Das Golfspiel war simuliert, die Spannung aber echt. Das finale Duell der ersten Saison der TGL (TMRW Golf League) fand Ende März statt. Zuvor gingen bereits zweieinhalb Monate lang die Vorrunden-Matches der neu konzipierten Indoor-Liga über die Bühne. PGA-Tour-Spielerteams schlugen Bälle auf einen riesigen Simulatorbildschirm und putteten und chippten anschließend auf einem individuell anpassbaren Grün in der eigens für TGL errichteten Indoor-Arena mit dem Namen SoFi Center in Palm Beach Gardens, Florida.
ATLANTA DRIVE GC HOLT PREMIERENSIEG

Die Technik ist zweifelsohne beeindruckend, jedoch fühlte es sich die meiste Zeit der Saison so an, als ob nicht wirklich etwas auf dem Spiel stünde. Spieler kicherten nach schlechten Schlägen. Sie redeten über oberflächliche Dinge. Sie gaben freundliche Interviews mit ESPN-Reporter Marty Smith. Falls irgendjemand sich für das Ergebnis interessierte, ließ er es sich nicht anmerken. Das änderte sich allerdings, als Billy Horschel einen elektrisierenden 5,5-Meter-Putt versenkte und damit das Comeback des Atlanta Drive Golf Club gegen den New York Golf Club im Finalmatch ermöglichte. Horschel rastete aus, ebenso wie das Publikum. Es war einer jener Momente, von denen die Liga-Gründer wohl mehr davon im Sinne hatten.
Gemeinsam mit seinen Atlanta-Drive-GC-Teamkollegen Justin Thomas und Patrick Cantlay schaffte Billy Horschel im zweiten Spiel der Best-of-Three-Finalserie ein beeindruckendes Comeback gegen den New York Golf Club. Das Trio gewann noch mit 4:3, nachdem es nach elf Löchern bereits 0:3 zurückgelegen war. Horschels gelochter 5,5-Meter-Birdie-Putt am 14. Loch erwies sich als entscheidender Moment und löste ausgelassenen Jubel aus, als Atlanta erstmals die Führung gegen das New Yorker Team, bestehend aus Xander Schauffele, Rickie Fowler und Cameron Young, übernahm.
Atlanta-Teambesitzer Arthur Blank nahm die SoFi-Cup-Trophäe in Empfang, und TGL-Star Billy Horschel war natürlich überglücklich. „Es ist wirklich cool, mit diesen Jungs etwas zu erreichen“, sagte Horschel. „Mannschaftswettbewerbe sind etwas Besonderes. Ich habe erst an einem teilgenommen, dem Presidents Cup 2022. Man hört die Geschichten, man weiß, wie viel Spaß es macht … Allein die Teilnahme an einem Wettkampf, die Energie und die Nervosität sind spürbar. Das bringt einen einfach näher zusammen.“
DIE GRÜNDUNGSVÄTER DER TMRW GOLF LEAGUE

Wie entstand eigentlich dieses neue Konzept? TGL (TMRW Golf League) ist eine Golfliga von TMRW Sports, einem Unternehmen des Sportmanagers Mike McCarley und der Profigolfer Tiger Woods und Rory McIlroy in Partnerschaft mit der PGA Tour. Die Liga kombiniert traditionelles Golfspiel mit Elementen des simulierten Indoor-Golfs und umfasst Spieler der PGA Tour. Die Duelle finden immer an Wochentagen in Abstimmung mit dem Spielplan der PGA Tour statt.
Der Start von TGL war ursprünglich für 2024 geplant. Er wurde jedoch auf 2025 verschoben, nachdem die im Bau befindliche Arena aufgrund eines Stromausfalls massiven Schaden erlitten hatte. Im Oktober 2024 gab TGL den neuen Starttermin bekannt: 7. Jänner 2025.
Sechs Teams mit jeweils drei PGA-Tour-Spielern traten im 18-Loch-Matchplay auf einem virtuellen Platz mit einem speziellen Kurzspielbereich gegeneinander an. Zu den ersten Investoren zählten unter anderem die NBA-Spieler Stephen Curry, Andre Iguodala, Shaquille O’Neal, Dwyane Wade und Kevin Durant, der Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton, der Fußballspieler Alex Morgan, der Quarterback der Buffalo Bills Josh Allen, die Tennisspielerin Serena Williams und die WNBA-Spielerin Diana Taurasi. Weitere Investoren sind der Pop-Künstler Justin Timberlake, der CEO von Fanatics Michael Rubin und Greg Maffei, CEO von Liberty Media.
ABSCHLIESSENDE, OFFENE FRAGEN

Nach Beendigung der ersten Saison der TGL muss man die Frage stellen: War sie nun ein Erfolg oder nicht? Die Golffans sind diesbezüglich sehr gespalten. Reaktionen der Begeisterung und der kompletten Ablehnung oder Gleichmut halten sich die Waage.
Eine noch grundlegendere Frage in diesem Kontext lautet aber wohl: Was bedeutet Erfolg für die TGL? Sind es die Einschaltquoten? Die waren eigentlich grundsolide. Rund eine Million Zuschauer sahen in den besten Zeiten zu, und die Liga übertraf bei weitem das, was eine typische Studiosendung an einem Dienstag bieten würde.
War es eine großartige Golfshow? Objektiv betrachtet wohl eher nicht. Dazu fehlten einfach die Spannungsmomente und es wurde auch klar, dass die meisten Profigolfer keine Entertainer sind.
War die Einführung der TGL eine Möglichkeit, PGA-Tour-Spieler zu belohnen? Absolut. Atlantas Spieler verdienten jeweils 2,25 Millionen Dollar. Ein nettes Zubrot für Tour-Spieler, die nicht zu LIV Golf gewechselt sind. Und viel mehr noch ein Anreiz, erst gar nicht in Versuchung zu geraten, den Lockrufen der Saudis zu verfallen.
Und last but not least die Frage: Konnte TGL neue Golffans gewinnen und zum Wachstum und zur Weiterentwicklung des Golfspiels beitragen? Es ist noch zu früh, um dies zu beurteilen. Vielleicht gibt die nächste Ausgabe Anfang 2026 eine klarere Antwort!
Medianachweis: TGL Golf