Deutschland dörrt. So eröffnete unlängst ein deutscher TV-Moderator das allabendliche News-Magazin seines TV-Senders. Es folgte eine Karte der Bodentrockenheit, die sich beliebig erweitern ließe. Vor allem nach Süden. Anschließend die immer gleichen Bilder von den apokalyptischen Symptomen des menschengemachten Klimawandels. Von deren Auswirkungen. Wer die Nachrichten verfolgt, kennt die Hiobsbotschaften. Es geht längst nicht mehr um Wetterkapriolen und Katastrophen in irgendwelchen fernen Teilen der Welt. Der Globus glüht. Und kein Kontinent erwärmt sich derzeit schneller als der europäische. Das belegen die aktuellen Zahlen des Klimadienstes Copernicus der Europäischen Union. Demnach waren der Juni und der Juli 2026 so heiß wie nie zuvor in einem Sommer. Zudem ist die Bodenfeuchtigkeit in diesem Jahr laut Copernicus „wesentlich niedriger“ als im Juli 2022, als in Westeuropa eine ähnlich extreme Dürre herrschte.
„Extreme Sommer sind die Regel“
Schon damals konstatierten die Experten, „dass wir einen bald typischen Sommer erleben“, wie Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) schon 2022 vor dem Hintergrund niedriger Wasserstände in Flüssen, Waldbränden oder Notlagen bei der Trinkwasserversorgung erklärte. Ähnliches kam vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „2022 ist erneut eine Mahnung, dass extremere Sommer zur Regel geworden sind“, so PIK-Meteorologe Peter Hoffmann. Sage also niemand, es habe keine Warnungen gegeben.

Und natürlich spielt auch die Golfgilde längst nicht mehr auf Inseln der Seligen, wie zu Zeiten der Corona-Pandemie beispielsweise. Die Einschläge sind so unübersehbar wie Pitchmarken auf einem Grün.
Parklandplätze wie linkskurse
In der Region Bordeaux stellten alle Anlagen wegen der tagelang wütenden Waldbrände temporär den Betrieb ein. Eine Feuerwalze bedrohte das französische Heide-Hurra Golf de Fontainebleau. Im fränkischen GC Am Reichshof verursachte eine Sturmzelle schwere Schäden auf dem Platz. Die Küstenerosion nagt an schottischen Ikonen wie Royal Dornoch oder North Berwick, und selbst der Old Course ist gefährdet. Montrose in Schottland, Royal North Devon in England und Falsterbo in Schweden haben bereits komplette Bahnen an das Meer verloren.
Das sind nur ein paar wahllos herausgegriffene Beispiele. In hiesigen Gefilden präsentieren sich landauf, landab selbst Parklandplätze oft wie Linkskurse. Bretthart und braun. Immerhin in vielerlei Schattierungen. Das ist die neue Farbe der Fairways. Gewöhnen wir uns daran!
„Golfanlagen und im Speziellen das Greenkeeping werden durch den Klimawandel vor enorme Herausforderungen und herkulische Aufgaben gestellt“, sagt Trevor Norris, der sich auf Entwicklung, Verbesserung und Instandhaltung von Golfplätzen spezialisiert hat, weltweit in Sachen Platz- und Projektmanagement, Agronomie, Pflege und Nachhaltigkeit unterwegs ist und Anlagen wie die Solheim-Cup-Bühne Bernardus Golf und den 2027er-Ryder-Cup-Schauplatz Adare Manor auf der Referenzliste hat.
Vorbei die Zeiten von „Es grünt so Grün“
Hand aufs Herz: Wer heute noch über vermeintlich „verdurstete Halme“ und wenig einladende, weil knochentrockene Bahnen lamentiert – und solche Beschwerden gibt es nach wie vor –, unterliegt ebenjener Inselwahrnehmung, pflegt ein Luxusproblem und hat schlichtweg den Schuss nicht gehört. Das Greenkeeping hat allerorten genug damit zu tun, mit dem knappen Gut H2O aus verdunsteten und auf Dauer zur Neige gehenden Regenwasserteichen wenigstens Abschläge und Puttflächen saftig zu halten. Generell gilt: Vorbei sind die Zeiten von „Es grünt so grün“. Gewöhnen wir uns daran!
Hitze, Trockenheit, Starkregen, Stürme und andere Extreme treten nicht mehr nur als außergewöhnliche Ereignisse auf, die nach einigen Tagen wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Sie justieren die Rahmenbedingungen neu, unter denen Golfanlagen funktionieren. Damit muss auch bei den Erwartungen an das Spiel umgedacht werden. Der schwierigste Teil dieser Veränderung sitzt allerdings nicht hinter dem Schreibtisch im Managementbüro oder auf dem Fairwaymäher. Nein, das Zünglein an der Waage steht am ersten Abschlag.
Bisherige Gleichung nicht mehr haltbar
„Die Golfer müssen von nicht mehr zeitgemäßen Qualitätsansprüchen ab-kommen und sich dem Klimathema und den Umweltbelangen anpassen“, sagt Werner Gallas, Geschäftsführer des Ostsee Golf Resort Wittenbeck. „Wenn man im Sommer 13 Wochen lang keine Niederschläge hat, kann ich nicht wahllos das Wasser auf den Platz bringen, damit da ein grüner Halm hochsteht.“
Oder anders: Der Golfsport hat sich über Jahrzehnte an ein ästhetisches Ideal gewöhnt. Fairways und Semiroughs sollen grün sein. Grüns sollen noch grüner sein. Diese Gleichung ist unter veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr haltbar. Statt in Richtung Augusta National Golf Club zu schielen, wo der Platz kaum frequentiert und fürs Masters nach allen Regeln der Greenkeeping-Kunst gepäppelt wird, sollte der Blick nach Schottland gehen, wo das Festuca-Gras auf den ursprünglichen Bühnen für das Spiel seit Jahrhunderten jedweder Witterung trotzt.
Gutes Gras pfeift aufs Grünsein und schläft
Sowieso: Ab etwa 30 Grad stellen Gräser ihr Wachstum ein. Sie gehen, vereinfacht gesagt, in eine Art Schonhaltung. Das Grün verschwindet, die Pflanze bleibt. Bei Hitze und Trockenheit schläft „gutes Gras“ regelrecht ein, spart Energie, pfeift aufs Grünsein und wartet auf bessere Bedingungen. Kommt beizeiten belebendes Nass, blüht der Teppich wieder auf. Apropos blühen: Gras kann überdies während seiner Blütezeit die Farbe wechseln.
Braun ist also nicht automatisch tot. Grün ist nicht automatisch gesund. Braun ist vielmehr das neue, das bessere Grün. Keine aktuelle, indes eine nicht oft genug wiederholbare Erkenntnis.
Braunes Gras steht nämlich vor allem für die genügsamen und widerstandsfähigen Gräser, die keine Tonnen von Dünger und Pestiziden und sintflutartige Wassergaben brauchen, um allen Widrigkeiten zu trotzen. Festuca, der Schwingel, ist ein Paradebeispiel. Die robusten Gräser prägen seit Jahrhunderten die klassischen Linksplätze in aller Welt. Im Gegensatz zu gierigen Gräsern wie
Poa annua, dem einjährigen Rispen- oder auch Futtergras, gedeihen sie auf kargen, sandigen Böden an zumeist rauen Küsten zwischen Wasserlinie und fettem Ackerland. Sie kommen mit Wind und Trockenheit zurecht und benötigen vergleichsweise wenig Wasser und Nährstoffe. Daher stammt übrigens auch der Terminus Links: vom altenglischen „hlinc“ für karg, unfruchtbar.
Derart nachhaltiges Greenkeeping funktioniert nur, wenn der Golfer die Erwartungen verändert. Es braucht Umdenken, einen Perspektivwechsel – und Solidarität mit den Golfanlagen, die unter grundlegend veränderten Bedingungen existieren müssen: steig-ende Energiepreise, höhere Produktions- und Personal-kosten, Rohstoffmangel, Lieferengpässe und die Transformation der Energie-versorgung. Dazu kommt der gesellschaftliche Wandel: veränderte Freizeit-gewohnheiten, neue An-sprüche an Service und Spieltempo, demografische Veränderungen und eine junge Generation, die andere Erwartungen an Sport und Freizeit hat.
Forderungen nach Platz-Schließungen
Wassermanagement ist nur eine dieser Herausforderungen. Und es lassen sich halt nicht mal eben Flächen für weitere Teiche herbeizaubern, Beregnungsanlagen optimieren oder Teile des Platzes für Monate stilllegen, um – mit erheblichem Wassereinsatz (sic!) – klimaresistentere Grassorten einzusäen. Von den finanziellen Voraussetzungen gar nicht zu reden.
Ein Gedanke noch: Bei alldem geht es beileibe nicht nur um Fairways in Sisal-Anmutung und mühsam halbwegs saftig gehaltene Grüns und Abschläge. Die Causa reicht bis weit in die Mitte der Gesellschaft und mobilisiert erneut Marodeure unter dem Deckmäntelchen der ökologischen Tugendhaftigkeit, die während der Hitzesommer 2018 und 2022 Fahnenlöcher mit Zement füllten, Tomaten in Grüns pflanzten und mit Sprühfarbe Botschaften wie „Golf für Wenige = Wasserknappheit für Viele“ hinterließen. Gerade jüngst war wieder auf Instagram zu lesen: „Wann fangen wir eigentlich damit an, Golfplätze zu schließen, um Wasser zu sparen? Für die Bewässerung eines durchschnittlichen Golfplatzes werden jedes Jahr rund 185.000 Kubikmeter Wasser benötigt. Das ist schon eine ganze Menge, nur damit weniger als 1% der Menschen ein paar kleine Bälle in Löcher schlagen können …“

Mit fachlichkeit gegen Polemik
Abgesehen von der kruden Kubikmeter-Kalkulation: Die Golfgilde sollte gewappnet sein, derart populistischer Polemik mit Fachlichkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen – fernab von Blühpakten, Projekten wie „Lebensraum Golfplatz“, dem Gütesiegel „Golf & Natur“ und zahllosen anderen Initiativen. Argumente gibt es genug: Golfanlagen sind Rückzugsorte der Artenvielfalt – Stichwort Biodiversität – und Refugien für Flora und Fauna. Sie renaturieren ausgeräumte Landschaften, Industriebrachen, Konversionsflächen.
Allein in Deutschland belegen die über 700 Ensembles eine Fläche von etwa 48.000 Hektar. Grasnarbe und Flora reduzieren die Erosion des Bodens auf nicht mal ein Prozent, binden jährlich ca. 500.000 Tonnen Staub und produzieren pro 18-Loch-Platz Sauerstoff für bis zu 7.000 Menschen. Weltweit geben rund 2,6 Millionen Hektar dem Spiel Raum und die Möglichkeit, zugunsten des Klimas zu wirken.
Der Golfsport wäre gut beraten, den Dialog zu suchen und Antworten zu formulieren – so eine Debatte auf Sachebene denn machbar ist. Frei nach der Devise: Auch wir können Kampagne. Nicht erst, wenn die nächste Aktivistengruppe vor dem Clubhaus steht.
Medianachweis: ©Michael F. Basche