Vor genau 70 Jahren wurden zum ersten Mal Bewegtbilder von einem Golfturnier im deutschen Fernsehen gezeigt. 1956 hatte die Reporter-Legende Harry Valérien in Garmisch-Partenkirchen mit einer kleinen Handkamera versucht, das Geschehen auf dem Platz zu filmen – für eine Sendung des Bayerischen Fernsehens. Er gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Seitdem hat sich Golf zu einem attraktiven TV-Sport entwickelt. Einerseits wird eine kaufkräftige und markenaffine Zielgruppe bedient, andererseits bekommen die TV-Sender und Streaming-Anbieter verlässliche Reichweiten und eine hohe Werbewertigkeit. Anfang des Jahres folgte bei der Vergabe der Übertragungsrechte ein Paukenschlag. Die Neuverteilung zwischen Sky, Magenta-TV und Canal+ sorgt für eine veränderte Marktstruktur.

300 Tage Live-Golf
Im Zentrum steht der Aufstieg von Magenta-TV. Die Telekom-Plattform sicherte sich ein umfassendes Rechtepaket. Dazu gehören prestigeträchtigen Serien wie die PGA Tour, die DP World Tour sowie weitere Formate wie die Korn Ferry Tour, die als Sprungbrett auf die höchste Ebene gilt, und die PGA Tour Champions. Zusätzlich umfasst das Paket bis einschließlich 2029 den Ryder Cup und den Presidents Cup. Insgesamt werden rund 300 Tage Live-Golf pro Jahr mit über 130 Turnieren angeboten. Abgerundet wird das Angebot durch Hintergrundberichte, Porträts der Top-Spieler und Inhalte auf Abruf. „Die Berichterstattung wird zudem auf unseren Social-Kanälen weitergeführt, ausgewählte Turniere sind sogar frei empfangbar, um noch mehr Zuschauer für den Golfsport zu begeistern“, teilt das Unternehmen mit. An der Spitze des Kommentatoren-Teams steht mit Gregor Biernath einer der bekanntesten Golf-TV-Experten, der zuletzt für Sky tätig war.
In Österreich spielt Canal+ eine wichtige Rolle. Der französische Medienkonzern hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt Sportrechte gesichert. Unternehmenssprecher Christoph Rietner sagt: „Der Erwerb der Golfrechte ist ein wichtiger Schritt, um unser Sport-Portfolio breiter und emotionaler aufzustellen. Golf bringt eine ganz eigene Faszination mit – große Momente, ikonische Schauplätze und Spannung bis zum letzten Putt.“
Lokaler Content
Im Mittelpunkt der Berichterstattung bei Canal+ stehen die österreichischen Golfstars, allen voran Sepp Straka. Generell kommen die Übertragungssignale von der PGA Tour und der DP World Tour. Rietner erklärt: „Weiters produzieren wir mit unserer Produktionsfirma West4Media auch lokalen Content für unseren 24-Stunden-Golfsender. Wie zuletzt bei der Top Golf Show. Und es ist auch ein eigenes TV-Fenster mit unserem Partner, dem ÖGV, in Planung.“ Personell hat das globale Medien- und Unterhaltungsunternehmen für den Golfsport aufgerüstet: Mit Michael Berger kehrte eine der markantesten Stimmen des österreichischen Golfsports auf die große Bühne zurück. Er kommentierte unter anderem alle bisherigen olympischen Golfturniere und ist selbst passionierter Golfer, Florian Bauer ist einer der renommiertesten Golf-Experten im deutschsprachigen Raum. Dazu kommt mit Andreas Trippolt ein Mann, der seit über 20 Jahren sportjournalistisch tätig ist.

Solheim Cup bei Sky
Diese Entwicklung bedeutet gleichzeitig deutliche Veränderungen für Sky. Über viele Jahre hinweg galt der Pay-TV-Sender als zentrale Plattform für Golfübertragungen im deutschsprachigen Raum. Mit der PGA Tour und der DP World Tour verliert er jedoch seine wichtigsten Zugpferde. Mit allen vier Majors bleibt Sky Sport langfristig dennoch exklusive Heimat der größten Turniere. Neu sind alle Stationen der LIV Golf League. „Sky Sport begleitet die Events umfassend und stellt seit dem Turnier in Südafrika zusätzlich über Web und App einen eigenen Feed mit sämtlichen Schlägen von Martin Kaymer sowie seiner jeweiligen Mitspieler zur Verfügung“, erklärt Unternehmenssprecher Jan Götze. Auch die wichtigsten Turniere der Asian Tour gehören fortan zum Programmportfolio. Diese Wettbewerbe gewinnen zunehmend an Bedeutung, insbesondere durch hohe Preisgelder und prominente Spieler. Darüber hinaus überträgt Sky Sport 2026 mit dem Solheim Cup, der Ladies PGA Tour und der Ladies European Tour alle wichtigen Turniere der Frauen sowie auch die wichtigsten Senior-Majors und die Tomorrow Golf League. Mit unter anderem Adrian Grosser und Florian Fritsch werden die Übertragungen weiterhin von Kommentatoren begleitet, die schon seit vielen Jahren für den Sender arbeiten. Darüber hinaus ist Martin Borgmeier, World Long Drive Champion 2022 und zugleich enger Freund von Bryson DeChambeau, als Experte und Co-Kommentator im Einsatz.
Mehrere Abos nötig
Die Fragmentierung der Rechte führt dazu, dass Golf-Fans künftig mehrere Abonnements benötigen, um das komplette Angebot verfolgen zu können. Das ist typisch für den modernen Sportrechtemarkt, in dem verschiedene Anbieter gezielt Teilrechte erwerben, um ihre Plattformen zu stärken – genauso wie die Verschiebung von klassischen Pay-TV-Anbietern hin zu Streaming-Plattformen.
Medianachweis: © Sportcomm/Getty Images, ©Canal+
