Das Warm-up zum Ryder Cup ist absolviert, und die Ergebnisse hinterlassen gemischte Gefühle. Jenseits des Atlantiks gewinnt der Weltranglistenerste Scottie Scheffler die von US-Skipper Keegan Bradley zum Team-Building-Turnier erkorene Procore Championship, Captain’s Pick Ben Griffin wird Zweiter. Für Europa gibt es derlei Erfolge nicht zu vermelden. Rory McIlroy, die Nummer zwei der Golfgilde und frisch gekürter Irish-Open-Sieger, spielt bei der BMW PGA Championship als geteilter 20. keine exponierte Rolle; FedEx-Cup-Champion Tommy Fleetwood landet auf Rang T46. Aber wenigstens hat am Ende Alex Norén beim Flaggschiff-Event der DP World Tour in England die Nase vorn, der jüngst ernannte fünfte Assistent von Kapitän Luke Donald. Das ist ja schon mal was.
Die aktiven Ryder Cupper hingegen mussten sogar dem einstigen „Captain America“ Patrick Reed den Vortritt lassen, der Dritter wird. Matt Fitzpatrick, Tyrrell Hatton und Viktor Hovland werden immerhin geteilte Fünfte, Jon Rahm belegt Platz T13. Bradleys Bagage hingegen ist in Kalifornien fünf Mal in den Top 15 vertreten. Und selbst der für PGA-Tour-Turniere gesperrte LIV’ler Bryson DeChambeau war angereist und gab am Fairway-Rand den Edelfan.
Advantage USA? Ach, es gibt dennoch keinen Grund zu Pessimismus. Auf dem Black Course des Bethpage State Park werden die Karten ohnehin neu gemischt. Die europäische Equipe ist unmittelbar nach Wentworth zu einer Inspektionstour in die Höhle des amerikanischen Löwen aufgebrochen. Dort gibt es jetzt schon richtig was auf die Ohren – im Wortsinn. Donald hat Virtual-Reality-Kopfhörer verteilt und lässt Simulationen der erwarteten Geräuschkulisse und möglicher verbaler Ausfälligkeiten einspielen, um sein Dutzend zu desensibilisieren. Es ist ein weiteres Beispiel für Donalds Akribie in der Vorbereitung des Titelverteidigers. Was da genau erklingt, „das wollen Sie nicht wirklich wissen“, hat Rory McIlroy alle Frager beschieden. Dafür geht’s im Team umso harmonischer zu, von jeher ein Garant europäischer Ryder-Cup-Grandeur.
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