Wenn sich die besten 30 Profis des FedEx-Cup-Rankings nach den Stationen der FedEx St. Jude Championship (TPC Southwind, Memphis) und der BMW Championship (Bellerive Country Club, St. Louis) zum Finale in Atlanta treffen, geht es zum großen Saisonabschluss dann noch einmal um die noch größere Wurst. Und so spielten Scottie Scheffler und Co im elitären East Lake Golf Club mal wieder um den satten Scheck von 10 Millionen Dollar für den Sieger der Tourchampionship, der wie schon 2025 ganz glatt nach 72 regulären Bahnen feststehen sollte. Was hat man sich seitens der PGA Tour in den vergangenen Jahren nicht den Köpfe zerbrochen, um das Geschehen in Atlanta halbwegs spannend zu gestalten. Mit Vorsprung ging da der Führende im Ranking zum Teil ins Turnier, was allerdings eher zur Verwirrung anstatt zur Spannung beitrug. Auch stand aufgrund des nicht gerade ausgeklügelten Punktesystems schon einmal bereits vor der Tour Championship ein Gesamtsieger (Vijay Singh 2008) fest. Doch die Lösung, dass der Sieger des Turniers in East Lake, egal auf welchem Platz er noch in die Top 30 geschlüpft war, am Ende auch den Jackpot gewinnt, war
irgendwie auch keine.
ab 2028 matchplay
Und so wurden dieses Jahr erneut die Köpfe zusammengesteckt und für 2028 ein ganz neues System für das Finale, und zwar Matchplay, vorgestellt. Mann gegen Mann, und am Ende bleibt einer über, das klingt doch richtig gut und war ehrlich gesagt längst überfällig. Bis dahin allerdings hieß es zum großen Finale „Erster bei der Tour Championship = Erster im Rennen um die 10 Millionen Dollar aus dem großen PGA-Tour-Topf.

Scheffler im späten aufwind
Die Geschichte der Tour Championship 2026 ist dann auch schnell erzählt. Min Woo Lee, Cameron Young, Rory McIlroy und Konsorten ließen ihr bestes Golf nur ein bis zwei Tage aufblitzen und konnten somit nicht mit in die Entscheidung eingreifen. Diese sollte zwischen dem Sieger des FedEx Cup 2024 Viktor Hovland und zur großen Erleichterung der Veranstalter der Nummer eins der Welt Scottie Scheffler fallen. Der Texaner blickte bis dato auf ein für seine Verhältnisse sehr durchwachsenes Jahr ohne Major-Sieg zurück. Dank seiner unglauchlichen Konstanz aber war Scottie bereits vor den Playoffs in der Gesamtrangliste uneinholbar in Führung gelegen und schien es nach dem Sieg bei der St. Jude doch noch einmal wissen zu wollen.
viktor sucht immer noch viktor
Auf der anderen Seite Viktor „the Hov“ Hovland, der nunmehr seit 2 Jahren an seinem Schwung herumbastelt und mit seinem Spiel auch bei einem Sieg schon so etwas wie chronisch unzufrieden ist. Dennoch ließ es sich der Gesamtsieger von 2023 nicht nehmen, das Finale nach drei Runden mit drei Schlägen Vorsprung auf Scheffler anzuführen. Der zweite Gesamtsieg für „Hov“ lag in der Luft, die dem Norweger am Sonntag allerdings ausgehen sollte. Kaum getroffene Fairways, schwierige Schläge ins Grün und vor allem viele ausgelippte Putts sorgten dafür, dass Scottie Scheffler sich durch sein konstantes Spiel Schlag um Schlag heranspielte. Bereits früh in der Finalrunde lagen die Kontrahenten gleichauf, bevor Scheffler einen Gang höher schaltete und davonzog. „Ich bin über meine Vorstellung heute natürlich sehr enttäuscht, vor allem mit Sicht auf die Position, die ich innehatte. Eine Runde -1 hätte für ein Stechen gereicht. Wenn ich heute also mein ganz normales Golfspiel im Gepäck gehabt hätte, hätte ich das Turnier auch gewonnen. Auf der anderen Seite kann ich stolz sein, mich nach diesem Jahr mit den vielen Ups and Downs überhaupt in die Position gespielt zu haben, um das ganze Ding zu gewinnen“, so Hovland, der sich immer noch auf der Suche nach Viktor Hovland 2023 befindet.
Scottie am ende souverän
Da der Norweger in der entscheidenden Phase nicht von der Stelle kam, cruiste Scottie Scheffler am Ende ganz entspannt Richtung Turniersieg Nummer drei in dieser Saison und gesellte sich dank FedEx-Cup-Gesamtsieg Nummer 2 in den illustren Kreis der Mehrfach-Champions um Rory McIlory (3) und Tiger Woods (2). „Ich habe diese Woche eine Menge gute Energie mit nach East Lake gebracht, und natürlich ist es am Ende immer schön, wenn man nach einer Aufholjagd ganz oben auf dem Treppchen landet“, so Scheffler, der sich nach der Runde zu einer für ihn höchst ungewöhnlichen Aktion hinreißen ließ.

Einfach mal ein bierchen
Denn bevor sich der Amerikaner dem üblichen Medienmarathon stellte, schnappte er sich mal eben ein leckeres Bierchen. „Ich hab seit Ewigkeiten kein Bier mehr getrunken. Aber irgendwie war da im Zelt eine kleine Bar, und ich hatte auf einmal das Gefühl, jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt dafür“, so Scheffler. „Auch meine Frau und mein Manager trauten erst einmal ihren Augen nicht, da ich wirklich sehr wenig Alkohol trinke. Auf der anderen Seite habe ich mir nach dieser langen Saison gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, grinste Scottie, der wahrlich allen Grund zum Feiern hatte. Denn mit dem Sieg in Atlanta zog der Texaner in der ewigen Preisgeldliste an Tiger Woods vorbei und ist nun auch da die unangefochtene Nummer eins.
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