Neuer Drive in Zeiten des Wandels

Ein Gespräch mit ÖGV-Generalsekretär Robert Fiegl über aufregende Zeiten mit zukunftsweisenden Ereignissen, aber auch großen Herausforderungen.

Es sind spannende Zeiten für den österreichischen Golfsport.  Wegweisende Projekte konnten im letzten Jahr verwirklicht werden. Die digitalen Welten werden neu aufgestellt und laufend modernisiert. Zudem verabschiedete sich ÖGV- Präsident Peter Enzinger in die wohlverdiente „Ehrenpräsidentschaft“, und eine neue Führungspersönlichkeit steht an der Spitze des Verbandes. Die GolfWeek hat zu Saisonbeginn mit ÖGV-Generalsekretär Robert Fiegl gesprochen.

Golf Week: Der Golfsport stand in den letzten Jahren, wie viele andere Bereiche, vor besonderen Herausforderungen, hat im Gegensatz zu anderen Sportarten aber auch profitiert.Wie lautet Ihr Fazit?

Robert Fiegl: Die Menschen haben wieder ein Gefühl dafür bekommen, wie wertvoll Freizeit, Natur, Freundschaft und Familie für unser Wohlbefinden sind. Für all das, was den Golfsport besonders auszeichnet. Drei Jahre gab es daher gute Steigerungsraten. Umso erfreulicher ist, dass ein Großteil dem Sport treu geblieben ist. Der Zuwachs an neuen Golfern ist jetzt wieder schwächer, wiewohl stetig. Wir sehen das im Golfsport aber manchmal zu kritisch. Wir hätten natürlich gerne wieder ein massives Wachstum, sind aber ein bisschen verwöhnt aus früheren Zeiten, wo Golf in Österreich auf breiter Basis erst Fuß gefasst hat. Aber welche Sportarten können heute überhaupt noch Mitglieder gewinnen. Viele angesehene, traditionelle Sportarten verlieren permanent. Die Menschen üben immer weniger Sport aus, vor allem immer weniger vereinsgebunden.

Golf Week:Um den Sportvereinen zu helfen, wieder durchzustarten, wurden von staatlicher Stelle auch Förderprogramme ins Leben gerufen. Auch Sie persönlich spielten dabei eine Rolle. Konnte der Golfsport hiervon profitieren?

Robert Fiegl: Es wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, und auch zu meiner Überraschung wurde ich mit der Leitung dieser AG betraut. In einem Team von zehn Personen wurden acht Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Darunter zum Beispiel eine lang  überfällige  Valorisierung der Bundesportfördermittel, die Erhöhung der Pauschalen Reiseaufwandsentschädigung (PRAE), das Thema Spendenabsetzbarkeit für gemeinnützige Sportvereine, aber auch eine meiner seit Jahren bestehenden Prioritäten: ein begünstigter Steuersatz für den Sport. Heute können wir mit etwas Stolz sagen, dass sechs dieser Vorschläge, die eine große Hilfe für den gesamten österreichischen Sport darstellen, bereits umgesetzt sind!

Von der Erhöhung der Bundes- Sportförderung von 80 auf 120 Millionen hat natürlich auch der Golfsport profitiert. Wir haben 2021–2024 dadurch jährlich rund 450.000 Euro mehr Sportförderung erhalten, wodurch wir wesentliche  Projekte,  vorrangig im Sport, initiieren konnten. Für Golfvereine ist die seit Anfang des Jahres gültige Spendenabsetzbarkeit eine interessante Möglichkeit. Eine steuerliche Begünstigung bringt aber nur was, wenn man sie nutzt. Von allein passiert da nichts. Daher informieren wir die Clubs ausführlich über all unsere Kanäle. Nennenswert ist auch die Verdopplung der PRAE für eine steuerlich korrekte Bezahlung von ehrenamtlichen Helfern. Ohne Zu- oder Aufschläge. Oder der berühmte Sportbonus, den die Golfvereine direkt erhalten haben und einige Clubs eifrig ausgenutzt haben.

Golf Week: Finanzielle Erleichterungen waren und sind auch dringend nötig. Denn der Kostendruck auf Golfanlagen nahm in etlichen relevanten betrieblichen Bereichen überproportional zu. Wie bekamen die Golfclubs diese massive Kostenexplosion zu spüren?

Robert Fiegl: Eine noch nie dagewesene Steigerung der Erzeugerpreise – von Personalkosten über Energie- und Heizungskosten bis hin zu Rohstoffpreisen – bekamen alle Golfclubs sofort zu spüren. Bereits vor dieser hohen Inflation gab es im Golfsport aber massive Kostensteigerungen. Viele Zulieferprodukte wie Düngemittel werden seit Jahren drastisch teurer. Das sieht der Golfer natürlich kaum, aber eine Golfanlage spürt das massiv. Umso wichtiger war und ist es für Vereine  und  Betreiber  daher, anhand von eingehenden betriebswirtschaftlichen  Analysen Entscheidungen zu treffen und dementsprechend  zu  handeln. Wer dies nicht tut, wird zunehmend in Schwierigkeiten geraten. Die Vereinsvorstände tragen da viel Verantwortung.

Einen Hinweis auf die allgemeine Kostenentwicklung bietet der ÖGV-Golfpreis-Index (ÖGV-GPI). Korrekte Basisdaten einzupflegen bzw. den ÖGV-GPI eindeutig zu errechnen und valide Zahlen zu veröffentlichen fällt in Zeiten hoher Inflation jedoch äußerst schwer. Denn die Preisentwicklung unterliegt laufend hohen und auch immer rascheren Schwankungsbreiten. Langfristig muss dies auch der Anstoß sein, um in den kommenden Jahren an einer – ohnehin laufend betriebenen – Weiterentwicklung in Sachen Platzpflege und -aufwand sowie Energieeffizienz zu arbeiten. Lokale Windanlagen oder Photovoltaikanlagen etc. sind ja bereits vielfach im Einsatz.

Golf Week: Welche Schritte werden seitens des Verbandes unternommen, um den Golfsport in Österreich zukunftsfit zu halten?

Robert Fiegl: Projekte und Initiativen, die während der Pandemie zurückgestellt werden mussten, haben in den letzten beiden Jahren wieder Fahrt aufgenommen, und der Fokus ist wieder auf die tägliche Arbeit und die Weiterentwicklung unter anderem von digitalen Services gerückt. Für den Golf-Verband sind diese „digitalen Welten“ seit vielen Jahren in ihrer Gesamtheit enorm wichtig. Die typische Customer Journey spielt sich immer mehr in digitalen Medien ab. Zudem kann man diese Welten für Informationssharing und für Serviceleistungen sehr gut nutzen. Was für uns ganz wichtig ist, weil wir als Verband mit unseren Serviceleistungen in erster Linie unseren Mitgliedern, den Clubs und in der Folge natürlich jedem einzelnen Golfer moderne Services anbieten. Die nächsten Schritte sind, die Homepage golf.at und die Golf Austria App in die Zukunft zu führen. Mit völlig neuen Zugängen, neuen Services und neuer Club-Mitgliedskarte und ÖGV- ID-Card. Obwohl wir da mitten in der Umsetzung der laufenden Projekte stecken, haben wir bereits Ideen, was wir als Nächstes brauchen, was Verein oder Golfer schätzen und nutzen würden, also es wird uns nicht fad. Der Golfer als Endkunde nützt die ÖGV-Services bereits stark und wird dies mit der neuen Golf-App noch mehr in Anspruch nehmen. Ein weiteres Thema ist Social Media. Für einen Sportverband sind wir da recht gut aufgestellt und arbeiten laufend an neuen zeitgemäßen Angeboten. Hier Schritt zu halten ist nicht immer leicht.

Golf Week: In Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit hat der ÖGV eine Kooperation mit der GEO Foundation for Sustainable Golf geschlossen. Allerdings hinkt man nun mit der Umsetzung hinterher. Warum?

Robert Fiegl: Wir als Golf-Verband als auch die Golfbranche verstecken uns nicht vor diesem Thema. Allerdings: Der Plan der EU, Pflanzenschutzmittel komplett zu verbieten, wurde doch nicht verabschiedet. Zudem richten sich alle Verbände in Europa, auch der R&A und die EGA, neu aus beim Thema Umwelt. Daher ist ein Schnellschuss wahrscheinlich falsch. Wir müssen ein bisschen abwarten, was auf uns zu- oder was nicht auf uns zukommt – vor allem auch, wann und mit welchen Fristen. Dringlicher und „sichtbarer“ ist aktuell das Thema Wasser. Wir haben uns mit anderen Golfverbänden abgestimmt und unterstützten uns gegenseitig bei der Erstellung einer gemeinsamen Linie und faktenbasierten Dokumenten. Ein wichtiger Punkt ist die Unterscheidung zwischen Wasserverbrauch und Wassergebrauch: Wassergebrauch ist zum Beispiel die Bewässerung einer Golfanlage. Das Wasser wird von der Pflanze aufgenommen, ein kleiner Teil verdunstet, der Rest geht in den Boden und geht wieder unverbraucht und sauber ins Grundwasser. Das Gegenteil wäre zum Beispiel die Jeansproduktion und -färbung, bei welcher extrem viel Wasser tatsächlich verbraucht wird. Dieses Wasser ist nach dem Produktionsprozess schwer mit chemischen Substanzen belastet und tatsächlich verbraucht. Ohne aufwendige Reinigungsprozesse ist das eigentlich kein Wasser mehr, eher eine Lösung. Diese Beispiele sind natürlich sehr plakativ, aber ich denke, wir müssen mit solchen und ähnlich plausiblen Beispielen und Fakten vermehrt darstellen, dass der Wassergebrauch auf Golfanlagen keine wirklich nachteiligen Effekte für die Umwelt hat.

Zudem ist jeder Golfanlagen- betreiber oder -verein ohnehin aus eigenem Interesse sehr bemüht, möglichst wenig Wasser zu benutzen. Die dafür benötigten Pumpen verbrauchen auf den Golfanlagen den meisten Strom. Und Strom ist teuer. Also sind alle angehalten, mit möglichst wenig  Ressourcen  auszukommen. Natürlich benötigen Golfanlagen aber eine Bewässerung, österreichweit jedoch sehr unterschiedlich. Pauschalaussagen sind daher wie immer sehr gefährlich.

Golf Week: Nach mehr als zehn Jahren ist 2024 die Zeit gekommen, sich von ÖGV-Präsident Dr. Peter Enzinger zu verabschieden. Was hinterlässt er dem österreichischen Golfsport?

Robert Fiegl: Peter Enzinger war ein eher ruhiger, aber sehr verbindlicher Präsident. Er hat nicht schnell irgendwelche Hauruckentscheidungen getroffen, sondern versucht, alle mit einzubinden. Bei den wichtigen Themen und Entscheidungen war er aber auch sehr visionär und treibend und hat dann gesagt „das machen wir jetzt“. Herausragende Projekte, die Präsident Enzinger ins Laufen gebracht hat, waren die  wegweisende  Ryder-Cup-Bewerbung und auch die Entscheidung zum finalen Go für das Performance & Competence Center (PCC). Er hat jahrelang gepusht und uns den Rücken freigehalten. Er hat an diesem Center einen Riesenanteil. Nicht in der täglichen Arbeit, aber wie eben ein Präsident agiert, indem er die Linie vorgibt, immer dahinter bleibt und die Mitarbeiter motiviert und pusht. Irgendwann war die Frage „jetzt oder nie“, und da hat Präsident Enzinger die Führung übernommen und sich mehrfach mit dem Vorstand abgestimmt, was letztendlich zu einem einstimmigen Beschluss führte. Mit seinem Nachfolger Gerhard Frühling an der Spitze des Verbandes werden wir diesen erfolgreichen Weg nun fortsetzen.

Golf Week: Ist das Performance & Competence Center der erwartete Meilenstein?

Robert Fiegl: Wenn man zurückblickt, wo der ÖGV vor nicht allzu langer Zeit war: zuerst im Haus des Sports, dann in der Marxergasse und nun im Performance & Competence Center in Oberwaltersdorf. Das ist völlig unvergleichlich! Wir sind eine der Top-3-Sportarten in Österreich. Wir hatten bis dato kein Leistungstrainingscenter. Daher war es nötig, und es ist sehr erfreulich, wohin uns der Weg geführt hat. Auch weil ein Verband nur im Team funktioniert. Wir müssen die Menschen, die für und mit dem ÖGV arbeiten, zusammenführen und an eine Stelle bringen. Dafür ist dieser gemeinsame Standort ganz wichtig. Damit sich Mitarbeiter, Funktionäre, Athleten usw. auch persönlich sehen, kennenlernen und die Arbeit des anderen besser verstehen und auch die Wertschätzung zunimmt. Große Freude bereitet das PCC zudem, weil es nicht nur ausgelastet ist, sondern weil auch angesetzte Trainingskurse für Nationalkader oder Kurse und Events von Proetten und Pros und anderen Organisationen regelmäßig abgehalten werden. Die Kinder und Jugendlichen aus Nationalkader und Landeskader werden laufend von ihren Eltern hergebracht, um selbstständig die von unseren Trainern gestellten Aufgaben zu erledigen. So schaffen wir viel mehr Trainingszeiten und viel mehr Trainingsmöglichkeiten in hoher Qualität, welche der Nachwuchs früher nicht annähernd hatte. Es ist rund um die Uhr Betrieb im Haus. Dafür war es natürlich geplant, aber es freut mich, dass es nach kurzer Zeit schon so funktioniert, und ich bin recht zuversichtlich, dass dies erst der Anfang einer schönen und erfolgreichen Reise für alle Beteiligten im österreichischen Golfsport ist!

Medianachweis: GEPA Pictures / ÖGV

Prev
Unschlagbar schön: Golfurlaub im Werzers

Unschlagbar schön: Golfurlaub im Werzers

Erste Reihe fußfrei am Wörthersee und eingebettet in die Bergwelt des

Next
Pickleball-Unfall

Pickleball-Unfall

Bernhard Langer muss nach Achillessehnenriss eine ganze Weile aussetzen

Das könnte dich auch interessieren
Total
0
Share