Die Geschichte des Ryder Cups 2025 beginnt vor zwei Jahren mit einem berühmten Zitat von Rory McIlroy. Soeben hatte der Nordire mit seinen guten Freunden Shane Lowry, Tommy Fleetwood und Co unter Teamkapitän Luke Donald sehr überzeugend den Ryder Cup in Rom für sich entschieden und damit zurück nach Europa geholt. In der Pressekonferenz wurde er nach weiteren Zielen in seiner Karriere gefragt. „Einen Auswärts-Ryder-Cup zu gewinnen, gehört zu den größten Leistungen im Golf. Und genau das werden wir in Bethpage tun“, hatte McIlroy sogleich recht selbstbewusst verkündet.
Weit über das Ziel hinaus
Fast Forward, zwei Jahre später, Tatort New York. Mit dem fast identischen Team (einzig Nicolai Højgaard wurde durch seinen Zwillingsbruder Rasmus ersetzt) reist Europa zur Operation Bethpage an.
Dass es nicht leicht werden würde, wusste man, auf die berühmt-berüchtigte New Yorker Crowd war man auch dank einer VR-Simulation (kein Witz) mit fiesen Sprüchen der gastgebenden Fans bestens vorbereitet. So dachte man zumindest. Was Luke Donald und Co dann allerdings erwartete, ging zum Teil leider weit über die Grenzen des bisher Vorstellbaren, gerade was die Fairness bei einem Ryder Cup angeht, hinaus.
Dem gegnerischen Team einen lustigen Spruch an den Kopf zu werfen, kommt auch in Europa unter dem Begriff „Banter“ durchaus gerne einmal vor. Auch das Ausbuhen der Gegner ist in einem gewissen Rahmen auf jeden Fall noch zu vertreten. Doch einen Spieler über Tage lang auf Schritt und Tritt mit zum Teil übelsten Beleidigungen gegen Freunde und Familie zu penetrieren, war neu.
Das Opfer im Team Europe war schnell gefunden: Rory McIlroy. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass „Rors“ so gut wie nie ein Blatt vor den Mund nimmt und sich auch in der Vergangenheit beim Ryder Cup schon gerne mit der US-Crowd angelegt hat. Unvergessen sein Duell mit Patrick Reed 2016 in Hazeltine, das zumindest auf den ersten neun Bahnen zu den besten in der Ryder-Cup-Geschichte gehörte.
Am Ende gewann Reed das denkwürdige Match und die USA den Ryder Cup. Schon im Vorfeld dieses Ryder Cups hatte Bryson DeChambeau die Rolle von Patrick Reed übernommen, die ihm nach diversen spannenden Duellen mit dem Nordiren quasi auferlegt worden war. Und auch wenn ein direktes Duell der beiden in New York ausblieb, Freunde werden sie wohl nicht mehr.

Der Skandal von abschlag 1
Über die unzähligen Schmähungen, die Rory McIlroy und auch Shane Lowry und Robert MacIntyre in New York über sich ergehen lassen mussten, und auch ihre Reaktionen darauf wurde bereits so viel berichtet, dass wir hier keine weiteren Details nennen brauchen und möchten.
Nur so viel sei gesagt: Ob es von der Seite des Veranstalters, der PGA of America, dann klug ist, eine MC zu beschäftigen, die sich nach mehreren kläglichen Versuchen, auf dem Grand Stand an Tee 1 Stimmung zu machen, zu dem Gesang „Fuck you, Rory!“ hinreißen lässt, um die eh schon sehr feindselige Stimmung weiter anzuheizen, ist mehr als fraglich.
Oder sagen wir einmal so: Das ist ja wohl ein absolutes No-go.
team europa nicht zu stoppen
Golferisch sind die ersten beiden Tage recht einfach zusammenzufassen. Während Team Europa mit einem „Jetzt erst recht!“-Gefühl im Bauch wie eine Einheit spielte, fielen die US-Gruppierungen, die Keegan Bradley Luke Donald entgegensetzte, in sich zusammen wie Kartenhäuser. Mit 3-1, 2 ½-1 ½ , 3-1 und noch einmal 3-1 gingen alle vier Vierer-Sessions an das sensationell aufspielende Team von Luke Donald. Europa spielte sich mit wirklich fantastischem Golf in einen Rausch, führte völlig verdient mit sagenhaften 11 ½ zu 4 ½ Punkten. Team USA um Keegan Bradley stand vor einem Scherbenhaufen.

USa mit vielen problemen
Die toxische Stimmung eines großen Teils der berüchtigten Fans hatte nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Ganz im Gegenteil sogar: Denn während die Europäer noch fester zusammenstanden, wirkten die Mannen von Bradley sichtlich verunsichert. Und als hätte Team USA nicht schon im Vorfeld mit der Diskussion um Antrittsgage und Keegan Bradley als möglichen „Playing Captain“ genug Probleme gehabt, kamen jetzt auch noch die eigenen Zuschauer dazu.
Völlig unerwartet
Der Finaltag sollte dann eigentlich zu einem Triumphmarsch des europäischen Teams werden, da man nach dem Ausfall von Viktor Hovland (hatte Nackenprobleme und so wurde sein Match mit Harris English nach der durchaus fragwürdigen „Envelope Rule“ geteilt) nur noch ganze zwei Pünktlein zum Erhalt und 2 ½ zum Sieg beim Ryder Cup benötigte.
„Ich war damals beim Superbowl LI (2017), als Tom Brady mit den Patriots zur Halbzeit 28-3 gegen die Falcons zurückgelegen und das Ding noch gewonnen hat. Warum also sollen die Jungs hier nicht auch noch ein Wunder schaffen?“, gab sich Keegan Bradley an Tee 1 immer noch optimistisch vor den Kameras. Was blieb dem armen Kerl nach dieser Klatsche an den ersten beiden Tagen denn auch anderes übrig?

So muss Ryder Cup
Apropos Tee 1. Die Tribüne, auf der in den vergangenen zwei Tagen sprichwörtlich die Hölle abgegangen war, präsentierte sich auf einmal wie auswechselt. Einige US-Fans und anscheinend besonders die Pöbler, hatten die Reise nach Bethpage am Sonntag erst gar nicht mehr angetreten. Denn bei einem Stand von 12 zu 5 für Europa hatten sie ihr Team bereits abgeschrieben. Tickets für den Finaltag gab es im Internet glatt für um die 300 Dollar.
Noch vor dem ersten Abschlag ereignete sich dann so etwas wie ein kleines Wunder. Die Stimmung an Tee 1 war auf einmal richtig gut. Und sie war vor allem fair. Europa und die USA feuerten ihre Stars gemeinsam an und das tat dem ganzen Event wirklich irre, irre gut.
TEAM USA wirft alles rein
Vor allem dem Team USA, das mit dem Rücken zur Wand und dem überragenden Cameron Young im ersten Flight eine denkwürdige Aufholjagd startete. Denn obwohl das Leaderboard sich zu Beginn einmal wieder fast nur blau (Europa) färbte, blieben die Jungs um Keegan Bradley am Ball.
Und plötzlich schwang das Pendel auch endlich einmal auf die Seite der USA. Match um Match gewannen Young und Co ihre Bahnen und gefühlt zum ersten Mal in dieser Woche tauchte die Farbe der Gastgeber (rot) auf dem Leaderboard auf. Die treuen USA-Fans trauten ihren Augen nicht, machten aber sofort Stimmung und peitschten ihre Mannen nach vorne.

viele Denkwürdige partien
Allein über die Matches Cam Young vs Justin Rose, Justin Thomas vs Tommy Fleetwood und Bryson DeChambeau vs Matt Fitzpatrick könnte man hier mehrere Seiten schreiben. Wem sich also die Gelegenheit bietet, den Finaltag noch einmal zu sehen, der sollte das unbedingt tun. Sowohl Young als auch Thomas beendeten ihre Matches mit unglaublich nervenstark gelochten Putts zum jeweiligen Sieg auf der 18. Zwei Punkte für Team USA waren im Kasten und das Momentum auf ihrer Seite. Auch Bryson DeChambeau schaffte mit 5 Down nach nur sieben Bahnen mit seiner typischen Art noch ein kleines Wunder und rang Matt Fitzpatrick auf der 18 tatsächlich noch ein Unentschieden ab. Und als wenig später sowohl Scottie Scheffler (vs McIlroy) und auch völlig überraschend Xander Schauffele (vs Rahm) ihre Punkte nach Hause brachten, wurde selbst der hartgesottenste Europa-Fan langsam nervös. Das Finale des Ryder Cups 2025 wurde völlig unverhofft zum Spannendsten, was dieser Kontinentalvergleich seit 2012 gesehen hat, und das hatten sich sowohl die verbliebenen amerikanischen als auch die europäischen Fans absolut verdient.
der irische Bär macht den Sack zu
„Falls es doch noch eng werden sollte, haben wir am Ende noch ein paar nervenstarke Leute“, hatte Luke Donald am Sonntag seine Strategie erklärt und meine Güte, was war da am Ende plötzlich los. Da einzig Ludvig Åberg sein Match gegen Patrick Cantlay gewann, waren auch nach sieben (!) Partien mit
13 ½ noch immer nicht genug Punkte für Team Europa gesammelt, um den Ryder Cup zumindest zu verteidigen. Und auch im Match Nummer 8 zwischen Russel Henley und Shane Lowry sah es nicht wirklich gut aus. Mit 1up für den Amerikaner ging es auf die 18. Da die hinteren Matches nur Unentschieden oder sogar bei den USA lagen, war die Spannung spätestens jetzt auf dem Siedepunkt, der Ryder Cup stand auf Messers Schneide.
Als Henley aus dem Fairbunker den wahrscheinlich besten Schlag seiner bisherigen Karriere bis auf ein paar Meter an die Fahne schlug, war in Bethpage die Hölle los. Nur wenige Sekunden später antwortete Lowry mit einem grandiosen Schlag gut zwei Meter an den Stock. Die Atmosphäre war unglaublich und der Ryder Cup in New York auf einmal das große Spektakel, das sich jeder erhofft hatte. Als Henley zum Birdie vergab und der „irische Bär“ wenig später zum Lochgewinn, Teilen des Matches und den so sehr benötigten halben Punkt für Europa verwandelte, stand die Zeit kurz still. Sekunden später „tanzte“ ein jubelnder Shane Lowry über das Grün und ließ sich zu Recht von den Fans und seinem Team feiern.
Was der Ryder Cup in Europa bedeutet
„Als wir an der 18 waren, habe ich zu meinem Caddie gesagt: Ich habe jetzt die Möglichkeit, das Größte zu tun, was ich jemals tun werde – und ich habe es getan. Ich bin sehr stolz darauf, denn der Ryder Cup bedeutet einfach alles für mich“, so Lowry nach der Runde. Und während die amerikanischen Zuschauer das Gelände relativ zügig verließen, wurde auf der Seite von Europa weiter gefeiert. Tyrrell Hatton stellte mit seinem halben Punkt auf 14 ½, ehe Bob MacIntyre in der letzten Partie mit einem weiteren halben Zähler für den Endstand von 15 zu 13 sorgte. Europa hatte den nach zwei Tagen eigentlich schon sicher geglaubten Ryder Cup fast noch aus der Hand gegeben und dann in einem absolut dramatischen Finale doch noch gewonnen. „Das waren die wohl stressigsten zwölf Stunden meines Lebens. Erst einmal großer Respekt an Team USA und ihren Kapitän Keegan, sie haben wirklich alles gegeben heute. Wir wussten, dass es hart wird, hier zu gewinnen und ich könnte nicht stolzer auf meine Jungs sein. Sie kamen hierher, um Geschichte zu schreiben und sie haben es getan“, zeigte sich ein völlig erschöpfter Luke Donald überglücklich.
Gesicht gewahrt
„Gratulation an Team Europa. Sie waren diese Woche einfach besser und sie haben mit Luke Donald den meiner Meinung nach besten Kapitän, den sie je hatten“, zeigte sich Keegan Bradley wenig später als fairer Verlierer, der dank dieser sensationellen Aufholjagd seines Teams trotz vieler Fehler seinerseits (z.B. Course Setup) tatsächlich noch erhobenen Hauptes vom Platz gehen konnte.
Was am Ende für die USA bleibt, ist immer noch die Frage, wie man aus zwölf Individualisten auch an den ersten beiden Tagen, wenn eben nicht nur jeder für sich spielt, ein Team formen kann. Generell aber muss man sich um Cam Young und Co nach dem beherzten Auftritt am Sonntag, der fast im größten Comeback aller Zeiten gipfelte, keine Sorgen machen.
Was für Europa und Kapitän Luke Donald am Ende bleibt, ist ein Eintrag in die Geschichtsbücher. Der europäische „Donald“ ist neben dem legendären Tony Jacklin der einzige europäische Kapitän, der den Ryder Cup sowohl daheim als auch auswärts mit seinem Team gewinnen konnte. Operation Bethpage ist geglückt.
Fazit: Zum Glück fand der Ryder Cup 2025 in Bethpage, New York, mit einem wirklich megaspannenden Finish einen versöhnlichen Abschluss. Doch sollte man bei all dem Geld, das mittlerweile bei diesem Event im Spiel ist, die Idee vom Gründer Samuel Ryder nicht außer acht lassen und vor allem ehren: Der Ryder Cup ist ein freundschaftlicher und sportlicher Vergleich zwischen den besten Spielern der USA und Europas – kein Krieg.
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