Hier an Schottlands Ostküste hat wohl alles angefangen: irgendwo nördlich der Hauptstadt Edinburgh, auf dem Boden der Grafschaften Fife und Angus, wo seit heute in St. Andrews, Carnoustie und Kingsbarns die Alfred Dunhill Links Championship gespielt wird. Irgendwann vor knapp 600 Jahren, als der Müßiggang mit Schläger und Ball auf den Links, den unfruchtbaren Streifen zwischen Küstenlinie und Ackerland, begann, sich zu dem zu entwickeln, was wir heute Golf nennen. Die alten Plätze wie der legendäre Old Course von St. Andrews oder die Links von Carnoustie sind das Fundament des Golfsports, die Stammzellen für das Wesen des Spiels. Und südlich von St. Andrews, in Kingsbarns, entstand pünktlich zum neuen Jahrtausend jenes Meisterstück namens Kingsbarns Golf Links, das derart genial aus dem einstigen Farmland modelliert wurde, als habe es sich schon ewig an dieser Stelle erstreckt.
„Let’s Links“, also: „Denn Linksgolf ist die reinste Form des Spiels“, lautet das Credo bei der Alfred Dunhill Links Championship, die seit 2001 Europas Pendant zum berühmten kalifornischen Pebble Beach National Pro-Am. In Schottland sind ebenfalls, teilweise sehr prominente Amateure aus Sport, Show und Wirtschaft am Start und bilden Fourball-Zweierteams mit den 168 Golfprofis, deren Ergebnisse parallel als Zählspiel gewertet werden. Der Cut erfolgt nach der dritten Runde; sonntags spielen die 20 Top-Pärchen und die 60 besten Pros, wieder auf dem legendären Old Course, das Finale aus.
Doch in vielerlei Hinsicht ist die „Dunhill“ auch eine „Family Affair“: Sepp Straka beispielsweise spielt mit seinem Zwillingsbruder Sam. Der Austria-Star führt das DACH-Aufgebot mit den Deutschen Marcel Siem, Freddy Schott, Jeremy Paul, Thomas Rosenmüller und dem Schweizer Joel Girrbach an. Robert MacIntyre ist aus Oban an der Westküste angereist, um seinen Titel zu verteidigen; French-Open-Champion Matt Fitzpatrick peilt den fünften Saisonsieg an. Eine Besonderheit in diesem Jahr: 26 Spieler der ausgelaufenen LIV-Liga sind in Schottland am Start, um sich Exit-Strategien für den Fall des endgültigen LIV-Scheiterns offen zu halten, sogar die einstigen DP-World-Tour-Disser Lee Westwood und Ian Poulter. Irgendwie erinnert das an den Seemannsspruch von den Nagetieren und dem sinkenden Schiff.
Dafür fehlt Patrick Reed, der LIV schon zu Beginn des Jahres den Rücken gekehrt hat und im Race to Dubai nur noch knapp vor Rory McIlroy liegt, aber wegen einer Handverletzung passen muss. Freilich, auch „Rors“ lässt die Alfred Dunhill Links Championship heuer aus.