Saudi-Arabien hat die Nase voll vom Groschengrab LIV Golf League, der Staatsfonds PIF dreht seinem Homunkulus nun endgültig den Geldhahn zu, nach der Saison 2026 geht beim Konkurrenz-Circuit vermutlich das Licht aus. So lässt sich zusammenfassen, was anderthalb Tage lang im Netz und in vereinzelten Medien an Gerüchten hochkochte: dass bald eine „Bombe platzen“ werde; dass die Top-Manager zu einer Krisensitzung in New York einbestellt wurden, während sich die ahnungslosen und allein gelassenen Spieler im Club de Golf Chapultepec auf das heute beginnende Event in Mexiko City vorbereiteten; dass einige von ihnen im ersten Quartal 2026 ebenso nicht bezahlt worden seien wie diverse Zulieferer. Sogar über angebliche Androhungen von Antrittsverweigerungen war zu lesen. Und und und.
Dann versuchte LIV-Chef Scott O’Neil, dem Rumoren per Mail ein Ende zu machen: „Ich möchte mich ganz klar ausdrücken: Unsere Saison verläuft genau wie geplant, ohne Unterbrechungen und mit voller Kraft.“ Sie sei finanziell gesichert, schrieb er. „Trotz aller Spekulationen in den Medien bestimmt unsere Arbeit auf dem Rasen die Realität. Wir treten in die entscheidende Phase unseres Spielplans für 2026 ein, und das mit der ganzen Energie einer Organisation, die größer, lauter und einflussreicher ist als je zuvor.“ Doch interessanter ist, was der CEO von LIV Golf nicht sagte: wie’s weitergeht.
Ein laut seriösen Analysten wahrscheinliches Szenario ist, dass Saudi-Arabiens Kronprinz und De-facto-Machthaber Mohammed bin Salman den aktuellen Nahost-Konflikt und die daraus resultierenden ökonomischen Konsequenzen zum Anlass nehmen will, das Lieblingsprojekt seines Wirtschaftswesirs Yasir Al-Rumayyan ad acta zu legen. Als hundertprozentiger LIV-Inhaber hat der von Al-Rumayyan geleitete Public Investment Fund die Liga in den vergangenen drei Spielzeiten mit monatlich 100 Millionen Dollar vor allem für Spieler-Gagen und Turnierdotierungen alimentiert und seit 2022 mehr als fünf Milliarden Dollar in das Golf-Abenteuer investiert. Allein auf die Top-Ten der derzeitigen Gesamt-Preisgeldrangliste mit Jon Rahm und dessen 87,7 Millionen Dollar an der Spitze entfielen bislang knapp 570 Millionen Dollar, die Team-Wertungen nicht eingerechnet.
Trotz der Unterstützung PIF-eigener Unternehmen wie Aramco und Partnern wie HSBC oder Rolex fehlt dem Franchise-Konzept weiterhin die wirtschaftliche Tragfähigkeit, zumal es an einem reichweitenstarken TV-Partner, an den entsprechenden Einschaltquoten und auch am generellen Fan-Interesse auf dem US-Markt hapert. Ein Rückzug des PIF, der sich mit seinem derzeit auf 925 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen gemäß einer neuen Strategie aus Riad ohnehin mehr aufs inländische Engagement konzentrieren soll, wäre damit der Todesstoß für die Liga, die absehbar auch mittelfristig kaum auf eigenen Beinen stehen kann. „Die Saudis wollen raus – endgültig“, zitierte Bret Baier von Fox News zwei namentlich natürlich nicht genannte Insider.
Glaubwürdig ist es dennoch, schließlich wollte Riad eigentlich bereits 2025 Kassensturz machen. Da klingen O’Neils weitere Bemerkungen eher wie Pfeifen im dunklen Wald: „Seit den Anfängen hatten wir mit Gegenwind zu kämpfen, und jedes Mal haben wir mit Durchhaltevermögen und Anmut darauf reagiert. Jetzt reagieren wir, indem wir das tun, was wir am besten können: die faszinierendste Show im Sport auf die Beine stellen.“
Naja, und sowieso vielleicht ja nur noch einen Sommer lang. Und danach? Zuvorderst: Was wird aus den Spielern? Für Bryson DeChambeau, Jon Rahm und Ihresgleichen an Namhaftigkeit wird sich ganz sicher eine Anschlussverwendung finden. Die PGA Tour dürfte – wie schon bei Brooks Koepka – erneut Gnade walten lassen, wenn ihr die LIV-Stars dafür wie reife Früchte in den Schoß fallen. Alles im Sinne des bestmöglichen, des zugkräftigsten und attraktivsten Produkts – dann tatsächlich die Besten der Welt wieder auf einer gemeinsamen Bühne. Und der Rest, die Kaymers und Co.? Darüber lässt sich nur spekulieren. Von einem Zusammengehen mit der DP World Tour beispielsweise ist die Rede, kein surreales Szenario, weil immer wieder kolportiert, sogar vor der LIV-Premiere nahe London im Juni 2022 schon. Es ist spannender denn je.
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