Finale fatale?

Neue schlechte Nachrichten rund um die LIV-Liga

Die LIV-Liga ist wieder im Spiel und der als LIV UK deklarierte Auftritt im JCB Golf & Country Club läutet den Schlussakkord des Konkurrenz-Circuit ein. Für immer? Oder nur für die Saison 2026? Aber vielleicht wird nicht mal die ordnungsgemäß abgewickelt. So hat es jedenfalls Martin Kaymer angedeutet, der dem Teamfinale Ende August in Michigan gerade mal eine Chance von fünf Prozent gibt. „Es sieht nicht gut aus“, sagte der deutsche LIV-Star nach einem Meeting der Kapitäne mit CEO Scott O’Neil vor dem England-Event. Im Juni war bereits LIV Louisiana „verschoben“ worden, was zu einer längeren Sommerpause führte. Nun droht gar ein Finale fatale mit einem vorzeitigen Ende nach den August-Turnieren bei Donald Trump in Bedminster/New Jersey und in Indianapolis.

Zumal der offenbar zahlungsunfähigen Liga juristischer Ärger wegen unbezahlter Rechnungen sowie Plagiatsvorwürfen ins Haus steht und auch der Unterbau mit der International Series auf der Asian Tour abhanden gekommen ist, die dieser Tage eine mehrjährige Partnerschaft mit der PGA Tour und der DP World Tour abgeschlossen hat. Die neue Vereinbarung wurde während der Open Championship abgeschlossen und sieht unter anderem von den Touren co-sanktionierte Turniere in Asien vor, die dann auch mit einem entsprechenden Star-Aufgebot beschickt werden dürften. Auch hier scheint die finanzielle Förderung durch Saudi-Arabien und dessen Staatsfonds PIF via LIV Golf versiegt zu sein.

„Angesichts der aktuellen Umstände mussten wir andere Optionen prüfen“, erklärte Asian-Tour-CEO Cho Minn Thant den abrupten Seitenwechsel. „Wir sind der Meinung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mit der DP World Tour und der PGA Tour zusammenzuarbeiten, um die Asian Tour für unsere Mitglieder, Fans und Partner weiterzuentwickeln.“ Laut mehrerer Quellen kam dies für LIV Golf völlig überraschend, das damit einen wesentlichen Aspekt des Konzepts verliert, nämlich gerade von der PGA Tour vernachlässigte Märkte zu bespielen. Bereits vor einiger Zeit ist das Establishment eine ähnliche Kooperation mit Golf Australia zur Stärkung der Australian Open eingegangen.

Damit nicht genug: Diese Woche wurde bekannt, dass das kanadische Technologieunternehmen Mobii Systems Group Ltd. Klage wegen ausstehender Zahlungen von mehr als einer Million Dollar eingereicht hat. Mobii Systems stellt die von LIV genutzte Übertragungstechnologie Any Shot, Any Time. Seit April hängt außerdem das Damoklesschwert einer Plagiatsklage über LIV. Die vor dem Auftauchen von LIV im Jahr 2022 als Herausforderer von PGA Tour und DP World Tour gehandelte Premier Golf League (PGL) und deren in London ansässige Muttergesellschaft World Golf Group werfen LIV und dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF als Noch-Besitzer vor, vertrauliche Informationen und Konzepte der PGL für den Aufbau der Liga genutzt zu haben, die „eine schamlose Kopie der PGL“ sei, und fordern Schadenersatz in Höhe von hunderten Millionen Dollar. Pikanterweise hatte Greg Norman als Initiator des ganzen LIV-Theaters der PGA stets vorgeworfen, seine originäre Idee von einer Welttour aus den 1990er-Jahren geklaut und später als World Golf Championships (WGC) umgesetzt zu haben.

Sei’s drum, die Schlinge des Scheiterns zieht sich anscheinend immer weiter zu, und es ist kein Investor als Knotenlöser in Sicht. Wie’s um die Zukunft der LIV-Liga bestellt ist, kann laut Martin Kaymer aktuell auch Scott O’Neil nicht sagen, „weil er es selbst nicht weiß“. Es gebe wohl Gespräche mit potenziellen Geldgebern „und Scott und sein Team arbeiten sich den Allerwertesten ab, um eine Einigung zu erzielen“, so Kaymer. „Aber wenn sich diese Investoren zurückziehen, spielen wir nächstes Jahr kein Golf mehr bei LIV.“ Vorsorglich wurde die administrative Belegschaft von LIV Golf neulich schon mal darüber informiert, dass es nach dem Saisonende Entlassungen zwecks personeller Einsparungen geben könnte. Und für den Worst Case ist der Insolvenzantrag ebenfalls bereits vorbereitet. Derzeit sieht es tatsächlich so aus, als würde die Saudi-Schwalbe nur noch diesen Sommer fliegen.

Medianachweis: © Sportcomm/Gettyimages

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