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Von vielen missverstanden, von Legenden verehrt: Der kanadische Golfprofi Moe Norman war einer der präzisesten Ballstriker der Geschichte.

Wenn Golfgrößen wie Tiger Woods über einen Kollegen sagen, er habe den Ball „besser getroffen als jeder andere“, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Oder besser gesagt: hinzuhören, denn der Name fällt meist nur in ausgewählten Zirkeln. Die Rede ist von Moe Norman, einer kanadischen Golflegende, deren Schwungstil ebenso unkonventionell wie effektiv war. Norman wurde von vielen als der „Rain Man des Golfens“ bezeichnet – eine Anspielung auf die berühmte Filmfigur aus dem Film „Rain Man“ (1988), gespielt von Dustin Hoffman, da auch Moe Norman viele autistische Züge aufwies, wenngleich nie eine offizielle Diagnose gestellt wurde. Er sprach oft sehr schnell, wiederholte Wörter oder Sätze, hatte Mühe mit Augenkontakt und wirkte im sozialen Umgang oft unbeholfen und nervös. In Interviews antwortete er meist ausweichend oder mit merkwürdigem Humor. Genau wie Hoffmans Figur Raymond Babbitt fiel Moe durch sonderbares, aber in sich stimmiges Verhalten auf.

kultiger status

Raymond Babbitt war im Film bekanntlich ein Zahlengenie, Moe Norman hingegen besaß eine außergewöhnliche, fast übermenschliche Fähigkeit, den Ball immer exakt gleich zu treffen. Seine Schwungmechanik war so konstant, dass Zuschauer sagten, er sei „wie eine Maschine“. Manche nannten ihn sogar einen „Human Launch Monitor“ – lange bevor es TrackMan gab.

Ein weiterer Spitzname von ihm war „Pipeline Moe“, in Anlehnung an seine Fähigkeit, Schlag für Schlag exakt gerade Linien zu produzieren, wie auf einer Pipeline.

Moe Norman wird bis heute als einer der besten Golfstriker aller Zeiten verehrt.

In einer Ära, in der Konformität die Regel war, fiel Norman auf: durch seine Körperhaltung beim Abschlag, die gestreckten Arme, den Abstand zum Ball – alles exakt, wiederholbar, eigen. Sein Markenzeichen: der Single Plane Swing. Im Gegensatz zum traditionellen Zwei-Ebenen-Schwung bewegen sich bei Norman Arme und Schläger auf einer nahezu identischen Ebene – von der Ansprechposition bis zum Treffmoment. Weniger komplexe Bewegungen, weniger Fehlerquellen. „Why complicate a simple game?“, fragte er oft.

von helden verehrt

Moe Norman, der 1929 in Kitchener, Ontario, geboren wurde, gewann über 50 Turniere in Kanada, darunter zweimal die Canadian PGA Championship. Inoffiziell wird ihm nachgesagt, 17 Hole-in-Ones und unzählige Runden in den 60ern gespielt zu haben – viele davon auf öffentlichen Plätzen, barfuß oder mit nur wenigen Schlägern im Bag. Die PGA Tour konnte er nie wirklich erobern: Zu groß war das Unverständnis für seine Eigenheiten, zu schwierig die Anpassung an die professionelle Tour-Etikette der 1950er- und 1960er-Jahre. 

Trotz seiner Außenseiterrolle genoss Norman tiefen Respekt von jenen, die sein Können verstanden. Sam Snead bezeichnete ihn als „den besten Golfstriker aller Zeiten“. Und kein Geringerer als Tiger Woods sagte einst: „Ich habe nur zwei Spieler gesehen, die den Ball konsequent mit solcher Präzision getroffen haben: Ben Hogan und Moe Norman.“ 

Der österreichische PGA-Tour-Profi Sepp Straka zeigt sich ebenso vom Konzept des Single Plane Swing beeindruckt: „Technisch total spannend – und wenn es funktioniert wie bei Moe, ist es fast wie Magie.“ Auf die Frage nach seinen drei Top-Golfern anwortete Straka einmal: „Tiger Woods, Jack Nicklaus und Moe Norman!“

Auch Bryson DeChambeau, der „verrückte Professor“ unter den Tourspielern, ließ sich bei der Entwicklung seines eigenen Schwungs von Moe Normans Single-Plane-Modell inspirieren – ein stiller Tribut an einen, der seiner Zeit weit voraus war.

das erbe lebt weiter

Moe Norman verstarb 2004, doch sein Einfluss lebt fort. Die von ihm geprägte Philosophie des einfachen, wiederholbaren Golfschwungs wird heute von Schulen wie der „Graves Golf Academy“ gelehrt. Sie sehen in Norman nicht nur ein Vorbild für Technik, sondern für Authentizität – einen Mann, der nie versuchte, jemand anders zu sein. In einer Zeit, in der Analyse-Tools, Datenflut und Technik das Spiel dominieren, wirkt Normans Zugang fast naiv – und doch radikal modern. Vielleicht ist das sein größtes Vermächtnis: der Beweis, dass es im Golf nicht nur einen richtigen Weg gibt.

Medianachweis: ©Sportcomm / Getty Images

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