Irgendwie hatte Phil Mickelson recht. Bloß der Stil war halt fragwürdig. Es gehe um einen Hebel gegen die Monopolstellung und die Eigenmächtigkeiten der PGA Tour, begründete „Leftie“ 2022 die Kollaboration mit den „scary motherfuckers“ aus Saudi-Arabien und dessen Golf-Impresario Greg Norman. Das Ergebnis war ein Homunkulus namens LIV. Dessen Version 1.0 ist Geschichte, 2.0 droht eher zu 0,2 zu werden (siehe auch S. 54): Nach fünf mehr als turbulenten Jahren ist die PGA Tour wieder Monopolist – und stärker denn je. Nur anders. Solider. Innovativer. Kommerzieller. Spätestens ab 2028 wird geerntet, mit einer völlig neuen Wettbewerbsstruktur vom ersten Saisonturnier bis zum letzten Play-off-Duell.
„Ohne Krise keine Innovationen“
Auch Jon Rahm und Tyrrell Hatton werden dabei sein – wetten, dass …? Und wer weiß noch: The winner takes it all.„Wirklich große Innovationen entstehen in der Regel nicht ohne eine Krise“, sagt dazu der neue CEO und Commissioner Brian Rolapp.
Man ist geneigt zu sagen: Wenn LIV nicht gewesen wäre, hätte jemand einen Konkurrenz-Circuit erfinden müssen. Aber genau so war es ja. Normans Konstrukt knackte die verkrusteten Strukturen des US-Establishments, das zuvor den seligen Schlummer der Selbstgerechten schlief.
Mit der Penunze des PIF öffnete der von Revanchismus getriebene „Great White Shark“ eine Pandorabüchse des Geldes aus der Gießkanne und trieb die PGA Tour vor sich her, die Boni um Boni als Bastion gegen den Wind aus der Wüste stapelte und ihre Tour-Treuen mit Wohlstandsversprechen wie den Signature-Events bei der Stange hielt. Obwohl dem damaligen „Commish“ Jay Monahan klar war, „dass wir dieses Wettrüsten nicht gewinnen können, wenn Dollars die einzigen Waffen sind“.
2023 flüchtete er sich angesichts klammer Kassen und angebrochener Rücklagen in ein Rahmenabkommen mit dem PIF und dessen ehrgeizig-eitlem Boss Yasir Al-Rumayyan aka Waffenstillstand und kündigte Verhandlungen über eine Einlage des PIF in die neu zu gründende kommerzielle Unternehmung PGA Tour Enterprises an. Dann geschah auf dem Kapitol in Washington etwas, das als Initialzündung für die neue Prospektivität der PGA Tour gern übersehen und sowieso zu wenig gewürdigt wird – Auflösung später.

Jedenfalls schöpft die PGA Tour längst wieder aus dem Vollen. Mit personeller Power auf dem Platz, reichweitenstarken TV-Partnern, Marketingmacht und einer Fan-Base, die die Qualität des Produkts honoriert. Siehe Scottie Schefflers Gewinn der Tour Championship. 5,728 Millionen Menschen saßen am Finalsonntag vor dem Fernseher, so viele wie seit 2018 nicht. Und das trotz eines als schnarchig verschrienen Play-off-Modus. Wenigstens wurde der Unfug des Punktesystems aufgegeben.
Ab 2028: Matchplay statt play-off
Und 2028 wird eh alles anders. Dann kommt die Zweiteilung in Championship Series als Erweiterung des bisherigen Systems der Signature-Events und neue Beletage sowie Challenger Series mit den bisherigen, zwischen den Signature-Events kaum noch sichtbaren Standardturnieren als Unterbau, eine „echte Leistungsgesellschaft“, so Rolapp. Dazu kommt eine Global Series im Herbst in Kooperation mit der DP World Tour, deren Position in der strategischen Allianz an Bedeutung gewinnt. Last but not least die völlige Neukonzeption des Play-offs, das mal eingeführt worden war, um die Sommerzeit nach den Majors und bis zum Beginn der American-Football-Saison zu pimpen.
Stattdessen wird ab 2028 ein völlig eigenständiges Matchplay-Turnier über zwei Wochen und an verschiedenen Schauplätzen ausgetragen – mit einem vorgeschalteten 72-Loch-Zählspiel, bei dem die 32 „Lochspieler“ ermittelt werden. Will heißen: Der Tour-Champion steht nach der regulären Spielzeit fest. Damit entfällt der bislang ohnehin selten erfolgreiche Spagat, den verdienten Saisonsieger zu küren und gleichzeitig einen fanfreundlichen Abschluss zu inszenieren.
Matchplay wiederum ist mitreißend. Loch um Loch, Auge um Auge und so weiter. „Wir tun, was für die PGA Tour am besten ist. Und wir haben den Fans zugehört“, sagt Rolapp, der als einstiger Chief Media and Business Officer der NFL sehr genau weiß, wie man eine Liga vermarktet.
Tiger: Graue Eminenz und Kompass
Es ist gleichwohl ein mutiger Schritt: Die TV-Attraktivität von Matchplay litt stets darunter, dass Stars früh scheitern können und Nobodys den Sieg unter sich ausmachen. Ein Albtraum-Szenario für die Quoten. Beim neuen Format wird das Risiko durch Gruppenphasen über mehrere Tage reduziert, im Finale treffen zudem alle ungeschlagenen Spieler aufeinander.
„Der Abschluss einer Saison sollte der Reise bis dahin würdig sein“, gab Tiger Woods bei der Verkündung zu Protokoll. „Und ich freue mich, auf der PGA Tour eine neue Matchplay-Ära einzuläuten.“ Es darf getrost als weiterer cleverer Move von Rolapp gewertet werden, den Superstar als Vorsitzenden des Future Competition Committee einzuspannen, das diese in der Geschichte der PGA Tour einmalige Reform ausgeknobelt, abgestimmt und durch die Instanzen gebracht hat.
Woods ist die graue Eminenz des Profigolf und galt in Jay Monahans Endphase schon als Shadow Commissioner. Trotz des durch diverse Skandale etwas ramponierten Rufs ist er für die meisten Kollegen ein Kompass. Man hört auf ihn, man folgt ihm. Wie seinerzeit bei Arnold Palmer, als Greg Norman 1994 mit seiner Idee einer World Tour vor die Wand lief. „Greg, wie oft, glaubst du, wurden Jack Nicklaus, Gary Player und ich als The Big Three schon aufgefordert, unser eigenes Ding zu machen? Öfter, als ich zählen kann“, soll „King Arnie“ damals gesagt haben. „Und weißt du, warum wir immer Nein gesagt haben? Weil es schlecht für das Spiel und schlecht für die Jungs gewesen wäre.“ Im Kollegenkreis hieß es darob: „Wenn es nichts für Arnie ist, ist es auch nichts für uns.“
Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Woods votierte stets ähnlich heftig gegen LIV, assistiert von Rory McIlroy als Wortführer des Widerstands. Mehr noch: Die Entwicklung spielte den beiden sogar in die Karten, haben sie doch von jeher einer Eliteliga das Wort geredet. Genauso kommt es jetzt, inklusive der Erschließung bislang von der PGA Tour sträflich unbespielter Märkte wie Asien, Australien oder des indischen Subkontinents.
Der fast vergessene Senator Blumenthal
Eigentlich müssten sie sich dafür bei Senator Richard Blumenthal bedanken, Demokrat aus Connecticut, 2023 Vorsitzender des Senate Permanent Subcommittee on Investigations und unbeugsamer Vertreter der Ansicht, „dass ein brutales, repressives Regime wie Saudi-Arabien keinesfalls Einfluss kaufen und sogar eine geschätzte amerikanische Institution [wie die PGA Tour] übernehmen kann, nur um sein öffentliches Image reinzuwaschen.“ Gemeint war ebenjenes Rahmenabkommen, das Monahan und Al-Rumayyan am 6. Juni des Jahres vor der Kamera verkündet hatten.
Der bärbeißige Blumenthal zitierte alle Beteiligten vor den Ausschuss und heizte den PGA-Tour-Vertretern Jimmy Dunne und Ed Herlihy gehörig ein. Seine Standpauke gipfelte in der Empfehlung, doch gefälligst erstmal in den USA selbst nach möglichen Partnern und Investoren zu suchen – die sich tatsächlich schnell fanden.
Wirtschaftskreislauf rund um Woods
Sportbusiness-Magnaten wie Arthur Blank, Betreiber der PGA Superstores und Eigner des NFL‑Teams Atlanta Falcons, oder John Henry von Fenway Sports – um nur zwei zu nennen – taten sich zum Konsortium Strategic Sports Group (SSG) zusammen und pumpten drei Milliarden Dollar in die PGA Tour Enterprises. Dass die meisten der SSGler gleichermaßen Investoren bei TMRW Sports und Teameigner in der TGL und in der WTGL sind, zeigt die Komplexität des geschlossenen Wirtschaftskreislaufs rund um Woods.

Jedenfalls: Der PIF war raus, Tiger und die Tour starteten das Waiting Game – wohlwissend, dass die Saudis irgendwann das Interesse am Groschengrab LIV verlieren würden. Rolapp musste lediglich ein Schlusswort sprechen: „Es gibt keinen Zusammenschluss. Es gibt keine Gespräche. Wir kümmern uns um unsere eigene Zukunft.“
Ja, die PGA Tour wird die einmal beschworenen Geldgeister nicht mehr los. Schon Stillstand wäre Rückschritt. Also baut sie das ursprüngliche Notstandsmodell einfach konsequent aus. Man muss das Monopoly mit echten Moneten nicht toll finden – but money makes the world go round. Auch im Profisport.
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