Er war immer ein Spieler, der Emotionen nicht versteckte. Mit 39 Jahren übernimmt Keegan Bradley nun als einer der jüngsten Captains der Geschichte das US-Team beim Ryder Cup – eine überraschende Wahl, die viel über den Wandel im amerikanischen Golf erzählt. Eigentlich galt Phil Mickelson als logischer Favorit für das Amt in Bethpage, doch mit seinem Wechsel zu LIV Golf nahm er sich früh selbst aus dem Spiel. Tiger Woods verzichtete ebenfalls. Und so fiel die Wahl völlig unerwartet auf Bradley, der eigentlich noch mitten in seiner aktiven Spielerkarriere steckt. Eine seltene Konstellation, denn auch sportlich hätte er gute Chancen gehabt, sich selbst ins Team zu spielen. Wochenlang wurde sogar über ein mögliches Comeback des „Playing Captains“ spekuliert – ein Szenario, das zuletzt Arnold Palmer 1963 verkörperte. Am Ende verzichtete der neue „Captain America“ dann aber darauf, sich selbst zu picken und konzentriert sich ganz auf die Kapitänsrolle.
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stärker denn je
Bradleys Karriere begann furios: 2011 gewann er gleich in seiner Rookie-Saison die PGA Championship und damit seinen ersten – und bislang auch einzigen – Major-Titel. Rasch machte er sich einen Namen als nervenstarker Wettkämpfer, der gerade unter Druck aufblühte. Doch nach dem Verbot der Anchorings beim langen Broomstickputter geriet sein Spiel ins Wanken. Jahrelang kämpfte er vergeblich um Form und Konstanz. Dass er nicht aufgab, machte ihn zu einem Vorbild. Mit Siegen bei der Zozo Championship 2022, der BMW Championship 2024 und nicht zuletzt bei der Travelers Championship in diesem Jahr bewies er, dass er zurück ist – stärker und reifer denn je.
Sein Temperament hat er nie abgelegt. Legendär bleibt der Streit mit Miguel Ángel Jiménez beim Match Play 2015, als Bradley auf Krawall gebürstet wirkte. Später kam die bittere Erfahrung, beim Ryder Cup 2023 trotz Topform nicht berücksichtigt zu werden – ein Schlag, den Millionen Fans durch die Netflix-Serie „Full Swing“ miterlebten. Doch aus Rückschlägen zog Bradley stets Energie.

bradleys grösste herausforderung
Heute ist er ein Familienmensch, der mit Ehefrau Jillian und zwei Kindern den nötigen Rückhalt findet. Auf dem Platz bleibt er der emotionale Kämpfer, der Golf lebt wie kaum ein anderer. Als Captain will er sein Team mit dieser Leidenschaft anstecken – kompromisslos, ehrlich, ungestüm. Bradleys Weg zeigt, dass Größe nicht nur in Siegen liegt, sondern auch im Zurückkommen nach Niederlagen. Nun steht er vor seiner größten Herausforderung: ein US-Team zu führen, das wieder lernen muss, Herz zu zeigen, um die bärenstarke Truppe aus Europa in New York in die Knie zu zwingen.
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