Es kommt zusammen, was irgendwie zusammengehört: Die PGA Tour macht Station auf der Spielwiese von Hollywood, und Tiger Woods empfängt die Beletage des Profizirkus zum Genesis Invitational. Schauplatz ist wieder der traditionsreiche Riviera Country Club, pünktlich zum 100-jährigen Bestehen, nachdem das Turnier im vergangenen Jahr wegen der verheerenden Brände in Los Angeles und Südkalifornien auf den South Course von Torrey Pines ausgelagert worden war. Die ikonische Anlage im Nobelvorort Pacific Palisades gehört zu den feinen Golfadressen der USA, der von George C. Thomas 1926 fertiggestellte Platz zählt zu den Designjuwelen auf dem Golfglobus. Und die Traumfabrik ist keine 20 Kilometer Luftlinie entfernt, der Weg führt zumeist über den legendären Sunset Boulevard.
Das passt als Überleitung zum aktuellen Medienauftritt von Genesis-Gastgeber Woods, der einfach nicht loslassen kann. Oder will. Ob ein Start beim Masters angesichts der aktuellen körperlichen Befindlichkeit vom Tisch sei? Nein! Ein Start des 50-Jährigen bei den PGA Tour Champions? Kann sein? Das Kapitänsamt beim Ryder Cup 2027? „Ich habe noch keine Entscheidung getroffen.“ Neuordnung des Tour-Kalenders? Einiges vielleicht schon ab 2027. Nichts Genaues sagt er nicht.
Wenigstens für das Turnier besteht Klarheit, das seit Einführung der Signature Events als 20-Millionen-Dollar-Knüller gesetzt ist. Ludvig Åberg tritt zur Titelverteidigung an. Tommy Fleetwood hat nach dem Abschied von Nike immer noch keinen neuen Klamottensponsor und muss sich vermutlich wieder im Pro-Shop ausstatten, wie schon in Pebble Beach; er spielt passenderweise mit dem frisch gebackenen Pro-Am-Sieger Collin Morikawa und Rory McIlroy. Der Weltranglistenerste Scottie ist selbstredend ebenfalls dabei. Sepp Straka wiederum darf sich auf ein Geduldsspiel freuen, er hat den notorisch betulichen Patrick Cantlay in der Gruppe. Den Golffans in Österreich wird das Geschehen von Golf-Week-Partner Canal+ live ins Wohnzimmer gebracht.
Auch Tiger Woods bleibt einmal mehr die Rolle des Zuschauers. Er könne wieder volle Schläge spiele, erklärte der Superstar bei seiner Pressekonferenz, aber nicht auf konstant gutem Niveau: „Ich versuche, voranzukommen, stärker zu werden, mehr Ausdauer aufzubauen und meinen Körper auf ein Level zu bringen, auf dem ich wieder auf höchstem Niveau spielen kann.“ Den 15-fachen Majorsieger verbindet viel mit Riviera, obwohl er dort nie gewonnen hat. Am 27. Februar 1992 feierte er in Pacific Palisades als 16-jähriger Highschool-Zehntklässler und amtierender US-Junior-Amateurmeister per Sponsoreneinladung für die damalige Nissan Open das Debüt auf der PGA Tour.
Ebendort begann mit dem beinahe tödlichen Autounfall nach der 2021er-Auflage der aktuelle Leidensweg. Vielleicht wird das alles ja irgendwann mal verfilmt, möglicherweise inklusive Comeback. Das gab’s schon mal. 1951 wurden in „The Riv“ zahlreiche Szenen der Biografie „Follow the Sun“ gedreht, die sich mit Ben Hogans dramatischer und ebenfalls von einem Crash unterbrochener Karriere befasst.
Wohl kein Golfplatz auf dem Planeten hat im Lauf seiner Geschichte mehr Promis gesehen als der schicke innerstädtische und natürlich private Landclub in den westlichen Ausläufern von LA, der angeblich 250.000 Dollar Aufnahmegebühr aufruft. Die Liste der Hollywood-Größen unter den Mitgliedern liest sich wie ein Who’s Who, aktuell finden sich dort beispielsweise Tom Cruise, Mark Wahlberg, Chevy Chase oder Adam Sandler. Gleichsam gehört American-Football-GOAT Tom Brady dem Club an.
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