Die Golfstimme ist nicht mehr

Peter Oosterhuis hat Golf und die Bericht­erstattung lange geprägt. Anfang Mai verstarb er.

Im Golf kann es mitunter knapp zugehen. Das wusste auch ­Peter Oosterhuis, der am 3. Mai 1948 in London geboren wurde.­ Fast auf den Tag genau 76 Jahre­ nach seiner Geburt verstarb er am 2. Mai in Charlotte, North Carolina.­ Mit Oosterhuis verliert der Golfsport nicht nur einen herausragenden Sportler, sondern auch einen Experten und eine Stimme, die die Golfübertragungen für viele Jahrzehnte mitgeprägt hat.  

Der Sohn eines niederländischen Vaters und einer englischen Mutter wuchs in England auf, besuchte das renommierte Dunwich College. Im Nachkriegsengland genoss er eine hervorragende Ausbildung und war ein ausgezeichneter Amateurgolfer. Er war der erste Schüler, der Großbritannien und Irland beim Walker Cup vertrat, und er war Mitglied des Eisenhower-Trophy-Teams. Ende der 1960er-Jahre wurde er Profi. Er spielte zunächst auf der erst eingeführten European Tour und gewann viermal in Folge die European Tour Order of Merit, von 1971 bis 1974. Er war auch der Geldranglistensieger in den Jahren 1972 und 1974, was nicht gleichbedeutend mit der Order of Merit war, weil jene damals auf einem Punktesystem basierte. 1971 gab er schlielich sein Debüt auf der PGA Tour, wurde 1984 Zweiter bei den Open.  1973 wurde er beim Masters 1973 auch geteilter Dritter. Nachdem Oosterhuis Turniere in Afrika und Europa gewonnen hatte – darunter die National Open in Frankreich (zweimal, 1973 und 1974) und Spanien, insgesamt sieben DP-World-Tour-Titel und drei auf der Southern Africa Tour –, machte er sich auf den Weg in die USA. Er qualifizierte sich für die PGA Tour und spielte von 1975 bis 1986 Vollzeit.

In den USA

Oosterhuis debütierte in seiner Rookie-Saison auf der PGA Tour beim Eröffnungsevent, den ­Phoenix Open 1975. Mitte des Jahres belegte er bei den First NBC New Orleans Open einen zweiten Platz. Auch bei den U.S. Open war es für ihn zuletzt knapp. Am letzten Tag war er auch im Rennen um den Sieg der U.S. Open. 

Die Spitzenreiter hatten schon früh Probleme, und Oosterhuis’ gleichmäßiges Par-Golf auf den ersten acht Löchern reichte fast aus, um sie einzuholen. In der Mitte der Runde machte er jedoch vier Bogeys in Folge. Am Ende wurde er geteilter Siebter. 1975 trat er auch beim Ryder Cup an. Beim Ryder Cup war Oosterhuis sechsmal in den Mannschaften Großbritanniens und später ­Europas vertreten. Dabei konnte er Einzelsiege über die Golfgrößen Arnold Palmer und Johnny Miller verzeichnen. 

Die Erfolge 

„Oosty“ kam mit seiner Leis­tung jedoch nicht weiter. Bis in die späten 1970er-Jahre behielt er problemlos seine Tour-Karte, war aber kein regelmäßiger Anwärter auf den Sieg bei Events auf der PGA Tour. Seine Jahresendstatistiken bis Ende der 1970er-Jahre weisen bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit seinen Ergebnissen von 1975 auf. 1976 schaffte er bei 25 von 29 Veranstaltungen drei Top-10-Platzierungen und elf Top-25-Platzierungen. 1977 schaffte er 18 von 25 Cuts mit drei Top-10- und neun Top-25-Platzierungen, darunter einen zweiten Platz bei den Canadian Open, seinen dritten und letzten zweiten Platz auf der Tour. Im Jahr 1978 verzeichnete er 20 Cuts in 24 Events, dar­unter zum vierten Mal in Folge drei Top-10-Platzierungen sowie sechs Top-25-Platzierungen. Anfang der 80er tat er sich nach einem Jahr ohne Top-10-Platz weiterhin schwer. Doch dank neuem Trainer schaffte er 1981 seinen einzigen PGA-Tour-Sieg. Er verwies unter anderem Jack Nicklaus um einen Schlag auf die Plätze. „Was für eine Möglichkeit zu gewinnen, nachdem ich gesehen habe, wie diese großen Namen hereinkamen und meiner immer noch ganz oben auf der Bestenliste blieb“, sagte er. „Ich habe das Glück, dass der Kurs so hart ist. Er erlaubt niemandem, einen kraftvollen Abschluss zu erzielen.“ Er baute auf diesem Erfolg auf und verzeichnete 1982 vier Top-10-Platzierungen und 13 Top-25-Platzierungen, unter anderem wieder Zweiter bei den Open. Diese Jahre waren seine besten jemals auf der PGA Tour. Bei der Open Championship 1982 wurde er außerdem Zweiter.

Abgesang und Comeback

Doch das Formbarometer zeigte nicht mehr nach oben. Ein paar Top-10-Plätze kamen bis 1986 noch dazu. Von 1987 bis 1993 war er Direktor des Forsgate Country Club in Jamesburg, New Jersey, und des bekannten Riviera Country Club in Pacific Palisades, Kalifornien. 1993 versuchte er sich noch einmal auf der European Tour, verpasste bei 13 Antritten aber immer den Cut. Insgesamt feierte er 28 Siege. 1994 wurde Oosterhuis vom Fernsehsender Sky Sports als Berichter­statter der PGA Tour verpflichtet, ­außerdem kommentierte er für die BBC zwei Open Championships. Von 1995 bis 1997 war er der führende Analyst der Golf-Channel-Übertragungen der European Tour. Schließlich ­arbeitete Oosterhuis 1998 in Vollzeit für das US-amerikanische CBS-Sports-Reporterteam, wo er neben seinen Analysen auch die Vor- und Nachberichterstattungsshows zu den Golfturnieren betreute.

Verstummt

Oosterhuis prägte die Golfberichterstattung über viele Jahrzehnte, wie es nicht vielen anderen gelang. Er war US-Sportfans wahrscheinlich am besten als langjährige Stimme des 17. Lochs im Augusta National während der jährlichen Masters-Berichterstattung von CBS bekannt. Nachdem er mit seiner zweiten Frau Ruth Ann nach Charlotte, North Carolina, gezogen war, wo er Mitglied des Quail Hollow Club war, zog er sich nach der Berichterstattung von CBS über die PGA Championship 2014 vom Rundfunk zurück und gab später bekannt, dass er mit einer früh einsetzenden Alzheimer-Krankheit zu kämpfen hatte. Er hinterlässt seine Frau, die Söhne Rob und Rich, die Stiefsöhne ­Byron und Matt sowie die vier Enkelkinder Peyton, Turner, Sutton und Lachlan.

Experte im Fernsehen, so kannte man Oosterhuis (ganz rechts).

Medianachweis: Sportcomm/Getty Images

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