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Im Jahr 1821 wurde in St Andrews Tom Morris Sen geboren. Warum ist er im Golf so bekannt?

Natürlich: Wer im schottischen St. Andrews geboren wird, wird etwas mit Golf zu tun haben. Genau so ist es auch der Fall bei Tom Morris Senior, der am 16. Juni 1821 in der Heimstätte des Golf geboren wurde. Bereits im Jahr 1754 wurde der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews als einer der ersten Golfclubs überhaupt gegründet und Tom Morris sollte das Spiel mit dem kleinen weißen Ball maßgeblich mitgestalten. Bereits die Wahl des Berufs sollte dorthin deuten. Schließlich begann „Old Tom Morris“ seine Karriere im Jahr 1837 als Lehrling bei Allan Robertson. Der nur sechs Jahre ältere Golfer war nicht nur einer der bekanntesten Golfer des 19. Jahrhunderts, sondern gilt auch als der erste Profi. Kein Wunder, stammte er doch aus einer Familie von Golfern, Caddies und Ausrüstungsherstellern. Doch die Zusammenarbeit zwischen Morris und Robertson dauerte nicht allzu lange. Die Geschäftsbeziehung mit Morris zerbrach, als Bälle aus Guttapercha (auch Guttie-Ball genannt) eingeführt wurden. Robertson lehnte den neuen und günstigeren Ball ab, da er darin eine Konkurrenz zu seiner althergebrachten Technik sah. Morris setzte auf den fortschrittlichen Guttie-Ball, der den Golfsport revolutionierte, und gründete eine eigene Manufaktur. Allerdings musste Old Tom dafür in jungen Jahren nach Prestwick gehen, wo er von 1851 bis 1864 als Greenkeeper arbeitet. Er war sehr einflussreich, auch bei der 1860 das erste Mal stattfindenden Open Championship. Bei der ersten Austragung wurde er Zweiter, die zweite gewann er. Old Tom Morris selbst gewann die Open Championship in den Jahren 1861, 1862, 1864 und 1867. Der Spieler Tom Morris hatte laut der Legende keine großartig ausgeprägte Eigenschaft. Er soll weder einen spektakulären Abschlag noch einen guten Putt gehabt haben. Allerdings hatte er einen gleichmäßigen Rhythmus und wusste es, Fehler zu vermeiden. Er ist immer noch der ältes­te Open-Sieger mit 46 Jahren und hielt den Rekord für den Sieg mit dem größten Vorsprung (13 Schläge im Jahr 1862), bis dieser im Jahre 2000 von Tiger Woods auf 15 Schläge angehoben wurde.

Rückkehr

Robertson verstarb 1859, man spielte davor trotz geschäftlicher Differenzen, blieb angeblich in Wettspielen zu zweit stets ungeschlagen. 1865 schließlich kehrte Morris Sen. nach St. Andrews zurück und wurde er zum „Cus­todian of the Links“ ernannt. Ab 1867 betrieb er eine Golfschlägerwerkstatt neben dem 18. Grün des Old Course, der bis 2018 weiter existieren sollte. Doch mit sportlichen Höchstleistungen hielt er sich nicht auf. Old Tom Morris begann um 1875 herum, Golfplätze zu bauen. Damals gab es laut verschiedenen Quellen um die 50 weltweit, die meis­ten in Schottland. Er selbst soll zwischen 35 und 75 Layouts designt haben, darunter Prestwick, Royal Dornoch, Muirfield, Machrihanish, Carnoustie, Royal County Down, Royal Portrush, Westward Ho!, Crail und Nairn sowie den New Course in St. Andrews. Allerdings soll der Routing Plan nicht von ihm gewesen sein, der für ein Pfund pro Tag plus Spesen arbeitete.

Damals wie heute wird am Old Course in St. Andrews abgeschlagen.

Fraglich

Überhaupt ist sich die Fachwelt nicht einig, was genau oder wie groß Morris‘ Beitrag zum Bau der Golfplätze war. Es gibt beispielsweise die Kritik, dass er seine Bahnen immer an natürliche Begebenheiten anpassen wollte, aber dabei eher 18 Löcher bzw. Bahnen definierte, die er abging. Den Rest sollten Greenkeeper erledigen. Ältere Fotos zeigen zudem, dass seine Entwürfe oftmals sehr quadratische Grüns enthalten haben und quer zur Spielrichtung laufende Erd- und Steinwälle als Hindernisse. Allerdings: Zu der Zeit, als er anfing, gab es noch nicht die entsprechenden Maschinen und Gerätschaften, wie es dann um die Jahrhundertwende 1900 der Fall gewesen ist. Man konnte also noch keine aufwendigen Erdarbeiten erledigen und abseits der Linkslands im Landesinneren einfach Golfplätze anlegen. Das wäre zu teuer gewesen. Obwohl die meisten seiner Layouts stark verändert wurden, insbesondere wegen der längeren Schläge, die mit moderner Ausrüstung möglich wurden, können einzelne Löcher noch in Gänze auf Old Tom Morris zurückgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise der diagonale Eröffnungsdrive über den Strand von Machrihanish, The Dell in Lahinch, The Alps in Prestwick oder Foxy, das 14. Loch von Royal Dornoch, das von einigen Experten als bestes Golfloch der Welt angesehen wird. Am Ende kann man nun schon sagen, dass sich aus seinen Routings einige Weltklasseplätze entwickelt haben.

Gute Ideen, gutes Team

Aber auch das reichte ihm nicht. Old Tom Morris führte auch im Greenkeeping neue Methoden ein. Die Technik, die Greens zu sanden, hatte er eher zufällig in seiner Zeit in Prestwick entwickelt. Heutzutage gehört sie zum Standardrepertoire. Außerdem führte er den metallverstärkten Locheinsatz ein, so konnten die Löcher standardisiert werden.  Sein erster Sohn „Wee Tom“ starb 1850 im Alter von vier Jahren, sein zweiter Sohn wurde ein Jahr später geboren und als Young Tom Morris der wohl beste Golfspieler des 19. Jahrhunderts. Jedoch verstarb Young Tom bereits im Alter von 24 Jahren und auch Jamie, seinen dritten Sohn, überlebte Old Tom um zwei Jahre. „Young Tom“ galt als der beste Golfspieler seiner Zeit, vermutlich sogar als der beste des 19. Jahrhunderts: Er gewann die Open Championship zum ers­ten Mal 1868 im Alter von nur 17 Jahren. Er wiederholte diesen Erfolg in den Jahren 1869, 1870 und 1872. Zu seiner Geschichte ein anderes Mal mehr.

Bis zum Tod

Morris arbeitete bis zu seinem Tod, kurz vor seinem 87. Geburtstag, weiter. Er starb im Memorial Cottage Hospital in St. Andrews, nachdem er im Clubhaus des New Golf Club in St. Andrews eine Treppe hinuntergefallen war. Er ist an der Ostwand des Kirchhofs der St. Andrew‘s Cathedral begraben. Das Grab ist schlicht, steht aber unter dem höchst bemerkenswerten Denkmal für seinen Sohn, den jungen Tom Morris, das eine Bronzestatue des Golfspielers in Hochrelief vor weißem Hintergrund trägt und über die gesamte Breite des Kirchhofs sichtbar ist. Sein Grab zieht jedes Jahr tausende Golfer an, die diesem Golfhelden ihre Ehrerbietung erweisen möchten.

Eine verdiente Statue von Old Tom Morris im Rosapenna Hotel & Golf Ressort.

Medianachweis: Sportcomm/Getty Images

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