McIlroys Menü

Fine Dining vom Masters-Champion

Gaumenfreude ist ein ziemlich überstrapazierter Begriff. Aber was Masters-Titelverteidiger Rory McIlroy heute in zwei Wochen beim Champions Dinner im Augusta National Golf Club servieren lässt, ist des golferischen Geschmackserlebnisses würdig, das der Nordire sich und seinen Fans 2025 mit dem ersehnten Gewinn des Green Jacket und der Komplettierung des Karriere-Grand-Slam beschert hat. „Es ist eine unglaubliche Ehre, Gastgeber sein zu dürfen, und ich möchte, dass alle es genießen“, sagt der fünffache Majorsieger über die von ihm gewählte Zusammenstellung des Menüs.

Nachdem vergangene Speisenfolgen durch Scottie Scheffler (2025, 2023), Dustin Johnson (2021) oder Tiger Woods (2020) eher vom American-Diner-Stil dominiert und allenfalls von der landestypischen spanischen beziehungsweise japanischen Küche eines Jon Rahm (2024) und Hideki Matsuyama (2022) unterbrochen wurden, legt McIlroy als europäischer Kosmopolit  den Ex-Champions im Vorfeld dieses 90. Masters mit Carpaccio vom Gelbflossenthunfisch oder Filet Mignon vom Wagyū mal die Damastdecke des Fine Dining auf.

Selten wurde das Menü für ein Champion Dinner in den Medien so „durchgekaut“ wie im Fall von McIlroy. Zumal der 36-Jährige für die korrespondierenden Getränke den sagenumwobenen Weinkeller des Augusta National Golf Club „plündern“ darf, was er als „meinen Lieblingsbereich des Menüs“ bezeichnet. Wobei: Plündern ist natürlich übertrieben. Wie das gesamte Menü, das von der Küchenbrigade im ikonischen Clubhaus zubereitet wird, muss der Gastgeber ebenso die Zeche für das zahlen, was ausgeschenkt wird. Auch dabei lässt sich McIlroy nicht lumpen, der in den vergangenen Jahren ein Faible fürs Önologische entwickelt und mit dem Sammeln von Wein begonnen hat.

Zum Empfang und zu den Apéros wird ein rares Gewächs des Hauses Champagne Salon, Jahrgang 2015, Flaschenpreis 1.251 Euro, kredenzt. Zum Fisch, der als kurz und scharf angebratener Lachs auch eine Hauptgang-Variante darstellt, gibt es einen Burgunder der Domaine Leflaive Batard Montrachet des Jahrgangs 2022, McIlroys Lieblingsweißwein. Der Preis für den Grand Cru bewegt sich um 1.500 bis 1.650 Euro je Flasche. Als Begleiter beim Filet Mignon steht ein 1990er Chateau Lafite Rothschild bereit. Den hat der Gastgeber schon am Abend des Masters-Triumphs getrunken, der Bordeaux aus Pauillac für rund 1.000 Euro je Flasche war also gesetzt. Allerdings musste Kumpel Shane Lowry bei der Besorgung der entsprechenden Chargen ein bisschen helfen, verriet McIlroy.

Für den britischen Nachspeisen- Klassiker Sticky Toffee Pudding – saftig-klebriger Dattelkuchen mit Karamellsauce und Vanilleeis – hat „Rors“ den Dessertwein schlechthin gewählt: einen Chateau d’Yquem seines Geburtsjahrs 1989 aus Sauternes im Bordeaux, die Flasche zwischen 400 und 700 Euro, wenn überhaupt erhältlich, und nach Ansicht von McIlroy „flüssiges Gold“ sowie „der verdiente Abschluss für ein großartiges Menü“, das mit weiteren persönlichen Noten und regionalen Reminiszenzen garniert ist. So werden als Appetizer beispielsweise Ricotta-Fladenbrot mit Pfirsichen aus Georgia, Datteln mit Ziegenkäse-Füllung im Schinkenmantel à la Mama Rosie oder Lendenscheiben vom Elch gereicht, die McIlroys bevorzugter Snack bei der Vorbereitung auf das Masters 2025 waren. Gleiches gilt für die Beilagen: cremiges Kartoffelpürree mit Frühlingszwiebeln etwa, wie er es als Kind schüsselweise gegessen hat, oder frittierte Zwiebelringe, wie sie im zwei Autostunden von Augusta entfernten Vidalia zubereitet werden.

Das Carpaccio vom Gelbflossen-Thunfisch hat gleichermaßen eine besondere Geschichte. Es ist das Signature Dish im New Yorker Gourmettempel Le Bernardin, über dem seit 2005 drei Michelin-Sterne leuchten und der  zu den Lieblingsrestaurants von Rory und Erica McIlroy gehört. Küchenchef Eric Ripert richtet den Fisch auf einen dünnen Baguette-Scheibe an und toppt das Ganze mit Gänseleberpastete. Um die Kreation derart authentisch gestalten zu können, ist extra eine Abordnung von Augusta Nationals Köchen in den Big Apple gereist und hat sich im Le Bernardin einweisen lassen.

Mit diesem Menü steht McIlroy auf dem Leaderboard der von Ben Hogan 1952 initiierten Champions Dinner weit oben, direkt neben Rahms Tapas-Theater und Matsuyamas Sushi-Sashimi-Sause. Am unteren Ende rangieren wohl Sandy Lyles 1989er-Vorspeise Haggis – mit Innereien, Zwiebel, Graupen und Gewürzen gefüllter und stundenlang gekochter Schafsmagen, das schottische Nationalgericht – und Bubba Watsons Auswahl von 2013, die man getrost auch als Tristesse nach dem Triumph betiteln könnte: Caesar Salad, gegrillte Hühnerbrust, Konfetti-Kuchen mit bunten Streuseln drinnen und darauf – wie beim Kindergeburtstag. Da liefert McIlroy mit seinen kulinarischen Krachern doch ein absolutes Kontrastprogramm, das „einfach von Herzen kommt und auf persönlicher Erfahrung beruht“. Wir wünschen der Tafelrunde in den Green Jackets schon jetzt Bon Appétit.

Medianachweis: © Sportcomm/Getty Images

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