unzerstörbar  

Die unglaubliche Geschichte von Skip Alexander, der in den 1950er-Jahren nach einem Flugzeugabsturz noch zum Ryder-Cup-Helden wurde.

Er war kein Star wie Ben Hogan oder Sam Snead, kein Mann der Schlagzeilen – bis zu dem Tag, an dem er zu einer Legende wurde. Skip Alexander, ein stiller Gentleman aus North Carolina, schrieb dennoch – oder gerade deswegen – eines der bewegendsten Kapitel der Golfgeschichte.

Stewart „Skip“ Alexander Jr., geboren 1918 in Philadelphia, wuchs in Durham auf und spielte an der Duke University Golf, als der Sport in den USA noch in den Kinder­schuhen steckte. Dreimal führte er sein College-Team zur ­Meisterschaft, ehe er 1940 Profi wurde. Nach dem Krieg, den er als Kampfpilot überstand, fand Alexander schnell den Anschluss. 1948 gewann er die Tucson Open und die National ­Capital Open, 1950 die Empire State Open – Siege, die ihn in
den Kreis der besten amerikanischen Spieler brachten. Und 1949 vertrat er zudem die Stars & Stripes im Ryder Cup.

der tag, der alles veränderte 

Dann kam der 24. September 1950. Alexander bestieg ein kleines Flugzeug, das ihn nach Florida bringen sollte. Über Indiana versagte der Motor. Das Flugzeug stürzte ab – und ging in Flammen auf. Die beiden Mitflieger starben, Alexander überlebte als Einziger schwer verletzt. 

Mehr als 70 Prozent seiner Haut waren verbrannt, Hände und Beine zerschmettert. Ärzte wollten Finger amputieren, um sein Leben zu retten. Doch Alexander weigerte sich und hatte eine andere Idee: Er ließ sich einen Golfschläger in den Operationssaal bringen, damit die Chirurgen sahen, welche Finger er zum Greifen brauchte.
Fünf Monate lag er in Krankenhäusern, 17 Operationen folgten. Hauttransplantationen, Gips, Schienen. Die Hände wurden neu geformt, Fingerknöchel miteinander verschmolzen. Schmerzen begleiteten jeden Tag. Doch Alexander dachte nur an eines: wieder Golf zu spielen. Er veränderte in der Folge auch seinen Griffstil: vom Overlapping-Griff zum Interlocking-Griff. Und auch die Ausstattung der Griffe wurde angepasst.

© Skip Alexander mit seinem Golfbag vom Ryder Cup 1949.

das bemerkenswerte comeback

Es klingt fast unglaublich, aber knapp ein Jahr nach dem Unfall war Alexander zurück auf der PGA Tour. Seine ­Bewegungen waren steif, der Griff verändert – doch der Wille war ungebrochen. 

Noch im Jahr 1951 sicherte er sich einen Platz im US-Ryder-Cup-Team, wo einer der besten britischen Golfer als Gegner auf ihn wartete. Im Einzelmatch gegen den Schotten John Panton zeigte Skip Alexander, was es ­bedeutet, unzerstörbar zu sein. Er humpelte aufgrund des gebrochenen Knöchels über den Platz, seine Hände waren noch nicht vollständig geheilt und bluteten sogar während des Spiels. Er musste Handschuhe wechseln und die Handtücher lagen blutverschmiert auf seiner Golftasche. 

Doch Alexander spielte nicht nur mit – er dominierte. Am Ende gewann er sein Einzelmatch mit 8 & 7 – einer der größten Einzelsiege in der Geschichte des Ryder Cup, der in die Annalen einging.

Seine Mitspieler erzählten später, dass Alexander nach dem Match still in der Kabine saß, die Hände verbunden, der Blick leer. Kein Triumphgeschrei, kein Pathos. Nur Erschöpfung – und Würde.

mehr als 30 jahre head pro

Nach dem Unfall war an eine dauerhafte Tourkarriere nicht mehr zu denken. Aber Skip Alexander blieb dem Golfsport eng verbunden. 34 Jahre lang war er Head Pro im Lakewood Country Club in
St. Petersburg, Florida. Schüler beschrieben ihn als geduldig, freundlich, fast demütig. 

Freunde von ihm sagten, seine Hände hätten nie wieder vollständig funktioniert, aber er habe jeden Schlag mit größerer Überzeugung gespielt als je zuvor.

drei generationen golfklasse

Sein Sohn Buddy trat in seine Fußstapfen, wurde 1986 US-Amateur-Champion und  später erfolgreicher College-Coach für die Florida Gators. Auch Enkel Tyson Alexander schlug den professionellen Golfweg ein und spielt aktuell auf der Korn Ferry Tour. 

Für seine Leistungen wurden Skip Alexander, der 1997 im Alter von 79 Jahren verstarb, zahlreiche Auszeichnungen verliehen, etwa der Ben Hogan Award 1959 für seine Rückkehr aus schwerer Verletzung oder 1987 die Aufnahme in die North Carolina Sports Hall of Fame.

Medianachweis: ©Sportcomm / Getty Images

Total
0
Shares
0 Share
0 Tweet
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
Prev
May Style

May Style

Die Welt des Golfs dreht sich immer 
schneller: neue Schuhe, neue Schläger,

Next
zwischen abschlag und abschied  

zwischen abschlag und abschied  

Persönliche Tragödien wie die Fehlgeburt bei Jena Sims und der Tod von Makena

Das könnte dich auch interessieren
Total
0
Share