den Gnadenerlass fällt nicht nur Koepka als PGA-Champion von 2023: Die PGA Tour adressiert damit ebenso Bryson DeChambeau (US Open 2024), Jon Rahm (Masters 2023) und Cameron Smith (Open Championship 2022) – exakt die einzigen drei Spieler, die für den neuen CEO von Wert sind, um sein Antrittsversprechen einzulösen und „den Wunsch der Fans zu erfüllen, die besten Spieler der Welt wieder auf unserer Tour zu sehen“. Das Trio hat allerdings beim Medientermin der LIV-Kapitäne in Florida gerade unisono den Verbleib in der von Saudi-Arabien arrangierten und finanzierten Liga bekräftigt. Jedenfalls für 2026.

Die LIV-Spielzeit beginnt am 4. Februar in der saudi-arabischen Kapitale Riad, und sinnigerweise läuft zwei Tage vorher das Zeitfenster für die Inanspruchnahme des Returning Member Program ab. „Nur Profis mit den höchsten Erfolgen in den vergangenen drei Jahren sind berechtigt, zur PGA Tour zurückzukehren“, verdeutlichte Rolapp. „Dies ist eine einmalige, klar definierte Gelegenheit und stellt keinen Präzedenzfall für zukünftige Situationen dar. Sobald sich diese Tür schließt, gibt es keine Garantie dafür, dass dieser Weg wieder verfügbar sein wird.“ Daran darf man getrost zweifeln. Die Tour wird auch künftig jede Gelegenheit beim Schopf packen, um den einst an LIV verlorenen Boden wieder gutzumachen und dem Saudi-Konstrukt eins auszuwischen.

Siehe die Causa Koepka – laut Rolapp „etwas, das unsere Fans wollen und das sowohl das Spiel als auch unsere Organisation stärkt“. Wenngleich die Resonanz beim spielenden Personal gemischt ausfällt, weiß er die „Big Player“ unter den Mitgliedern hinter sich. Rory McIlroy hat sich schon nach dem Bekanntwerden von Koepkas LIV-Saison-Verzicht für eine umgehende Rückkehr ohne Sperre ausgesprochen, der Weltranglistenerste Scottie Scheffler bezeichnete den Vorgang als „smarten Move“. Und Tiger Woods war eh an Bord. „Wir bekommen einen Spieler zurück, der wahrscheinlich zu den drei besten seiner Generation gehört. Das sagt viel über die Entwicklung und Richtung der PGA Tour aus“, erklärte der Superstar. „Mit Brooks’ Rückkehr wird die Tour ein nochmal besserer Platz, um hier zu spielen. Das ist es, was die Fans gefordert haben.“

Der Tiger verriet dieser Tage auch weitere Details. Demnach hat Koepka an besagtem 23. Dezember, dem Tag der Bekanntgabe seines LIV-Abgangs, per handgeschriebenem Brief an Rolapp um die Wiederaufnahme bei der PGA Tour gebeten. Das setzte einen Prozess in Gang, auf den man sich laut Woods seit Monaten in allerlei Szenarien vorbereitet habe. „Wir wussten, dass wir einen Weg kreieren müssen, um ausgewählten Spielern unter besonderen Umständen und mit entsprechenden Auflagen die Rückkehr auf die Tour zu ermöglichen.“ Bereits am vergangenen Donnerstag hatte der erweiterte Vorstand der PGA Tour für das Returning Member Program und damit für Koepkas Comeback votiert. Am Freitag dann stellte Koepka den offiziellen Wiederaufnahme-Antrag als Mitglied und traf sich selben Tags noch zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Rolapp im Tour-Hauptquartier in Ponte Vedra Beach – die Fahrt dorthin dokumentierte Ehefrau Jena Sims sogar via Instagram. Am Montag schließlich gab der Spielerbeirat den finalen Segen.

Natürlich lässt Koepka im Gegenzug etwas Federn. Er ist für 2026 vom FedEx-Cup-Bonus-System sowie auf fünf Jahre vom Kapitalbeteiligungsprogramm der PGA Tour ausgeschlossen, das mit den Investoren-Einlagen in die PGA Tour Enterprises aufgelegt wurde. Außerdem sagte er zu, fünf Millionen Dollar für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Das dürfte alles verschmerzbar sein bei einem Karriere-Preisgeld von knapp 90 Millionen Dollar, was auch immer er von seiner Garantiegage erstatten musste, um sich für 2026 von LIV freizukaufen. Es wird geschätzt, dass ihn der Wechsel insgesamt zwischen 50 und 80 Millionen Dollar an Bußen, Erstattungen und künftigen Einnahmen kostet. „Es soll weh tun und es tur weh“, sagt Koepka. „Aber es soll ja auch kein einfacher Weg sein. Viele Menschen waren vor den Kopf gestoßen, als ich ging, und ich verstehe, dass dass die Bedingungen für meine Rückkehr sind.“

Auf der PGA Tour fängt der Hüne aus Florida wieder klein an, hat sich für mindestens 15 Turnierteilnahmen verpflichtet und schon die WM Phoenix Open Anfang Februar als zweiten Tour-Termin angekündigt. Na, das dürfte ein kräftiges Hallo am Party-Loch des TPC Scottsdale geben.

Für Starts bei den mit 20 Millionen Dollar dotierten Signature Events muss er sich als aktuelle Nummer 246 der Weltrangliste allerdings erst qualifizieren. Aber genau das reizt den Wettkampftypen Koepka, der 2022 vor allem zur LIV-Liga übergelaufen war, weil er seine Karriere verletzungsbedingt vor dem Ende wähnte und noch ein ordentliches Ruhestandsgeld für den persönlichen Pensionsfonds mitnehmen wollte. Doch schon beim Masters 2023 deutete Koepka an, dass seine Entscheidung bei einem besseren Gesundheitszustand womöglich anders ausgefallen wäre. Jetzt hat er den Schritt korrigiert. Und wer weiß, was bis zum 2. Februar noch passiert. Wir halten Sie auf dem Laufenden: in der Golf Week – wo Golf passiert.

Medianachweis: © Sportcomm/Getty Images

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