Die 90. Auflage des Masters ist „in the books“ – und meine Güte, was war das schon wieder für eine spektakuläre Woche im legendären Augusta National Golf Club. Natürlich bleiben wir auch in dieser Saison unserer Kategorie „… der Woche“ treu, also los geht’s mit der Masters-2026-Edition.
Der Flex der Woche
Rein chronologisch gesehen ist wohl die Weinauswahl von Champions-Dinner-Gastgeber Rory McIlroy der erste satte Flex der Woche. Die ausgewählten Tropfen, die der Nordire den ehemaligen Siegern kredenzte, ließen die Herzen von Weinkennern auf jeden Fall höherschlagen und die Kreditkarte McIlroys (natürlich zahlt der Gastgeber die ganze Zeche) glühen. Eine Flasche 22er-Domaine-Leflaive-Batard-Montrachet (ca. 1.800 Dollar) hätte wohl gereicht, um das komplette erste Masters-Dinner von Bubba Watson zu finanzieren.
Die Rasselbande der Woche
Im Kampf um den niedlichsten Nachwuchs beim Par-3-Contest möchte ich mich nicht auf einen Sieger festlegen. Ganz weit vorne aber lag auf jeden Fall Leo Straka (den Putt muss man gesehen haben), und es sei erwähnt, dass Frankie Fleetwood nur noch wenige Meter davon entfernt ist, es endlich über das Wasser Richtung Grün zu schaffen. Aaron Rai hingegen nahm den Sieg beim Contest inklusive Fluch in Kauf und fand am Ende der Woche natürlich nicht den Weg ins grüne Jackett.
fehlendes Duo der Woche
Nach Tiger Woods’ erneuter „Autoeskapade“ und der Absage von Phil Mickelson (familiäre, gesundheitliche Probleme) gab es zum ersten Mal seit 1994 ein Masters ohne die beiden prägendsten Persönlichkeiten unserer Golfära. Augusta ohne Tiger und Phil? Das fühlt sich irgendwie nicht richtig an.
das Trio der Woche
Sage und schreibe 252 Jahre standen bei den „Ceremonial Teeshots“ am ersten Abschlag, mit denen die 90. Ausgabe des Masters offiziell eröffnet wurde. Während Gary Player (ja, der ist 90!) jedes Jahr jünger wirkt und seinen Abschlag mit einem Big Leg Kick besiegelte, ließ es Rekordchampion Jack Nicklaus (86) etwas ruhiger angehen und überließ sein Tee anschließend großzügig „Jungspund“ Tom Watson (76), der den Ball richtig sauber die Bahn runterkloppte. Diese drei sind einfach einmalig.

der Verlierer der Woche
Ist ganz klar Bryson DeChambeau. Ob man ihn jetzt mag oder auch nicht, seine Leistung auf dem von ihm selbsternannten Par-67-Platz war in dieser Woche einfach unterirdisch. Besonders seine Vorstellung in den Sandhindernissen des Augusta National Golf Club erinnerte eher an Slapstick als an golferisches Können. Und natürlich war das Netz nach dem verpassten Wochenende voll von Memes über den Sandkönig, der am Freitag ziemlich enttäuscht von dannen zog, aber vorher trotzdem noch etwas Zeit für seine wohl ebenfalls enttäuschten Fans fand.
Rauswurf der Woche
Dass die „Hier gibt es keine Handys auf dem Platz“-Regel auch vor gestandenen Major-Siegern nicht haltmacht, konnte am Dienstag Mark Calcavecchia unter Beweis stellen. Mit einem „Device“ auf dem Gelände erwischt, wurde der Open-Champion von 1989 mal soeben vom Gelände verwiesen. Was für ein Major-Fauxpas.
Style der Woche
Während man hier sehr viel über die gruseligen Outfits (auch das Schuhwerk) der Spieler schreiben könnte, konzentriere ich mich jetzt lieber auf die wenigen Lichtblicke. Ganz klar auf Platz 1 ist Jason Day, der dieses Mal nicht nur Outfit-technisch, sondern auch spielerisch sehr viele Akzente setzte. Ich liebe einfach sein Visor und die lässigen Kombinationen, die der Australier Tag für Tag zur Schau stellte. Auch betont lässig war einmal mehr Tommy Fleetwood. Es sei jedoch erwähnt, dass die weite Klamotte des Engländers oder das Polo des ANGC am Finaltag auch dringend nötig waren, um dieser leider sehr einfallslosen „Company Cap“ seines neuen Sponsors entgegenzuwirken.
Scharfschütze der Woche
Das ist kein Geringerer als der Hole-in-one-Sammler vor dem Herrn himself, Shane Lowry. Dabei war die Kollektion der Asse des irischen Bären schon vor seinem Kunstschuss auf der 6 am Samstag legendär. Mit der 17 auf dem TPC Sawgrass und der Loch 7 in Pebble Beach hat Lowry bereits auf den ikonischsten Par 3s eingelocht. Sein Ass auf der 6 und vor 10 Jahren auf der 16 im Augusta National Golf Club machen ihn beim Masters aber jetzt zum einzigen Doppelschützen in der Geschichte des Turniers. Fehlt eigentlich nur noch ein Ass auf der 12 und dann Schläger an den Nagel hängen.

Der Typ der Woche
Ist auf jeden Fall Haotong Li. Wer die Karriere des Chinesen bisher verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, was für ein wilder Vogel der gute Mann einfach ist. Schon jetzt legendär sein Interview nach Runde zwei, bei dem Haotong ganz offen über eine eher unruhige Nacht berichtete. „Mir ging es gestern Abend irgendwie gar nicht gut, und ich müsste mehrfach auf die Toilette. Ich hab dann die ganze Nacht quasi neben der Schüssel geschlafen und war heute Morgen natürlich richtig platt. Mein Plan für Runde zwei war, einfach ein paar Bahnen zu spielen, um zu sehen, ob es überhaupt geht. Und ich war selber überrascht, dass ich es geschafft habe. Die vier Birdies in Folge (13–16) haben mir dabei auf jeden Fall geholfen“, so der Chinese, der am Samstag zwischenzeitlich sogar sensationell auf Rang 2 lag. Am Sonntag wurde es dann im Flight mit Scottie Scheffler richtig wild. Eine 10 auf Bahn 13, bei der Li die meiste Zeit hackend im Wald verbrachte, machte eine Topplatzierung zwar zunichte, doch Haotong Li wäre eben nicht Haotong Li, wenn er sich, inklusive Missgeschick, nicht gleich nach der Runde mit einem sensationellen Instagram-Post auf die Schippe genommen hätte.
tragischer Held der Woche (Again)
War leider, leider, leider einmal mehr Justin Rose. Ich meine, wie oft hat der gute Mann jetzt schon am grünen Jackett geschnuppert und wie oft muss Rosey eigentlich noch so bitter scheitern, bis er sich endlich seinen großen Traum vom Masters-Sieg erfüllen kann? Auch dieses Jahr war JR mitten im Geschehen oder, sagen wir, in permanenter Lauerstellung. Und als die Führenden am Sonntag zu straucheln begannen, sah er seine Chance. Und plötzlich war er da, spielte innerhalb der Bahnen 5–9 vier Birdies und übernahm mit gleich zwei Schlägen die Führung im Turnier. „Dann hat mich der Amen Corner erwischt. 11 und 12 sind keine einfachen Bahnen, und die beiden Bogeys kamen natürlich zu einem schlechten Zeitpunkt. Auch auf der 13 hatte ich sicher nicht vor, 3 Putts zu machen, und wollte vielleicht einfach zu viel. Und das sind am Ende die Dinge, die dich dann den Sieg kosten“, so Rose sichtlich geknickt nach der Runde. „Ich werde nächstes Jahr wiederkommen, und ich werde wieder alles geben“, gab sich der mittlerweile 45-Jährige aber dann schon wieder kämpferisch, und es gibt wohl kaum jemanden, der Justin Rose den Sieg 2027 nicht von Herzen gönnen würde.


das Wochenende der Woche
Hatte auf jeden Fall Scottie Scheffler. Nach den ersten beiden Turniertagen lag der zweifache Masters-Sieger mit 12 Schlägen Rückstand auf den Führenden völlig abgeschlagen im Mittelfeld. Mit Siegchancen gleich null schickte sich die Nummer eins der Welt aber dann an, ein seit 84 Jahren nicht mehr gesehenes Kunststück zu schaffen. Weder am Samstag noch am Sonntag unterlief Scheffler bei seinen Runden von 65 und 68 Schlägen ein einziges Bogey, ein Feature, das zuletzt dem legendären Byron Nelson 1942 im ANGC gelang. Und genau diese 11 unter Par katapultierten Scheffler am Ende tatsächlich noch auf den alleinigen zweiten Platz nach vorne.
der Spieler der Woche
Gewonnen und damit den Titel verteidigt (das gelang zuvor nur Jack Nicklaus, Nick Faldo und Tiger Woods) hat am Ende verdient Rory McIlroy, der die Patrons und Fernsehzuschauer an den vier Tagen auf eine wilde Reise mit jeder Menge Ups und Downs mitnahm. Zuerst stellte Rors mit unglaublichen Schlägen bei 12 unter Par einen neuen Rekord von 6 Zählern Vorsprung auf die Konkurrenz nach zwei Tagen auf. Dann verlor die Nummer zwei der Welt zwischenzeitlich komplett sein feines Händchen auf den Grüns (vom Abschlag sowieso, aber das schien egal) und motivierte damit seine Kontrahenten, zur großen Aufholjagd zu blasen. Am Sonntag verlor Rory dann sogar auch noch die Führung im Turnier an den stoischen Cameron Young und später an Justin Rose. Doch im Gegensatz zum früheren Rory McIlroy schien das alles dem Nordiren überhaupt nichts auszumachen. McIlroy änderte weder seine Strategie (immer voll auf Angriff, auch mit der Führung) noch sonst was und spielte einfach weiter. Und während sowohl Cam Young als auch Justin Rose ins Grübeln kamen, lieferte Rory McIlroy an Bahn 12 den Schlag des Turniers. Es war der mit Abstand beste an dieser Bahn an diesem Tag, und das folgende Birdie entschied das Masters 2026. „Tom Watson hat mir einmal gesagt, er wartet an der 12 immer, bis der Wind für den geplanten Schlag passt, und dann haut er drauf, und genau das habe ich gemacht“, so Rory, der anschließend sichtlich unbekümmert über die Bahnen Richtung Titelverteidigung spazierte. „Ich habe den meisten Teil meiner Arbeit in den ersten beiden Runden erledigt und hätte nicht gedacht, dass Even Par am Wochenende für den Titel reichen würde. Aber jetzt bin ich doch sehr glücklich, dass es so war“, so der Back-to-Back-Masters-Sieger erleichtert.
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