Rolapps Revolution

PGA Tour vor Strukturwandel?

Im Profigolf deutet sich die nächste „Zeitenwende“ an: Wie der US-Ryder-Cupper Harris English vor kurzem ausgeplaudert hat, werden bei der PGA Tour gravierende Änderungen der Wettbewerbsstruktur diskutiert. Demnach könnte es ab 2027 quasi eine Top-Liga mit 20 bis 22 Turnieren nach dem Muster der bisherigen Signature Events geben – üppig dotiert und mit limitierten sowie auf die Beletage des spielenden Personals ausgerichteten Teilnehmerfeldern. Kurz: Die zugkräftigen Golfstars sollen auch zwischen den Majors permanent präsent sein und sich zur Hochsaison ständig messen. Überdies soll das Ganze erst nach dem Super Bowl der National Football League (NFL) im Februar beginnen, um das Fan-Interesse und die TV-Quoten nicht mit der Amerikaner liebstem Sport, dem American Football, teilen zu müssen. „Wir haben gegen den Football keine Chance, da die Play-offs und das Finale im Januar und im Februar alle Medien dominieren“, so English.

In den Planspielen ist eindeutig die Handschrift des neuen PGA-Tour-CEO Brian Rolapp erkennbar, der von der NFL gekommen ist, wo er einer der engsten Mitarbeiter von Commissioner Roger Goodell war, und offenkundig eine verdichtete Golfsaison in den footballfreien Sommer packen will. Dem könnten allerdings einige etablierte Turniere am Jahresbeginn zum Opfer fallen oder müssten neu terminiert werden. Rolapp hat Englishs Indiskretionen jedenfalls nicht dementiert: „Harris‘ Äußerungen spiegeln tatsächlich viele Gespräche wider, die geführt wurden. Denn wenn man in den USA mit dem Football um Mediengelder und Aufmerksamkeit konkurrieren will, ist das wirklich schwierig. Golf wird überwiegend im Sommer gespielt und zieht die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich. Daher ist es natürlich ein Thema für uns, das wir im Future Competition Committee unter Vorsitz von Tiger Woods diskutieren: Wie kann man die Spielpläne optimieren und in ein Sportjahr integrieren, das nicht nur Golf-Fans, sondern auch Sport-Fans begeistert?“

Kritiker hingegen haben der PGA Tour bereits vorgeworfen, durch die Verdichtung und die Reduzierung auf die Top-Spieler eine Art Play-off-Modell einführen zu wollen, das in der Individualsportart Golf bei den Fans aber eher erneut zu einer Übersättigung führe. Außerdem sehen sie in Rolapps Revolution eine starke Ähnlichkeit mit dem auf wenige, hochkarätig besetzte Turniere ausgerichteten Charakter des Konkurrenz-Circuit LIV Golf League. Statt einer weiteren Annäherung im Sinne der Wiedervereinigung mache jede Tour ihr eigenes Ding, heißt es. Dazu passt, dass unlängst Rory McIlroy und LIV-Aushängeschild Bryson DeChambeau unabhängig voneinander ähnliche Aussagen gemacht haben. „Angesichts der Ereignisse der vergangenen Jahre wird das sehr schwierig“, erklärte McIlroy, während DeChambeau glaubt: „Auf beiden Seiten gibt es zu viele Wünsche und gleichzeitig zu wenig Zugeständnisse.“

Medianachweis: © Sportcomm/Getty Images

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