Impibag im Doppelpack

Partnerschaft privat & beruflich

Golf Week: Wie ist die Idee zu Impibag entstanden und wann war klar, dass ihr es gemeinsam macht?

Tina & Edith: Es war kein einzelner Geistesblitz, sondern ein Prozess. Schon als Jugendliche habe ich viel gezeichnet und ‚erfunden‘, und im Austausch mit meiner Mama sind daraus erste Ideen für Impibag entstanden. Während eines Sommerpraktikums hatte ich besonders viel Zeit, und da entstand die Vision einer Tasche, die nur das Wesentliche vereint – praktisch für uns beide, weil wir nicht die Ordentlichsten sind. Wir haben die erste kleine Kollektion designen lassen und sie wie mit einem Bauchladen bei einem Event präsentiert. Die Nachfrage hat uns überrascht, und so wurde aus einem kleinen Projekt Schritt für Schritt ein wachsendes Business.

GW: Mutter-Tochter-Partnerschaft im Business klingt spannend – manchmal vielleicht auch explosiv. Wie funktioniert das wirklich?

T&E: Unsere Zusammenarbeit basiert auf einem engen Verhältnis, das wir schon immer hatten. Die Aufgaben waren klar verteilt: meine Mama übernahm Produktion und B2B, ich Marketing, Design und Sales. Kunden und Strategie haben wir gemeinsam betreut. Natürlich waren wir nicht immer einer Meinung, aber wir haben Diskussionen sachlich gelöst – wer rational recht hat, setzt sich durch, und dann geht es weiter. Der größte Vorteil ist auch die größte Herausforderung: Wir sehen uns ständig und reden viel über das Business. Dadurch verschwimmen Arbeit und Freizeit, aber da wir beide mit Leidenschaft dabei sind, war das nie ein Problem.

GW: Wie gelingt euch die Balance zwischen Business und Familie?

T&E: Wir trennen Berufliches und Privates eigentlich nicht streng. Unsere Gespräche haben sich einfach verändert: Früher ging es um Alltägliches, heute oft um Lederfarben oder Kollektionen. Das stört uns nicht, weil die Leidenschaft dieselbe geblieben ist. Natürlich merkt man manchmal, dass eine Pause nötig ist – dann verlagern wir das Thema ins Büro oder vertagen es. Klare Grenzen setzen wir nicht, aber wir spüren gut, wann es reicht. Seit meine Mama sich stärker auf MS&E konzentriert und ich Impibag fast vollständig übernommen habe, ist die Balance ohnehin einfacher geworden.

GW: Wie teilt ihr euch die Arbeit heute auf?

T&E: Am Anfang haben sich unsere Rollen ganz natürlich nach unseren Stärken aufgeteilt: meine Mama übernahm Produktion und B2B, ich Marketing und Sales. Mit der Zeit, besonders durch mein Studium und meinen Master in Management und Export, konnte ich immer mehr Bereiche selbst übernehmen – inzwischen auch die Produktion. Heute ist meine Mama eher in einer beratenden Rolle und bringt sich durch ihr Netzwerk bei B2B-Kontakten ein, während ich den Rest verantworte. So konnte ich Schritt für Schritt hineinwachsen, und für meine Mama war es schön, diese Entwicklung mitzuerleben und gemeinsam etwas aufzubauen.

GW: Welche besonderen Herausforderungen gab es am Anfang?

T&E: Eine große Herausforderung war die Produktion. Man denkt leicht: ‚So will ich es haben, und die Produktion setzt das dann genauso um.‘ In der Realität braucht es unzählige Anläufe, bis jedes Detail passt. Obwohl wir durch Mama Ediths Kontakte einen Vorteil hatten, mussten wir lernen, wirklich alles bis ins Kleinste festzulegen – vom Millimeter zwischen Knopf und Kante bis zum Hinweis auf den richtigen Lederfixierer. Gezweifelt haben wir dabei kaum, weil wir mit kleinen Stückzahlen gestartet sind. Sichtbarkeit über Auftritte wie ‚2 Minuten 2 Millionen‘ und konsequentes Netzwerken haben uns sehr geholfen. Herausforderungen gibt es aber nicht nur am Anfang – sie gehören zum Business dazu. Man wird mit der Zeit einfach resilienter und schneller im Lösen.

GW: Wie wichtig war euer Auftritt bei ‚2 Minuten 2 Millionen‘?

T&E: Der Auftritt war extrem wichtig. Bis heute erkennen uns noch Menschen wegen dieser Sendung. Es war eine Reichweite, für die wir nichts bezahlen mussten – und wir waren überrascht, wie unglaublich viele Leute das Format verfolgen.

GW: Welche Fehler haben euch am meisten weitergebracht – und was würdet ihr heute anders machen?

T&E: Einer unserer größten Fehler war, dass wir am Anfang gar nicht wussten, wer unsere Zielgruppe wirklich ist. Wir hatten zwar eine klare Vorstellung davon, wie wir uns positionieren wollen, haben aber lange versucht, die falsche Zielgruppe anzusprechen. Dafür sind viele Ressourcen draufgegangen, die wir sinnvoller hätten einsetzen können. Heute würden wir viel früher Daten sammeln – etwa über Google Analytics – und das mit direktem Austausch kombinieren, um den echten Bedarf zu erkennen. Am Anfang haben wir Features eingebaut, die mehr Probleme verursacht haben, als sie gelöst haben, und die für die Kund:innen letztlich gar nicht wichtig waren. Gerade in Zeiten, in denen alles teurer wird, ist es entscheidend, die Bedürfnisse der Zielgruppe genau zu verstehen, zu testen, Überflüssiges wegzulassen und offen für Überraschungen zu bleiben.

GW: Wie skaliert man eine Marke wie Impibag – und wo liegen die größten Wachstumshebel?

T&E: Skalieren ist besonders schwer, wenn man keine Vergleichswerte hat. Gerade in den ersten Jahren schwanken die Zahlen stark, und wir hatten lange ein viel zu großes Lager. Mit der Zeit haben wir gelernt, wie viel wir ungefähr brauchen und wann die nächste Kollektion geplant werden muss. Sehr wichtig sind auch gute Beziehungen zu den Produktionen – so kann man im Notfall schnell nachbestellen. Lagerbestände richtig einzuschätzen bleibt aber eine große Challenge, an der wir bis heute arbeiten.

GW: Wie schafft man es, wirtschaftlich nachhaltig zu bleiben, ohne Kompromisse bei Qualität oder Design?

T&E: Was wir mit den Jahren erkannt haben, ist: Man kann nicht alle glücklich machen. Unser Anspruch ist, ein Produkt zu schaffen, das funktional und zugleich designorientiert ist – ohne bei Qualität und Materialien Abstriche zu machen. Natürlich wissen wir, dass ein 20-Euro-PU-Tascherl von Amazon vielleicht dieselbe Grundfunktion erfüllt. Aber wir haben über Jahre daran gearbeitet, ein Design zu entwickeln, das wandelbar ist, alles kann, gut aussieht und dabei hochwertig und nachhaltig produziert wird. Das spricht eine andere Zielgruppe an – und genau das akzeptieren wir. Wir versuchen nicht, unser Produkt für jeden passend zu machen, denn das würde bedeuten, bei unseren Werten zu verzichten. Und das wollen wir nicht.

GW: Wie sieht Impibag in zehn Jahren aus?

T&E: Das wüsste ich auch gerne. Im Idealfall haben wir dann einen großen Bekanntheitsgrad und sind die Marke, die Funktionalität in die Taschenwelt gebracht hat. Mit neuen Designs und großem Nutzen wollen wir immer wieder zeigen, dass praktisch auch schön sein kann.

GW: Was sind eure nächsten Ziele?

T&E: Unser größtes Ziel ist die Ausweitung der Kollektion. Wir arbeiten unter dem Motto ‚Funktionalität trifft Design‘ – denn praktische Produkte dürfen auch schön aussehen. Da gibt es noch viele Bereiche, die wir abdecken können. Ein aktuelles Beispiel ist unsere neue Office Bag: eine Laptoptasche, die man sowohl auf der Schulter als auch am Rücken tragen kann und der man auf den ersten Blick gar nicht ansieht, dass sie eine Laptoptasche ist.

GW: Was würdet ihr anderen raten, die mit Familie ein Business starten wollen?

T&E: Ich würde es nur empfehlen, wenn die Beteiligten unterschiedliche Expertisen haben. So kommt man nicht in Versuchung, sich gegenseitig ständig reinzureden, und kann im Gegenteil viel voneinander lernen. Wichtig ist auch, dass es wirklich ein Herzensprojekt ist – dann stört es nicht, wenn man auch in der Freizeit darüber philosophiert und sich austauscht.

Medianachweis: Privat

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