Der Tanz um das grüne Jackett

Go Time für die 88. Auflage des Masters. Das erste Major des Jahres ist ein Turnier wie kein anderes.

Mit großer Sehnsucht haben die Golffans den April  herbeigesehnt. Denn  April  heißt unwiderruflich:  „It’s  Masters Time!“ Das erste Major des Jahres im Augusta National steht wieder an, und selten zuvor war die Spannung größer. Denn durch die Gründung der LIV-Golf-Serie und die gleichzeitige Blockade der abtrünnigen Spieler seitens der PGA Tour treffen nur noch vier Mal im

Jahr – eben zu den Majors – die besten Golfer der Welt im Wettkampf aufeinander. Was in die- sem Jahr beim Masters zusätzlich für Brisanz sorgt, ist, dass der Titelverteidiger Jon Rahm im Winter für die kolportierte Rekordsumme von rund 600 Millionen US- Dollar zur LIV gewechselt ist. Der spanische Ryder-Cup-Held gilt auch bei seiner Titelverteidigung an der Magnolia Lane in diesem Jahr wieder zu den Topfavoriten.

Wenngleich die aktuelle Nummer eins der Welt Scottie Scheffler alle Wettquoten überlegen anführt. Mit Siegen beim Arnold Palmer Invitational in Bay Hill und der Players Championship im TPC Sawgrass reist der Texaner in Topform nach Augusta.

Jäger und Straka im Fokus

Seinen dritten PGA-Tour-Titel in Folge verpasste Scheffler nur hauchdünn, er musste sich in Houston dem Deutschen Stephan Jäger (siehe Coverstory) geschlagen geben. Der gebürtige Münchner geht nach der Absage des zweifachen Masters-Siegers Bernhard  Langer  als  einziger Deutscher beim Masters an den Start. Deutschsprachige Verstärkung erhält er vom Österreicher Sepp Straka, der in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge mit von der Partie sein wird. Der gebürtige Wiener, der seit seinem 14. Lebensjahr in den USA lebt und durch seine Mutter auch über die amerikanische Staatsbürgerschaft verfügt, freut sich über ein halbes Heimspiel, nachdem er einen großen Teil seines Lebens, Schule wie auch Uni, im Bundesstaat Georgia verbrachte.

Reines Einladungsturnier

Das Masters ist ein Turnier wie kein anderes und verfügt über so viele Traditionen und Eigenheiten, dass man darüber ein Buch verfassen könnte. Wir wol- len Ihnen hier einen Überblick über ein paar der wichigsten Merkmale geben. Wann wurde das Masters ins Leben gerufen? Nach seinem Grand Slam im Jahr 1930 erwarb Bobby Jones das Areal und gestaltete gemeinsam mit  dem  Golfplatzarchitekten Alister MacKenzie den Augusta National Golf Club. Das erstmals 1934 ausgetragene Masters, das von Bobby Jones und dem Investmentbanker Clifford Roberts initiiert wurde, ist bis heute ein reines  Einladungsturnier,  und damit ist das Spielerfeld klei- ner als bei den anderen großen Meisterschaften.

Das grüne Jackett

Jedem Masters-Champion wird ein  grünes  Jackett  verliehen, welches er ein Jahr nach seinem Sieg im Clubhaus zurückgeben muss. Es bleibt aber sein persönliches Eigentum und wird zusammen mit den Jacketts anderer Champions in einer speziell dafür

vorgesehenen Garderobe aufbewahrt. Ein Golfspieler, der das Event mehrmals gewinnt, trägt das gleiche grüne Jackett, das er bei seinem ersten Sieg erhalten hat, es sei denn, er muss für ein neues Jackett gefittet werden. Doch wie kam es überhaupt zu dem grünen Jackett? Bobby Jones wurde inspiriert von Mänteln, die von Mitgliedern des Royal Liverpool Club getragen wurden, um ihren Rang und Status anzuzeigen. Da ihm die Idee gefiel, wurden die Jacken 1937 eingeführt, um die Mitglieder des Augusta National Club von den Veranstaltungsteilnehmern zu unterscheiden. Das erste grüne Jackett wurde dem Gewinner erst 1949 überreicht, als Sam Snead triumphierte. Anschließend wurde es rückwirkend auch an alle früheren Gewinner verliehen.


Das Champions Dinner (im Bild 2023) hat seit 1952 Tradition beim Masters.

Champions Dinner

Das  von  Ben  Hogan  beim Masters-Turnier 1952 ins Leben gerufene Champions Dinner findet immer am Dienstag der Masters-Turnierwoche statt und ist nur für ehemalige Champions und bestimmte Vorstandsmitglieder des Augusta National Golf Club geöffnet. Das Menü stellt immer der Vorjahressieger zusammen und richtet sich meist nach der Herkunft und den Vorlieben des jeweiligen Spielers. In diesem Jahr lässt Jon Rahm etwa ein bewusst spanisch inspiriertes Menü auftischen. Und eine weitere Eigenheit des Champions Dinner ist, dass der Titelverteidiger auch die gesamte Rechnung des Abends übernehmen muss.

Ceremonial Starter

Seit  1963  schlagen  verdiente Golfer, in der Regel ehemalige Champions, am Morgen der ersten Runde einen ehrenamtlichen Abschlag, um das Turnier offiziell zu beginnen. Dazu gehörten in der Vergangenheit Fred McLeod, Jock Hutchinson, Gene Sarazen, Sam Snead, Byron Nelson, Arnold Palmer, Jack Nicklaus, Gary Player, Lee Elder und Tom Watson. Aktuell ist es das Trio Nicklaus, Player und Watson, dem alljährlich diese Ehre zuteilwird.

Par-3-Contest

Seit 1960 wird immer am Mittwoch der Par-3-Contest ausgetragen. Dieser findet auf dem zum Augusta  National  gehörenden Par-3-Course statt. In den letzten Jahren entwickelte sich der Event immer mehr zu einem geselligen Familienausflug für die Spieler und ihre Angehörigen, bevor es am Tag danach so richtig losging. Und wer den Par-3-Contest gewinnt, kann statistisch gesehen eigentlich schon die Koffer packen, denn noch nie in der Geschichte des Turniers konnte ein Sieger des Par-3-Contests danach auch das Masters für sich entscheiden.


Der Traum jedes Profigolfers: stehende Ovationen der Patrons auf dem 18. Grün.

Der Golfplatz

Der Augusta National wurde erstmals 1933 eröffnet und von verschiedenen Architekten mehrfach umgebaut. Schon in den  Tagen  des  langjährigen Masters-Vorsitzenden  Clifford Roberts begann der Club nach Abschluss jedes Masters-Turniers mit Renovierungsarbeiten und nahm Änderungen vor, die er für notwendig hielt, um den Platz zu verbessern. Für 2024 halten sich die Änderungen in Grenzen. Einzig der Abschlag an Loch 2 (Par 5) ist um etwa 10 Yards nach hinten und links verlängert worden.

Kuriositäten in Augusta

Die  Inflation  macht  vor  den Toren  des  Augusta  National halt. So kostet auch in diesem Jahr  der  legendäre  Pimento-CheeseSandwich weiterhin nur 1,50 Dollar. Mobiltelefone sind strikt verboten und müssen am Eingang abgegeben werden. Die TV-Kommentatoren dürfen die Fans nicht „Fans“ nennen, sondern nur „Patrons“. Die Patrons dürfen auf dem gesamten Gelände nicht laufen, und es ist es ihnen auch nicht gestattet, ihre Kappen verkehrt herum zu tragen. Bis 1983 mussten die Teilnehmer auf die lokalen Caddies des Clubs zurückgreifen. Heute dürfen sie zwar ihre eigenen Caddies mitbringen, diese müssen aber trotzdem die weißen Anzüge und grünen Kappen tragen. Und es dürfen pro Übertragungsstunde im Fernsehen nur vier Minuten Werbung gesendet werden!

Medianachweis: Augusta National, Simon Bruty / Masters

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