Man kennt es vom Boxen: Zu jedem anständigen Faustkampf auf großer Bühne gehört ein verbaler Schlagabtausch im Vorfeld, besser bekannt als Ballyhoo. Und weil der Ryder Cup nun mal DAS Duell im Golfsport ist, lassen sich auch hier die Kombattanten nicht lange bitten. Protagonisten der sprachlichen Scharmützel sind Rory McIlroy mit einer gepfefferten Replik auf Bryson DeChambeau sowie Justin Rose und Luke Donald, die ebenfalls ein paar nette Ansagen an die Adresse der amerikanischen Gastgeber abgeschickt haben. Dieser Foursome geht mit 3:1 an Europa – schade bloß, dass so was nicht mitzählt, wenn am Freitag um 13.10 Uhr hiesiger Zeit der erste Foursome zum Battle mit Bethpage Black aufbricht.
Wobei, eigentlich hat ja DeChambeau angefangen: Er werde McIlroy ordentlich „was flüstern“, sofern die beiden aufeinander treffen sollten, versprach BDC neulich. Dem US-Energiebolzen liegt immer noch schwer im Magen, dass er vom Nordiren während der Masters-Finalrunde keines Wortes gewürdigt wurde. McIlroy nahm den Fehdehandschuh flugs auf und keilte zurück: „Schade, dass er offenbar bloß mithilfe oder auf Kosten anderer Aufmerksamkeit erwecken kann.“ Wenn es den Sportgöttern gefällt – was ziemlich sicher ist –, werden die beiden das dann am Sonntag ab 18.02 Uhr auf dem Platz final ausfechten.
Mal sehen, wie sich Team Spirit aka Donalds Dutzend bis dahin gegen die Ego-Shooter schlägt – und wie die berüchtigten New Yorker Fans ihre Sympathien verteilen. Justin Rose jedenfalls hat so seine Zweifel an der Substanz des viel beschworenen neuen Geists beim Gegner. „Die US-Spieler glauben, dass beste Freunde bereits eine großartige Mannschaft ergeben, und sie haben sich zweifelsohne sehr bemüht“, sagt „Rosie“ vor seinem siebten Ryder Cup: „Aber bei uns hat das tiefere Wurzeln, ist gewachsen und organischer. Ein wirklich gutes Team hat eine von Generation zu Generation überlieferte Identität und eine gemeinsame Vision.“
So was erkennt auch das fachkundige New Yorker Publikum. Glaubt jedenfalls Luke Donald. Die Stimmung könne sehr schnell kippen, wenn das Heimteam nicht liefert, sagt Europas Skipper. Zudem ist Bethpage Black ein teures Pflaster für die Fans, nicht nur wegen der deftigen Ticketpreise; andererseits lässt sich erstmals in der Geschichte des Kontinentalduells ein Team durch Antrittsgelder pampern. Damit habe sich das US-Team keinen Gefallen getan, glaubt Donald: „Die New Yorker werden sie beim geringsten Anlass sehr nachdrücklich daran erinnern.“
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