Brooks is back: Heute geht der inzwischen fünffache Majorsieger Brooks Koepka bei der Farmers Insurance Open in Torrey Pines/Kalifornien an den Start – – nach vier Jahren und dem WGC – Dell Technologies Match Play 2022 schlägt der mittlerweile 35-jährige Hüne aus Florida wieder auf der PGA Tour ab. Das für ihn eher unliebsame Kapitel LIV Golf League ist damit endgültig passé. Er sei aufgeregt und froh, die erste Woche des Comebacks irgendwie zu überstehen, bekannte Koepka in der Pressekonferenz, aber ebenso glücklich, dass ihm diese Chance durch das Returning Member Program der Tour gewährt werde. Er mochte sich auch nicht zum sportpolitischen Aspekt des LIV-Abgangs äußern: „Ich will einfach nur das tun, was ich am besten kann – Golf spielen.“ Soweit die Nachrichten aus Kalifornien, wo Koepka im Kollegenkreis durchaus freundlich willkommen geheißen wurde. Freilich, die Causa Koepka ist von weitaus größerer Tragweite.
Die LIV-Liga hat mit dem fünffachen Sieger auf dem Konkurrenz-Circuit einen Aktivposten verloren, mit dem sich Staat machen ließ – als einer von zwei Spielern, die während ihrer LIV-Zeit ein Major gewonnen haben. Der andere ist Bryson DeChambeau, US-Open-Champion von 2020 und 2024. Auch für ihn käme das Returning Member Program infrage, ebenso für Jon Rahm (Masters 2023) und Cameron Smith (Open Championship 2022). Doch obwohl das Trio bereits pflichtgemäß abgewinkt hat und die PGA Tour ohnehin nur an DeChambeau und Rahm interessiert ist, bleibt die Personalie DeChambeau eine brisante Angelegenheit. Sein Statement „Ich habe für 2026 einen Vertrag zu erfüllen. Man wird sehen, was danach ist“ klang eher spröde und dürfte den LIV-Machern zu denken geben.
Ohne den „People’s Player“ und YouTube-Chartstürmer wäre für den Konkurrenz-Circuit „Game over“, glauben Beobachter. BDC ist eine One-Man-Show, Aushängeschild und Zugnummer von LIV. Die Liga lebt vom und durch den 32-jährigen Wahl-Texaner. DeChambeau weiß das. Er hat alle Trümpfe in der Hand und fordert angeblich eine Garantiegage von 500 Millionen Dollar für eine vierjährige Vertragsfortschreibung sowie Mitspracherecht bei strategischen LIV-Entscheidungen. So jedenfalls will es das britische Blatt The Telegraph erfahren haben. DeChambeau hat neulich aber auch gesagt, er könne sich durchaus vorstellen, für den Rest seiner Karriere nur noch die Majors zu spielen und sich ansonsten seinem YouTube-Kanal mit dem Quoten-Knüller „Break 50“ und den über drei Millionen Followern zu widmen, die ihm ein nettes Zubrot von geschätzt 800.000 Dollar jährlich einbringen. Tendenz steigend. Man darf gespannt sein, wie der Poker ausgeht.
Jedenfalls dürfte DeChambeau für die weitere Berufsplanung keine Steigbügelhilfe von Tiger Woods brauchen. Im Gegensatz zu Koepka, der nach erfolgter Freistellung durch LIV-Mäzen Yasir al Rumayyan, den Chef des saudi-arabischen Staatsfonds PIF, erstmal den starken Mann und Strippenzieher hinter den Kulissen der PGA Tour anrief: „Ich wusste nicht genau, was ich machen und wie ich meine beabsichtigte Rückkehr angehen sollte. Tiger kam mir als Erster in den Sinn, da ich immer ein gutes Verhältnis zu ihm hatte.“ Alles Weitere wurde im Eilverfahren durch die Tour-Instanzen geboxt. Koepka spielt nach der „Farmers“ auch die WM Phoenix Open in der kommenden Woche, die Cognizant Classic Anfang Februar/Anfang März und ist sogar für die Players Championship gesetzt, das Flaggschiff-Turnier der PGA Tour Mitte März im TPC Sawgrass.
Dieser Spielplan erfüllt Koepkas offizielles Argument für den LIV-Abgang. Er will weniger global unterwegs und näher bei der Familie sein. Zumal Ehefrau Jena Sims, die mit einem Geschwisterchen für Filius Crew schwanger war, im vergangenen Herbst eine Fehlgeburt hatte. Mit der auf die USA fokussierten PGA Tour ist das gewährleistet. Sowieso war der Profi aus Florida eher unter verletzungsbedingtem Druck den finanziellen LIV-Lockungen erlegen, nachdem er sich ursprünglich mit Rory McIlroy beraten und sich dessen ablehnender Haltung eigentlich angeschlossen hatte. Schon beim Masters 2023 deutete er dann an, dass seine Entscheidung bei einem besseren Gesundheitszustand womöglich anders ausgefallen wäre. Nun hat Koepka sie korrigiert, und die PGA Tour „bekommt einen Spieler zurück, der wahrscheinlich zu den drei besten seiner Generation gehört“ (Tiger Woods).
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