Cromvoirt ist ein winziges Dorf in der niederländischen Provinz Noord-Brabant. Das Leben der nicht einmal 1.000 Einwohner darf man beschaulich nennen. Wer etwas erleben möchte, muss ins benachbarte ’s-Hertogenbosch oder, besser noch, nach Eindhoven fahren. Doch die ländliche Ruhe im Kleinod wird in der zweiten Septemberwoche jäh unterbrochen. 80.000 Zuschauer werden sich nach Comvoirt aufmachen, um den Solheim Cup zu sehen. Der Kontinentalvergleich der besten Golferinnen aus Europa und den USA wird vom 11. bis 13. September auf der Anlage von Bernardus Golf ausgetragen, die erst 2018 eröffnet wurde und am nördlichen Rand des idyllischen Dorfes liegt.
Gewiss, auch St. Leon-Rot, Schauplatz 2015, ist keine Weltstadt, und der von Stararchitekt Kyle Phillips auf 85 Hektar designte Heideplatz braucht den Vergleich mit renommierten Golfclubs wie Gleneagles (2019) oder Muirfield Village (1998) nicht zu scheuen. Doch das eigentlich Ungewöhnliche oder besser gesagt Neue ist das Gastgeberland: Weder der Solheim Cup noch der Ryder Cup wurde je von einer so kleinen Nation wie den Niederlanden ausgerichtet. Wie kommt das?

Solheim Cup 2026, Jan van Merwijk, Sportdirektor des niederländischen Golfverbandes, und Dewi-Claire Schreefel, ehemalige niederländische Spielerin beim Junior
Solheim Cup (von links).
3-Punkte-Plan
Hinter Bewerbung und Umsetzung stehen Macher mit Visionen. „Es ist eine große Chance für dieses Land“, glaubt auch Tom Phillips, CEO der LET Tour. Und man darf sicher sein, dass sie genutzt werden wird, denn hinter der Ausrichtung und den damit verbundenen geschätzten
32 Millionen Euro gibt es einen klaren 3-Punkte-Plan. „Wir wollen Golf sichtbar machen, jüngere Zielgruppen ansprechen und vor allem mehr Frauen für den Sport begeistern“, verrät Jan van Merwijk, Sportdirektor des niederländischen Golfverbandes (NGF). Verglichen mit Österreich oder Deutschland ist das Durchschnittsalter der rund 430.000 Golferinnen und Golfer in den Niederlanden mit 53 Jahren bereits sehr niedrig. Auch an der Frauenquote wird schon länger zielgerichtet gearbeitet. Der Anteil der Spielerinnen konnte bereits von 27 auf 32 Prozent gesteigert werden. Angepeilt werden 40 Prozent. Besser geht immer, so die Devise der NGF-Verantwortlichen.

Daher soll der weltgrößte Event im Frauengolf mit einem entsprechenden Drive rüberkommen. „Wir haben nicht nur die VIPs im Fokus“, erklärt Jeroen Stevens.
Es werde gutes Essen, coole Drinks und viel Entertainment geben, so der Projektmanager Solheim Cup 2026. Und um das Golf-Establishment nicht zu verunsichern, schiebt er schnell nach: „Der Platz ist schon jetzt in einem perfekten Zustand. Wir sind bereit.“
Bei der Umsetzung des 3-Punkte-Plans sieht sich Jan van Merwijk auf einem guten Weg. Der Solheim Cup werde für den „final spin“ sorgen, so der Sportdirektor, der es wie folgt auf den Punkt bringt: „Es ist die Kirsche auf der Torte.“ Diese Kirsche wird sich der Verband vier Millionen Euro kosten lassen. So hoch ist der NGF-Anteil am Gesamtbudget des Solheim Cup, finanziert durch eine Beitragserhöhung von 18 auf 22 Euro pro Jahr. „Alle haben mitgezogen, auch die Vereine“, versichert der Sportdirektor nicht ohne Stolz.
Ping als Geburtshelfer
Die Riege der obligatorischen Geldgeber wird seit der Erstauflage 1990 von Ping angeführt. Kein Wunder, denn Ping-Gründer Karsten Solheim war die treibende Kraft hinter dem nach ihm benannten Kontinentalvergleich. Solheim, seit 2001 Mitglied der World Golf Hall of Fame, gilt generell als Förderer des professionellen Damengolfs.
Ein besonderes Anliegen von Ping ist der Junior Solheim Cup, bei dem das Unternehmen 2002 ebenfalls Geburtshelfer war und sich natürlich auch als Ausrüster präsentiert. Cromvoirt feiert beim „Ping Junior Solheim Cup“, so der offizielle Titel, eine weitere Premiere. Erstmals werden beide Turniere auf der gleichen Anlage stattfinden. Die Juniorinnen tragen ihr Match am 7./8. September unmittelbar vor ihren Vorbildern aus.
Gesucht und gefunden
Doch allein durch Sponsoren sind solche Großveranstaltungen nicht mehr zu finanzieren. Für die Schließung der Lücke sorgt Robert van der Wallen, erfolgreicher Unternehmer und Eigentümer von Bernardus Golf. Auch er verbindet mit seiner Investition klare Ziele. Kein Wunder, denn der Milliardär ist Marketingfachmann. Eine von ihm gegründete Firma wurde zum Weltmarktführer bei Kundenbindungsprogrammen für den Handel.
Als Austragungsort der Dutch Open auf der DP Word Tour (2021–2023) und mit der Wahl zum besten Golfclub des Landes (2024–2026) hat er Bernardus Golf binnen kürzester Zeit erfolgreich auf die niederländische Golflandkarte setzen können. Doch das reichte nicht. Bereits parallel zum Tour-Event und zu den Auszeichnungen wurden neue Möglichkeiten gesucht und gefunden. Durch den Solheim Cup wird Bernardus Golf noch mehr Aufmerksamkeit generieren. „Neben dem heimischen Markt ist der europäische und vor allem der deutsche Markt sehr interessant. Gerade aus unserem Nachbarland würden wir gerne noch mehr Gäste begrüßen“, erklärt Sabine Riezebos, General Manager von Bernardus Golf. Zudem ist Robert van der Wallen auch in den Vereinigten Staaten aktiv. Nach dem Tod eines Freundes übernahm er dessen Weingut in Kalifornien, die Bernardus Winery. Nach dem Wein wurde der Golfplatz benannt.
Der Solheim Cup soll ein Schlüssel zu neuen Märkten hüben wie drüben werden.
4.000 LeihFahrräder
Bei allem Business wird die Ökologie nicht vergessen. „Nachhaltigkeit steht bei uns ganz weit oben“, versichert Sabine Riezebos und verweist auf ihre 17 Greenkeeper, die den Platz ohne Einsatz von Chemikalien in Schuss halten. Abseits vom Bernardus-Golfalltag wartet das kleine Land auch in der Turnierwoche mit einer großen ökologischen Überraschung auf: Der Solheim Cup wird der erste autofreie Megaevent im Golfsport. Die erwarteten 80.000 Zuschauer aus geschätzten 40 Nationen sorgen zwar für eine Wirtschaftsleistung von voraussichtlich 17 Millionen Euro, die in die Region fließen, sie erhalten aber eine klare Ansage fürs Parken: nicht in der Nähe der Anlage. Das beschauliche Cromvoirt, dessen Durchgangsstraße als Tempo-30-Zone ausgewiesen ist, würde ansonsten kollabieren.
Alle Zuschauer müssen einen von fünf sogenannten Mobility-Hubs ansteuern. Von dort werden sie mit 60 Bussen geshuttelt, können ökologisch einwandfrei zu Fuß gehen oder – ganz „Holland Style“ – eines von knapp 4.000 Leihfahrrädern nutzen, die den Besuchern zur Verfügung gestellt
werden.
Große Einigkeit
Alle Verantwortlichen sind sich bei dem One-Time-Event für die Niederlande in drei Punkten einig:
1. Mehr Ökologie geht nicht. 2. Jede und jeder ist stolz darauf, dass ihr/sein kleines Land diesen großen Event meistert. 3. Europa wird den Solheim Cup gewinnen.
Medianachweis: © Solheim Cup 2026