Mit unserer Headline „Kitz kann‘s“ haben wir in der letzten Ausgabe ja bereits erwartet, dass die Austrian Alpine Open in einem der berühmtesten Wintersportorte der Welt auf jeden Fall etwas zu bieten haben werden. Und nach einer Woche voller Spiel, Spaß und Spannung können wir mit Fug und Recht behaupten, richtig gelegen zu sein. Einzig das i-Tüpfelchen eines Heimsiegs blieb den Veranstaltern am Ende verwehrt.

einfach eine andere Welt
Schon beim Betreten des Geländes des Golfclubs Kitzbühel-Schwarzsee-Reith beschleicht den Zuschauer das Gefühl, dass hier in dieser Woche alles gut laufen wird. Bei einem kleinen Spaziergang durch die gemütlich und freundlich gestaltete Public Area sticht einem bereits die erste Kuriosität ins Auge: ein Zelt mit einer riesigen, weißen Skirolle, auf der man tatsächlich Skifahren kann, und das bei knapp 27 Grad. Nachdem man sich verwundert die Augen gerieben und sich am „Würstelstand“ gestärkt hat, wird man wenige Meter später mit einer der schönsten Kulissen auf der DP World Tour inklusive Wildem Kaiser belohnt.
Volles haus dank Sepp & Co
Das Wetter passt und der Platz nach einer aufwendigen „Restaurierung“ ebenfalls. Die Stimmung ist gut bei den Gastgebern, vor allem weil der vierfache PGA-Tour-Sieger und zweifache Ryder-Cup-Sieger Sepp Straka den Weg in die Heimat gefunden hat und als Zuschauermagnet jede Menge Fans (am Ende der Woche werden es knapp 32.000) auf das Gelände zieht. Nach zwei Tagen und dem Cut ist die Laune im deutschen Lager hingegen eher mies. Weder Titelverteidiger Nicolai von Dellingshausen noch Marcel Siem und Freddy Schott haben die Qualifikation fürs Wochenende geschafft.
österreicher voll im soll
Ganz anders sieht es nach zwei Tagen dafür bei Rot-Weiß-Rot aus. Sepp Straka ist im Soll, Lokalmatador Maximilian Steinlechner sogar noch mehr und Bernd Wiesberger hat das Golfen auf der LIV-Tour nun wirklich nicht verlernt. Ganz weit oben auf dem Leaderboard taucht auch der Name Andrew Johnston auf, den man, und das hat sich natürlich auch in der Gamsstadt herumgesprochen, mit einem lauten „Beeeeeef“ anzufeuern hat.
mega Stimmung auf der 18
Die tolle Stimmung unter den Zuschauern findet jeden Tag auf Bahn 18 ihren Höhepunkt. Da man im Vorfeld des Turniers die Front- mit der Backnine getauscht hat, endet die Runde höchst ungewöhnlich mit einem Par 3, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil. Die große Tribüne am 18. Grün und der VIP-Bereich sind voll und feiern Sepp & Co mächtig an. Genauso wie die Amateure vom Beat-the-Pro, eine nette Idee, die dem sonst oft so trockenen Profigolf ein wenig frischen Wind um die Nase wehen lässt.

Wiesl und Co scheitern knapp
Nachdem sich die Pros an den ersten drei Tagen beschnuppert haben, geht es am Finaltag ans Eingemachte. Aufgrund möglicher Gewitter sind die Startzeiten vorgezogen und so bekommen die Fans schon sehr früh mit, wie Steinlechner, Straka und Wiesberger zur Aufholjagd blasen. Zwischenzeitlich scheint ein möglicher Heimsieg tatsächlich machbar, der dann aber leider mit einem Dämpfer endet. Maximilian Steinlechner kassiert ausgerechnet auf der letzten Bahn seinen einzigen Schlagverlust des Tages und wird bei 14 unter Par geteilter Siebter. Sepp Straka, der auf den Grüns „zu unterschiedlich“ gespielt hat, sich aber über „mehr Unterstützung als bei einem Major“ freute, landet nach Bogeys auf 11 und 17 auf dem geteilten zwölften Rang. Ganz bitter wird es am Ende für Bernd Wiesberger. Gerade als sich „Wiesl“ für seinen zweiten Schlag auf der 17 bereit machen will, folgt eine Gewitterunterbrechung. Im Anschluss kassiert der Burgenländer ein Bogey und ist raus aus dem Titelrennen. „Wenn man auf dem 15. und 16. Loch noch knapp daran kratzt, ganz vorne dabei zu sein, war es jetzt nicht das Finish, das man sich erhofft. Auch wenn es nicht ganz gereicht hat, war es eine Super-Woche und ein Super-Turnier – und das nicht nur für mich, sondern generell für den Golfsport in Österreich. Max und Sepp haben auch starke Leistungen gezeigt. Ich glaube, wir können als Golfland auf die Tage hier in Kitzbühel sehr stolz sein“, findet Wiesberger, der am Ende geteilter Vierter wird, dennoch ein paar versöhnliche Worte.
Kaneko mit ganz feiner klinge
Den Sieg und damit seinen ersten Titel auf der DP World Tour holt sich am Ende der Sieger der Japan Golf Tour Order auf Merit 2025, Kota Kaneko. Die Vorentscheidung zugunsten des Japaners fällt an Bahn 16, als Kaneko aus schwieriger Lage zu einem für alle völlig überraschenden Birdie einchippen kann. „Ich kann das alles nicht glauben. Ich hätte nicht gedacht, hier zu gewinnen. Auf der 16 wollte ich eigentlich nur irgendwie das Par retten, hab den Chip etwas hart getroffen und dann verschwand der Ball im Loch. Da war auch viel Glück dabei, aber das braucht man halt manchmal auch, um ganz vorne zu landen“, so der 23-Jährige aus der Präfektur Aichi überglücklich. Was als Fazit nach einer Woche Austrian Alpine Open in der Gamsstadt bleibt? Kitz kann‘s, Kaneko auch.
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