Sonnige Aussichten

Die Reiselust der Golfer ist ungebremst, 2026 wird für viele Veranstalter zum Rekordjahr. Vietnam macht den Klassikern zunehmend Konkurrenz.

Der Reisemarkt hat es derzeit mit einer widersprüchlichen Gemengelage zu tun: Die Lust auf Urlaub ist da, zugleich steigen Preise und Unsicherheiten. Geopolitische Krisen, militärische Konflikte, schwankende Flugverbindungen und höhere Kosten verändern die Reiseentscheidung. Für Golfer gilt das in besonderem Maß – allerdings nicht unbedingt in Form von Verzicht. Vielmehr verschieben sich die Ziele.

Auswärtiges Amt warnt vor Emiraten

Das beobachten auch die Reiseveranstalter. „Wir erleben Golfer als ausgesprochen krisenresiliente Zielgruppe“, sagt Mario Schomann, CEO der Golf Globe Group in Hannover. Ein Blick auf den Nahen Osten zeige, wie schnell sich eine Verschiebung auswirken kann. Das Auswärtige Amt rät derzeit von nicht notwendigen Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate ab und verweist auf die volatile Sicherheitslage sowie das Risiko weiterer militärischer Eskalationen und Einschränkungen des Flugverkehrs. Für eine Golfdestination wie Dubai, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, hat das unmittelbare Folgen.

Reiselust der Golfer ist ungebrochen

Ansonsten aber ist die Nachfrage erstaunlich stabil. „Die Reiselust ist nach wie vor ungebrochen. Stärker als je zuvor“, sagt Julien Bacques von Gruber Golfreisen in Graz. Das Unternehmen wachse seit 20 Jahren und werde auch 2026 die Vorjahreszahlen übertreffen. Und damit landen wir bei der klassischen Frage für die Monate Oktober bis April: Wo lässt sich zuverlässig Golf spielen, ohne dass der Urlaub zur logistischen Großübung wird? Die Antwort beginnt weiterhin mit Spanien, Portugal und der Türkei.

Palmen und Panorama – das gibt es auf den Kanaren.

Spanien ist kein Geheimtipp – und muss es auch nicht sein. Gerade darin liegt seine Stärke. Von Andalusien über die Costa del Sol bis zu den Kanaren reicht die Palette, dazu kommen Mallorca und andere Baleareninseln. Für Golfreisende ist das entscheidende Argument die Dichte. Wer eine Woche oder länger bleibt, kann zwischen unterschiedlichen Platztypen wählen, ohne täglich große Distanzen zurücklegen zu müssen. Dazu kommt eine Infrastruktur, die seit Jahrzehnten auf internationale Urlauber eingestellt ist: Hotels, Mietwagen, Transfers, Restaurants und Golfanlagen sind aufeinander abgestimmt.

Im Winter spielt vor allem Andalusien seine Lage aus. Die südspanische Region bietet die Kombination aus vergleichsweise kurzer Anreise, einer großen Zahl etablierter Golfplätze und einem Klima, das deutlich milder ist als in Mitteleuropa. Die Costa del Sol ist deshalb ein Klassiker, aber keiner, der sich überlebt hätte.

Auch die Kanaren gehören zu den Konstanten im Wintergeschäft. Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote haben jeweils ihren eigenen Charakter. Der Vorteil liegt weniger in einzelnen spektakulären Anlagen als in der Möglichkeit, Golf mit verlässlicherem Winterwetter und einem touristisch gut erschlossenen Umfeld zu verbinden. Mallorca dagegen wird differenzierter gesehen. Jürgen Armbrüster vom gleichnamigen Reisebüro in Steyr beobachtet dort eine nachlassende Nachfrage. Seine Erklärung: „Mallorca ist im Winter nicht ganz so prickelnd zum Golfspielen wie Ziele weiter im Süden.“

Renovierungswelle An der Algarve

Portugal folgt dicht dahinter. Die Algarve ist seit Jahren eine der wichtigsten Golfregionen Europas. Dazu kommt die Region um Lissabon, während Madeira und die Azoren das Angebot erweitern. Interessant ist dabei weniger die Eröffnung völlig neuer Golfwelten als die Modernisierung bestehender Anlagen. „An der Algarve erleben wir derzeit eine regelrechte Renovierungs- und Modernisierungswelle, die sowohl Hotels als auch Golfplätze betrifft“, berichtet Mario Schomann.

Das ist ein Trend, der den gesamten internationalen Markt beschreibt. Die große Expansionsphase mit immer neuen Destinationen ist weitgehend vorbei. Stattdessen wird in bestehende Plätze, Hotels und Serviceangebote investiert. Für österreichische Reisende gibt es allerdings einen Haken: Faro ist nicht aus allen Regionen so einfach erreichbar wie aus Deutschland. Armbrüster weist darauf hin, dass Portugal obendrein preislich häufig höher liege als die Konkurrenz.

Belek bleibt  der Renner

Wer über Wintergolf im europäischen Flugradius spricht, kommt an der Türkei nicht vorbei. Genauer gesagt: an Belek. Der Ort an der türkischen Riviera hat sich zu einer Golfregion entwickelt, die in dieser Konzentration kaum ein zweites Mal exis­tiert. Hotels und Golfplätze liegen dicht beieinander, Transfers sind kurz, die Resorts sind auf Golfgruppen eingestellt. Armbrüster nennt die Türkei mit Belek ausdrücklich einen „Dauerbrenner“. Auch Bacques bestätigt: „Belek ist immer gefragt.“ So sehr sogar, dass die Gruber Golfreisen GmbH für seine Kunden schon weit im Voraus ins Risiko geht und Top-Startzeiten auf den gefragten Plätzen einkauft. Abgeschlagen wird dann zur beliebtesten Tee-Time zwischen 9.30 und 11 Uhr. Bacques meint: „Diesen Extra-Service bietet sonst niemand außer uns.“ 

Der Carya Golf Club in Belek ist Europas erster und einziger komplett beleuchteter 18-Loch-Golfplatz. Der türkische Badeort ist bei Golfern weiter sehr gefragt.

Tunesien investiert in Wiederaufbau

Wer über die klassischen Winterziele hinausblickt, landet zunehmend in Nordafrika.

Marokko hat sich in den vergangenen Jahren deutlich stärker als Golfdestination positioniert. Das Land verbindet eine relativ kurze Anreise mit einem Klima, das in den europäischen Wintermonaten interessante Bedingungen ermöglicht. Dazu kommt eine wachsende Auswahl an Golfanlagen und Resorts. Das ist nicht nur ein Thema für Golfer, die ein neues Land ausprobieren möchten. Es geht auch um Kosten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spielt angesichts steigender Reisepreise eine größere Rolle. Noch deutlicher zeigt sich das in Tunesien. Bacques erklärt: „Das Land hat in den vergangenen Jahren viel in den Wiederaufbau investiert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis dort ist unfassbar gut.“ Das Interessante daran: Tunesien versucht nicht, über ein völlig neues Golfprodukt zu punkten. Das Angebot ist im Kern einfach verständlich. Mittelmeer, Golfplätze, Hotel, Transfers, Verpflegung und mehrere Startzeiten lassen sich zu einem Paket kombinieren. „Den Golfern wird genau das geboten, was sie wollen“, meint Bacques weiter. 

Qualität vor quantität

Die Diskussion über steigende Reisepreise führt zwangsläufig zu einer Frage: Muss Golfurlaub künftig vor allem billig sein? Die Antworten der Reiseprofis fallen überraschend eindeutig aus: nein. „Oft ist der Preis nicht relevant für die Kunden“, sagt Bacques. „Sie wollen sich etwas gönnen, die Qualität muss stimmen.“ Armbrüster formuliert es ähnlich: „Qualität vor Quantität hat sich stets bewährt. Vor allem sollte man es sich gutgehen lassen in den wenigen Urlaubswochen.“ Nicht zuletzt deshalb ist auch Mauritius mit all seinem Luxus nach wie vor sehr gefragt. Und dann ist da noch Vietnam. 

Das Land ist längst kein Geheimtipp mehr, aber im europäischen Golfmarkt noch nicht so selbstverständlich wie Spanien, Portugal oder die Türkei. Genau das könnte sich ändern. Denn Vietnam besitzt etwas, das viele etablierte Golfdestinationen nicht in dieser Kombination bieten: neue Golfplätze, starke internationale Architekten, Küstenlagen, Resorts und eine Kultur, die sich in eine Golfreise integrieren lässt. Die geografische Form des Landes ist für Golfreisende ein Vorteil. Der Norden, die zentrale Küste und der Süden unterscheiden sich klimatisch deutlich. Dadurch lässt sich die Reisezeit zwischen Oktober und April regional planen. Nach Angaben der vietnamesischen Tourismusbehörde sind November bis April für den Norden besonders geeignet; Zentralvietnam bietet vor allem ab Februar gute Bedingungen, während der Süden auch im europäischen Winter stabile Verhältnisse  aufweist. 

Vietnam ist Vielseitig

Das Alma Resort auf der Cam-Ranh-Halbinsel bietet jede Menge Luxus.

Bao Nguyen, Sales Manager bei Indochina Travel Services (ITS), teilt Vietnam für Golfreisende praktisch in vier Bereiche.

1 – Der Norden (Hanoi, Halong-Bucht, Ninh Binh) mit spektakulären Naturkulissen. Highlight ist der FLC Halong Golf Club, bei dem man hoch über der Küste abschlägt und Panoramablicke auf die Karstfelsen der berühmten Halong-Bucht genießt.

2 – Die Zentralküste (Danang, Hoi An & Lang Co): die unangefochtene „Golf Coast“ Vietnams. Innerhalb eines Radius von rund 45 Fahrminuten liegen sechs Top-Anlagen  direkt am Südchinesischen Meer. Strandurlaub, Kultur und Golf lassen sich hier gut kombinieren. 

3 – Die Südzentralküste (Nha Trang & Cam Ranh): Die Region wirbt mit über 300 Sonnentagen im Jahr. Neben traumhaften Buchten und luxuriösen Unterkünften  wie dem Alma Resort auf der Cam Ranh-Halbinsel zeichnet sich die Region durch tolle Plätze aus. Im Alma Resort hat mit  Herbert Laubichler-Pichler  ein Österreicher als Managing Director die Leitung inne, der seit mittlerweile über 15 Jahren in Vietnam lebt. Das sportliche Aushängeschild ist KN Golf Links, ein Wüsten-Links-Design von Greg Norman direkt am Meer.

4 – Der Süden (Saigon, Ho Tram, Phan Thiet/Mui Ne): ideal für Sonnenanbeter im europäischen Winter. Die Küs­tenorte Ho Tram und Phan Thiet/Mui Ne bieten Dünen- und Linksgolf, nur wenige Fahrstunden von der lebendigen Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt/Saigon entfernt. 

Der Unterschied zu vielen älteren Golfmärkten: Ein großer Teil dieser Infrastruktur ist vergleichsweise jung. Der Vietnam-Experte erklärt: „Nahezu alle Spitzenplätze wurden in den letzten zehn bis 15 Jahren von den großen Namen der Szene entworfen: Greg Norman, Sir Nick Faldo, Luke Donald, Robert Trent Jones Jr. oder Colin Montgomerie. Es handelt sich nicht um Standard-Golfplätze, sondern um spektakuläre Championship-Plätze auf Weltniveau.“ Hinzu kommt die Caddie-Kultur. Bei vielen Anlagen gehört ein persönlicher Begleiter zur Runde. Für europäische Golfer ist das zunächst ungewohnt, kann aber gerade auf fremden Plätzen einen praktischen Nutzen haben.

Vietnam ist dabei nicht das neue Billig-Golfziel. Nguyen nennt für Topplätze als grobe Orientierung Greenfees von etwa 130 bis 180 US-Dollar an Wochentagen. An Wochenenden oder bei besonders gefragten Anlagen können 200 bis 350 US-Dollar fällig werden. Das klingt hoch. Allerdings sind meistens Caddie und Cart bereits Bestandteil des Angebots. „Servicelevel, Exklusivität und Pflegezustand rechtfertigen diese Preise“, sagt Nguyen. 

Vietnam hat noch einen Vorteil: Die Reise funktioniert auch dann, wenn man den Schläger für einen Tag im Hotel lässt. Hanoi bietet Streetfood und Kaffeekultur. Eine Übernachtung auf einer Dschunke in der Halong- oder Lan-Ha-Bucht erweitert die Reise um eine Naturerfahrung. Hoi An ist UNESCO-Welterbe. Im Süden ist Ho-Chi-Minh-Stadt der Kontrapunkt zur Resortwelt. Wer abends durch die Stadt fährt, bekommt eine andere Seite Vietnams zu sehen.

Die Kalksteinfelsen am FLC Halong Bay Golf Club zählen zum UNESCO-Welterbe.

Gastfreundschaft und Lebensfreude

„Das Land verzaubert durch seine Gastgeber. Die Gastfreundschaft, Sicherheit und Lebensfreude der Vietnamesen machen die Reise auch auf menschlicher Ebene zu einem Erlebnis“, sagt Nguyen. Vietnam ist demnach gerade dabei, die Grenze dessen zu verschieben, was europäische Golfer von einer Fernreise erwarten können.

Medianachweis: ©Meloneras Golf by Lopesan, ©Regnum Hotels/Regnum Carya, ©Alma Resort, FLC Halong Bay Golf Club(2)

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