DeChambeaus digitale Drives

„Entertainment vor Sport“

Da hat einer begriffen, wie man im Netz scort: Golf geht auf YouTube und in den sozialen Medien steil, und Bryson DeChambeau ist mit seinen digitalen Drives ganz vorn dabei. Der zweifache US-Open-Champion und LIV-Star verbandelte sich klickwirksam mit Blondie Paige Spiranac, die auf Instagram mehr Follower hat als Tiger Woods, holte US-Präsident Donald Trump in seine YouTube-Serie „Break 50“ und geht seither im Weißen Haus ein und aus, oder fragt die Follower, ob er beim anstehenden Ryder Cup am ersten Tee von Bethpage Black einen Happy-Gilmore-Abschlag rausfeuern soll. Damit hat er es aktuell auf 2,27 Millionen Abonnenten seines YouTube-Kanals sowie 411 Millionen Aufrufe gebracht und ist in dieser Disziplin der mit weitem Abstand erfolgreichste Golfprofessional.

„Entertainment hat beim Golf mittlerweile mehr Bedeutung als der sportliche Aspekt“, behauptet DeChambeau und sagt gleichzeitig: „Das ist zwar eine Hypothese, aber ich halte das für sehr wahrscheinlich.“ Damit spaltet er die Golfgemeinde. Die einen beschwören den wahren Wert von ernsthaftem Turniergolf, die anderen verweisen auf die Wirkweise webbasierter Angebote gerade für jüngere Generationen. YouTuber wie der von LIV Golf vereinnahmte Rick Shiels (2,99 Millionen Abonnenten), Grant Horvat (1,43 Millionen) oder die Jungs von Good Good (1,92 Millionen) sind auf diese Weise selbst zu Stars geworden, die von Investoren und Sponsoren und nicht zuletzt von Golfprofis umschwärmt werden, die sich fürs Klickbaiting gern vor den Content-Karren spannen lassen. Sogar die PGA Tour übt den Schulterschluss mit den postmodernen Protagonisten, wiewohl der Circuit dank Scottie Scheffler und Rory McIlroy sowie der Vorfreude auf das Ryder-Cup-Heimspiel heuer in punkto TV-Einschaltquoten bei Signature Events die erfolgreichste Saison seit Jahren verzeichnet. Letztlich gilt die Erkenntnis des US-Golfjournalisten Kyle Porter: „Es ist viel unterhaltsamer, den Lieblings-YouTubern 40 Minuten auf faszinierenden Plätzen zuzusehen, als Nobodys 400 Minuten beim Spiel über Torrey Pines.“ So gesehen macht Bryson DeChambeau alles richtig.

Medianachweis: © Sportcomm/Getty images

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