Er galt als einer, der es nicht zu Ende bringen kann: Diesbezüglich umwehte Cameron Young ein ähnlicher Ruf wie den nunmehr amtierenden PGA-Tour-Champion Tommy Fleetwood – obwohl der 28-jährige US-Profi immerhin 2025 die Wyndham Championship gewonnen hatte. Nach diversen zweiten Plätzen und intensiver Arbeit am mentalen Gerüst hat Young nun mit dem Sieg bei der Players Championship einen ganz großen Coup gelandet – und dabei die Nervenstärke bewiesen, die dem 54-Loch-Spitzenreiter Ludvig Åberg mit zwei Abschlägen ins Wasser und dem bis zum 18. Loch mitführenden Matt Fitzpatrick am Finalsonntag im TPC Sawgrass fehlte. Seit 2019 ist Young Profi, seit 2020 ist er auf der PGA Tour, nachdem er es zuvor im Nirgendwo von Nebraska erst über einen Monday Qualifier auf die Korn Ferry Tour geschafft hatte und sich dann binnen Monaten kontinuierlich hochspielte. Da kann man mal sehen, was sich aus dem gemeinhin als blau verschrienen Montag machen lässt.
Young war nach 70 Loch dieser Players Championship ebenfalls wieder nur Zweiter und schloss dann mit einem Birdie auf der 17 zum führenden Engländer Fitzpatrick auf. Der vergab die Chance, sich wenigstens in ein Play-off zu retten, mit einem Bogey auf dem Schlussloch, während Young nach einem Monster-Abschlag von 343 Metern zum Par lochte. Es war der längste Drive, der seit dem Beginn entsprechender Messungen im Jahr 2004 auf der 18 gezündet wurde. Young hatte sich am Tee nur gedacht: „Ich muss genau jetzt den besten Schlag meines Lebens machen.“ Mission accomplished. Am Ende genoss der Sohn des ehemaligen Head-Pros im Sleepy Hollow Country Club in Scarborough/US-Bundesstaat New York den besonderen Moment mit Ehefrau Kelsey und den drei Kindern auf dem Grün; für den Erfolg gibt es die von Tiffany’s gefertigte Trophäe mit dem vergoldeten Spieler, die vergangenes Jahr Rory McIlroy gewann, und einen Scheck über 4,5 Millionen Dollar.
Derweil hatte Sepp Straka auf der 18 ein Erlebnis der anderen Art, das zwar mit einem Birdie zu tun hatte, aber mit einem Doppelbogey endete. Der Ball des Österreichers lag nach einem unpräzisen Drive unter einem Baum auf der rechten Seite des Fairways. Straka verzog auch den zweiten Schlag, diesmal nach links. Der Ball sprang vor dem Wasserhindernis auf, traf einen am Rand des Teichs sitzenden Kormoran und rollte dennoch ins Wasser. Dem Vogel ging es trotz des Körpertreffers augenscheinlich gut, Straka eher nicht so. Er wäre ohne die zwei Schlagverluste statt geteilter Vierter statt geteilter Achter geworden.
Nach all dem Ballyhoo um die Players als mögliches fünftes Grand-Slam-Event geht es jetzt zum wahrhaft ersten Major einer jeden Spielzeit: zum Masters (9. bis 12. April), das heuer zum 90. Mal ausgetragen wird. „Mein Fokus in der ersten Hälfte der Saison ist immer und ausschließlich das Masters“, sagt beispielsweise Cameron Young. „Ich will bereit sein und mich wohlfühlen, wenn es dort losgeht.“ Titelverteidiger im Augusta National Golf Club – wer wüsste das nicht – ist Rory McIlroy, der sich wegen des maladen Rückens rostig und nicht fit fühlte, den Players-Titel nahezu kampflos abgeben musste und nur Rang T46 belegte: „Ich bin froh, dass ich die vier Tage überstanden habe.“ Bis zur „Bundesgartenschau“ in Georgia will der Karriere-Grand-Slammer eine Pause einlegen. „Mal sehen, wie ich mich im Training und zu Hause fühle, und wenn es mir in den Fingern kribbelt, schiebe ich vielleicht doch noch einen Turnierstart ein.“
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