Putten mit System

Mit Putter-Legende Wiestaw Kramski im Gespräch über „Präzision made in Germany“ und worauf es auf dem Green wirklich ankommt.

Wir alle wissen: Gescort wird im kurzen Spiel, vor allem auf dem Grün. Genau deshalb tüfteln wir ständig an unserem Putting. Zero Torque, Blade oder Mallet, kurzer Schaft oder Belly Putter, gerader Rückschwung oder Schwungbogen und, und, und. Und dann traf Golf Week auf Putter-Legende Wiestaw Kramski und es eröffneten sich plötzlich noch einmal ganz neue Perspektiven. Was Kramski alles dazu zu sagen hatte, wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten.

Golf Week: Herr Kramski, Sie entschlossen sich im Jahr 2002, „den besten Putter der Welt“ zu bauen. Wie entstand diese Idee eigentlich und was hat Sie damals an den bestehenden Puttern gestört?

Wiestaw Kramski: Diese Frage wurde mir in den vergangenen 24 Jahren tatsächlich sehr oft gestellt. Die Idee entstand damals aus purem Frust. Im Jahr 2000 hatte ich mir wieder mal einen neuen Putter gekauft – diesmal ein Modell, bei dem sich der Lie-Winkel individuell einstellen ließ. Ich war überzeugt: Das ist jetzt der richtige Putter. Doch auf dem Grün funktionierte plötzlich gar nichts mehr. Meine spontane Reaktion damals: Jetzt reicht’s! Ich baue mir selbst den bes­ten Putter der Welt! Rückblickend war das die eigentliche Geburtsstunde der KRAMSKI Putter GmbH, die ich 2002 gegründet habe. Dass daraus einmal eine Marke mit heute 24 verschiedenen Modellen entstehen würde, hätte ich mir damals allerdings nicht gedacht.

GW: Sie kommen ursprünglich aus dem Präzisionswerkzeugbau. Wie stark prägt deutsche Ingenieurskunst Ihre Putter bis heute?

WK: Präzision war mein ganzes Leben lang die Grundlage meines Denkens. Im Werkzeugbau habe ich früh gelernt: Kleine Fehler haben oft große Auswirkungen. Dieses Prinzip gilt auch beim Putten. Oft entscheiden Bruchteile von Millimetern darüber, ob ein Ball fällt oder am Loch vorbeigeht. In den Anfangsjahren entwickelte ich zwölf verschiedene Prototypen, arbeitete an Gewichtsverteilung, Schaftstellung, Design und Balance. Dabei investierte ich viel Zeit, Leidenschaft und erhebliche finanzielle Mittel, bis schließlich die heutige Mallet-Form entstand – bis heute unsere bekannteste und erfolgreichste Bauform. Später kamen Blade- und Half-Mallet-Modelle hinzu. Auch unsere Montagevorrichtungen und Fittinggeräte fertigen wir mit höchster Präzision bis in den Tausendstel-Millimeter-Bereich. 

GW: Was unterscheidet aus Ihrer Sicht einen wirklich guten Putter von einem durchschnittlichen Modell?

WK: Ein guter Putter muss vor allem zum Spieler passen. Genau das wird häufig unterschätzt. Entscheidend ist nicht nur der Putterkopf, sondern das Zusammenspiel aus Putter, Schaft, Griff, Ballposition, Schwungbogen und Training. Erst daraus entsteht Wiederholbarkeit auf dem Grün. Deshalb verfolgen wir bei KRAMSKI PUTTER einen ganzheitlichen Ansatz. Beim Custom Fitting stimmen wir Lie-Winkel, Schaft, Griffgröße und Gewicht exakt auf den Spieler ab und ergänzen dies durch unsere „Mastering The Green“-Methodik, bei der gezielt Technik, Bewegungsablauf und Wiederholbarkeit trainiert werden. 

GW: Was ist der häufigste Fehler, den Amateurgolfer auf dem Grün machen?

WK: Je intensiver ich mich mit der Fehleranalyse beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, wo die eigentlichen Probleme auf dem Grün liegen. Sehr häufig sind Griff, Griffhaltung in Verbindung mit dem Schwungbogen die Ursache. Ein Griff muss passen wie ein Handschuh. Nur dann kann ein Spieler konstant und reproduzierbar putten. Ebenso wichtig: Viele Fehler entstehen durch einen zu geringen Griffdruck. Mein Tipp: Mindestens 70 Prozent Griffdruck oder mehr helfen! Genau auf solche Details achten wir bereits beim Fitting und vertiefen sie im Training. 

GW: Sie produzieren nicht nur Putter, sondern betreiben auch eine eigene Putting Academy. Was vermitteln Sie Golfern dort – online und vor Ort?

WK: In unserer KRAMSKI Putting Academy vermitteln wir Golfern aller Spielstärken ein klares und reproduzierbares System für erfolgreiches Putten. Im Mittelpunkt stehen dabei die entscheidenden Grundlagen wie Griff, Ballposition, Tempo, Bewegungsablauf und die richtige Routine auf dem Grün. Unsere über viele Jahre entwickelte „Mastering The Green“-Methodik steht für ein sicheres, wiederholbares und möglichst manipulationsfreies Putten. Die positiven Rückmeldungen unserer Teilnehmer zeigen uns immer wieder, welchen Einfluss sicheres Putten auf das gesamte Spiel haben kann. Viele Golfer verbessern ihr Handicap in erstaunlich kurzer Zeit. Angeboten werden verschiedene Trainingsformate – von Gruppenseminaren über intensive 1:1-Coachings bis hin zu Online-Seminaren.

GW: Ihre neueste Entwicklung sorgt derzeit für Aufmerksamkeit. Was steckt hinter dem neuen Putter-Modell?

WK: Die Idee entstand aus einer einfachen Überlegung: Viele Golfer investieren in einen neuen Putter, stellen aber nach kurzer Zeit fest, dass er nicht wirklich zu ihnen passt. Dieses Risiko wollten wir für den Käufer reduzieren. Deshalb haben wir mit dem neuen HPP 322 Evolution – kurz Evo – ein Modell entwickelt, das die gewohnte KRAMSKI-Präzision mit einem attraktiven Einstiegspreis verbindet. Grundlage ist unser bewährtes Modell HPP 325, gefertigt in unserem Werk in Sri Lanka. Fitting und Montage erfolgen weiterhin persönlich in unserem Putt-Studio in Birkenfeld. Das Besondere dabei:  Ist der Spieler auch nach Fitting und Training nicht vollständig überzeugt, erstatten wir 50 % des Kaufpreises zurück. Entwickelt sich der Putter dagegen erfolgreich zum festen Bestandteil des Spiels, kann später jederzeit auf ein höherwertiges Modell umgestiegen werden – selbstverständlich auf Basis der bereits erfassten und bei uns gespeicherten individuellen Fitting-Daten. 

GW: Viele Golfer investieren vor allem in Driver und Eisen. Wird die Bedeutung des Puttens Ihrer Meinung nach generell unterschätzt?

WK: Absolut. Schließlich ist der Putter der am häufigsten genutzte Schläger im Bag. Gleichzeitig hat sich das Bewusstsein vieler Golfer in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Immer mehr Spieler erkennen, welchen Einfluss gutes Putten auf das gesamte Spiel hat, und bewerten einen Putter ähnlich wie einen hochwertigen Driver. Genau darin liegt der entscheidende Punkt. Wer auf dem Grün konstant performt, spielt nicht nur gute Scores, sondern gewinnt auch deutlich mehr Sicherheit und Vertrauen für das gesamte Spiel.

GW: Welchen Tipp würden Sie einem Clubgolfer geben, um sofort besser zu putten?

WK: Nach meiner Erfahrung haben viele Spieler – unabhängig vom Handicap – vor allem bei kurzen Putts Schwierigkeiten. Bei Putts von nur einem Meter auf ebenem Boden oder bei kurzen Downhill-Putts fehlt häufig das richtige Tempo. Mein wichtigster Tipp lautet deshalb: Den Ball immer mit ausreichend Tempo spielen – idealerweise bis etwa 50 bis 70 cm hinter das Loch. Genau dafür haben wir ein Trainingstool entwickelt: den Pace’N’Break Master, mit dem sich Tempo und Gefühl auf dem Grün gezielt trainieren lassen. 

GW: Wie hat sich das Putten auf Profi-Niveau in den vergangenen 20 Jahren verändert? 

WK: Im Laufe der Jahre durfte ich viele Profis begleiten und einige auf ihrem Weg zur ersten Million Dollar Preisgeld unterstützen. Dabei habe ich immer wieder festgestellt: Gerade bei kurzen Putts entscheidet Präzision über Erfolg oder Misserfolg. Lange Putts sind aus meiner Sicht vor allem Gefühlssache – kurze Putts dagegen sind eine Frage von Technik, Wiederholbarkeit und Vertrauen. Genau das lässt sich gezielt trainieren. Gleichzeitig habe ich erlebt, dass ein Wechsel von Putter oder Sponsor nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt. Als kleines Unternehmen können wir bei großen Sponsorengeldern zwar nicht mithalten, dafür konzentrieren wir uns konsequent auf das, was für den Spieler wirklich entscheidend ist:  ein individuell angepasster Putter, ein präzises Fitting und ein gezieltes Training mit klar funktionierender Methodik. Genau diese Kombination entscheidet am Ende über den Erfolg.  

GW: Nächstes Jahr jährt sich Ihr Entschluss, den „besten Putter der Welt“ zu bauen, zum 25. Mal. Was wünschen Sie sich für Ihr Unternehmen für die kommenden 25 Jahre?

WK: Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, dass unsere Werte, unsere Leidenschaft und die KRAMSKI Putt-Philosophie weitergetragen werden. Was einst aus einer persönlichen Idee entstanden ist, hat sich über viele Jahre zu einer Marke entwickelt, die von ambitionierten Clubgolfern wie von Tourspielern geschätzt wird. Besonders schön wäre es, wenn wir uns als vergleichsweise kleines Unternehmen mit unserem Konzept, unserer Präzision und unserer Methodik auch weiterhin erfolgreich neben den großen Marken behaupten und ihnen immer wieder Paroli bieten können. 

GW: Ich danke für das Gespräch.

Medianachweis: ©Golf Week

Total
0
Shares
0 Share
0 Tweet
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
Prev
Golf Gear Guide

Golf Gear Guide

Neue Technologien, moderne Designs und innovative Konzepte: Hersteller setzen

Next
May Style

May Style

Die Welt des Golfs dreht sich immer 
schneller: neue Schuhe, neue Schläger,

Das könnte dich auch interessieren
Total
0
Share