Am Ende betrug der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage im Play-off einen Schlag. Haeran Ryu hatte bei der Amundi Evian Championship im Evian Resort Golf Club eigentlich schon alles im Griff. Nach ihrer historischen 60 am Samstag, der niedrigsten Runde in der Geschichte eines Damen-Majors, ging die Südkoreanerin mit fünf Schlägen Vorsprung in die Finalrunde und schien auf dem Weg zu ihrem zweiten Major-Titel innerhalb von nur zwei Wochen zu sein. Leichter gesagt als getan. Während Ryu auf den letzten 18 Löchern lediglich eine Par-Runde gelang, spielte sich Brooke Henderson aus dem Nichts zurück ins Turnier. Die Kanadierin war mit sieben Schlägen Rückstand in den Sonntag gestartet und spielte eine jener Runden, die große Turniere manchmal hervorbringen. Ein Hole-in-one an der Acht, drei Eagles insgesamt und eine 64 brachten sie plötzlich auf Augenhöhe mit der Führenden.
Die 60 war nicht die Entscheidung
Nach dem Turnier drehte sich fast zwangsläufig vieles um Ryus 60 vom Samstag. Elf Schläge unter Par, Major-Rekord und die erste 60 in der Geschichte eines LPGA-Majors. Sogar die 59 war kurzzeitig in Reichweite, doch ihr Eagle-Putt auf der 18 lief knapp vorbei. Die Runde brachte ihr die Führung. Gewonnen hat sie das Turnier allerdings erst einen Tag später. Denn die 25-Jährige verlor ihren komfortablen Vorsprung komplett, blieb aber ruhig genug, um im Play-off sofort zurückzuschlagen. Während Henderson ihre Chance nicht nutzen konnte, machte Ryu genau das, was sie in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte: Fehler abhaken und weiterspielen.
Das nächste Kapitel einer bemerkenswerten Saison
Erst zwei Wochen zuvor hatte Ryu ihren ersten Major-Titel bei der KPMG Women’s PGA Championship in Minnesota gewonnen. In Évian-les-Bains folgte direkt der
zweite. Back-to-back-Majors sind selbst im koreanischen Damengolf, das an Erfolge gewöhnt ist, eine Seltenheit.
Hinter Ryu und Henderson belegte Aki Iwai mit einem Schlag Rückstand Rang drei. Die ehemalige Amateur-Weltranglistenerste Lottie Woad war als Führende ins Wochenende gegangen, konnte das Tempo der Schlussrunden aber nicht mehr mitgehen.
Für die größte Überraschung der ersten beiden Tage hatte allerdings Nelly Korda gesorgt. Die Weltranglistenerste und Gewinnerin der ersten beiden Majors des Jahres verpasste nach 34 geschafften Cuts in Serie erstmals seit zwei Jahren den Cut und musste damit ihre Chancen auf den dritten Major-Titel der Saison früh begraben.
Medianachweis: © Mark Runnacles/LET