Der Ryder Cup 2025 war nicht nur ein Golf-spektakel. Er war eine Bühne, auf der Politik, Glamour und Inszenierung mindestens genauso präsent waren wie Drives und Putts. Wer in dieser Woche in Bethpage unterwegs war, spürte, dass der Wettbewerb auch jenseits der Fairways stattfand. Ganz vorne mit dabei: Donald Trump – in einer Rolle, die zwischen Retter, Zuschauer und Nebendarsteller schwankte.
trump als „retter“
„Trump saved the Ryder Cup“: Das Weiße Haus verkündete mit exakt dieser Schlagzeile wenige Tage vor Beginn, Präsident Donald Trump habe den Ryder Cup 2025 „gerettet“. Hintergrund war ein drohender Bahnstreik, der die Anreise von hunderttausenden Fans nach Long Island praktisch unmöglich gemacht hätte. Mit einer Eilverfügung wurde der Arbeitskampf aufgeschoben – ein Schritt, den Regierungsvertreter sofort mit der Formulierung schmückten, der Präsident habe „persönlich“ das Turnier gesichert.
Ob das Ereignis tatsächlich je in Gefahr war, bleibt umstritten. Doch für Trump selbst war die Botschaft gesetzt: Ohne ihn, so die Erzählung, hätte der Ryder Cup nicht stattfinden können. Eine perfekte Steilvorlage für eine Woche, in der Golf plötzlich zur politischen Bühne wurde.

casual tuesday?
Noch bevor die ersten Schläge auf dem Bethpage Black Course fielen, trafen sich Spieler, Offizielle und Begleitungen Dienstagabend im prunkvollen Hempstead House in Sands Point zum traditionellen Galadinner. Zwischen gotischen Bögen, historischen Teppichen und funkelnden Kronleuchtern gaben sich die Stars des Golfens die Ehre.
Die Outfits waren so sorgfältig gewählt wie die Worte: Abendkleider, Smokings, farbenfrohe Designerroben. Ehepartner und Partnerinnen der Spieler setzten bewusst modische Akzente, wohl wissend, dass Kameras und Fotografen jede Geste einfingen. Für Gesprächsstoff sorgten allerdings die US-Spieler: Sie erschienen geschlossen ohne Krawatte, dafür im dunklen Anzug kombiniert mit weißen Sneakern. Der Look sollte jugendlich und lässig wirken, doch nicht jedem gefiel die Stilbruch-Ästhetik. Einige Kritiker sprachen gar von „Casual Tuesday statt Gala Dinner“ – während die Europäer mit klassisch eleganter Garderobe den formelleren Ton vorgaben.
all star match
Zur Einstimmung auf das Hauptevent lud die PGA of America als Veranstalter tags darauf zum Celebrity All-Star Match. Auf einer verkürzten Runde des Bethpage Black Course traten Prominente aus Sport, Film, Musik und Fernsehen gegeneinander an – das Celebrity All-Star Match ist längst fester Bestandteil der Ryder-Cup-Woche.
Geballte US-Prominenz wie Tennis-Legende John McEnroe, die beiden New-York- Giants-Ikonen Eli Manning und Michael Strahan oder Comedian Colin Jost traf auf ein europäisches Team rund um Brooklyn Beckham, Eishockey-Ass Teemu Selänne, Hollywood-Queen Catherine Zeta-Jones und NBA-Größe Pau Gasol. Gelacht wurde viel, sportlich stand am Ende – zumindest im Celebrity All-Star Match – ein Sieg der US-Seite zu Buche.

trump eilt zu hilfe
Nachdem die Eröffnungszeremonie aufgrund Regens am Donnerstag schon einen Tag vorher stattfand, ging es am Freitag dann auch endlich sportlich los. Für die Nachmittagsvierer erschien Donald Trump dann persönlich auf dem Bethpage Black Course – er war damit in der Geschichte der erste amtierende US-Präsident, der dem Ryder Cup einen persönlichen Besuch abstattete. Begleitet von einem Tross an Sicherheitskräften, Kamerateams und jubelnden Anhängern inszenierte er sich dabei einmal mehr als Beschützer und Fürsprecher des US-Teams.
„Ich möchte helfen“, ließ er verlauten, nachdem die US-Amerikaner in den Auftaktvierern ordentlich unter die Räder kamen. Seinen Kumpel Bryson DeChambeau begleitete er dann höchstpersönlich zum ersten Abschlag. Auch mit den anderen US-Spielern suchte Trump den direkten Kontakt, nahm sich Zeit für lockere Worte und Handshakes. Und US-Captain Keegan Bradley ließ es sich sogar nicht nehmen und ahmte neben dem ersten Abschlag den berühmten „Trump Dance“ – eine Mischung aus ausgestrecktem Arm, wippendem Knie und breitem Grinsen – nach. Die Zuschauer rasten vor Begeisterung, und Trump quittierte das Schauspiel mit einem anerkennenden Daumen nach oben.
die euro-botschaft
Nach rund zwei Stunden verließ der US-Präsident mit seiner Enkeltochter Kai Trump, einer versierten College-Golferin, die zugleich erstmals ihre eigene Modelinie präsentierte, dann wieder das Gelände. Auch Trumps pompös inszenierte Präsenz änderte nichts am sportlichen Erfolg der Europäer. Am Ende der Woche gehörte die Bühne nicht mehr Trump, sondern Luke Donald und seinen zwölf Eurofightern.
Während Team USA zwar tapfer kämpfte, sang das europäische Team nach dem entscheidenden Punkt am Sonntag ausgelassen in der Kabine. Ihr Lied: „Donald, are you watching?“ – eine spöttische Anspielung auf den Mann, der sich zum Retter erklärt hatte und nun mitansehen musste, wie der Ryder Cup dennoch nach Europa ging.
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