XXL-Spaß und -Geschäft mit Piraten und Haien

Eine Adventure-Golf-Anlage in Prenden lockt Besucher jeden Alters an.

Nein, auch in der deutschen Hauptstadtregion ist es nicht üblich, dass sich Golfer mit einem der berühmten Berliner Doppeldeckerbusse zu dem Golfgelände ihrer Wahl kutschieren lassen. Es war eine verkehrstechnische Premiere, als sich an einem Donnerstagvormittag im vorigen Sommer eine große Gruppe von 80 bestens gelaunten Berliner Juristen und Steuerberatern in einem solchen XXL-Bus auf den Weg zum Golfplatz Prenden – knapp 40 Kilometer nordöstlich des Brandenburger Tores – machte. Zumal der letzte Kilometer, auf nur einspurig geteerter kurvenreicher Strecke durch dichten Kiefernwald, für den Busfahrer durchaus einem kleinen Abenteuer mit Nervenkitzel gleichkam. 

Genau das passte perfekt zum Zweck der ungewöhnlichen Landpartie. Ziel der Ausflügler war weder der herausfordernde Meisterschaftsplatz „Prenden Pines“ noch der ebenso beliebte 9-Loch-Platz „Hunter’s Nine“ am Rande des riesigen Naturreservats Schorfheide, einst Jagdgebiet der preußischen Könige und der DDR-Nomenklatura. Die Ausflügler steuerten vielmehr ein Piratenschiff an, das zwei Jahre zuvor, im Sommer 2022, unweit der Driving Range auf Grund gelaufen war. 

XXL-Spaß für Kleinund Groß

„Pirate’s Island – Adventure Golf Berlin“ heißt die Minigolfanlage im XXL-Format, die mittlerweile in der ­dritten Saison Scharen von Besuchern anlockt, die sich ansonsten vermutlich nie auf eine Golfanlage verlaufen hätten. Die gut 3.000 Quadratmeter große „Pirateninsel“, auf deren 18 liebevoll und aufwendig gestalteten Minigolfbahnen nicht nur Wasserläufe, sondern auch das aufgerissene Maul eines Hais, die Fangarme einer Riesenkrake, bis an die Zähne bewaffnete Seeräuber und ein gefangener Gorilla überwunden werden müssen, ist ein aufregender Spaß für Kinder ab etwa vier Jahren. 

Doch beim Adventure Golf werden auch Erwachsene ­aller Altersklassen allzu gerne wieder zu Kindern. Als wir das Piratenschiff mit seiner leicht gruseligen Schwarzlicht-Bahn im Schiffsbauch an einem Mittwochmorgen Ende Juni inspizieren, ist der extra für die XXL-Minigolfanlage angelegte Parkplatz für gut hundert Autos zu gut der Hälfte gefüllt. Zwischen Schatzkarte, Totenkopf-Labyrinth und Pulverfass-Tunnel testen etliche Flights ausschließlich mittlerer und älterer Semester mit sichtlichem und hörbarem Vergnügen ihre Fähigkeiten im Putten. 

„Besonders voll – insbesondere durch Familien mit Kindern – ist es natürlich an Wochenenden, Feiertagen und in den Schulferien“, unterstreicht­ Clubmanagerin Marta Lusawa die Notwendigkeit, unbedingt Startzeiten online vorzubestellen. Besonders begehrt ist die Adventure-Golf-Anlage für allerlei Gruppen-Events wie Geburtstagsfeiern und Jugendweihen, vor allem aber Teambuilding-Spaßveranstaltungen unterschiedlichster Unternehmen und Organisationen aus Berlin und dem Umland. 

Viele, die beim Adventure Golf erstmals einen Schläger in der Hand halten, nehmen nach dem Minigolf-XXL-Spaß aber auch den kurzen Weg hinüber zur Driving Range­ und nutzen das Angebot eines kostenlosen Schnupperkurses, den Prenden jeden Sonntagnachmittag anbietet. 

Rush-Hour auf Pirate‘s Island – die Anlage ist meist sehr gut besucht

Pirateninsel auch in Hamburg

Die Investitionshöhe – „ein Mehrfaches einer normalen Minigolfanlage“ – will Marta Lusawa ebenso wenig verraten wie genaue Besucher- und Umsatzzahlen. Dafür, dass sich die Landung des Piratenschiffs auf der Prendener Golfanlage sozusagen „XXL-mäßig“ gelohnt hat, gibt es ein deutliches Indiz: Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein Pendant der Pirateninsel im Golfclub Gut Waldhof nördlich von Hamburg, der ebenso wie die Golfanlage in Prenden und der Golfpark Soltau in Niedersachsen dem Hamburger Martin Thater gehört. 

Dass die erste Adventure-Golf-Anlage der Hauptstadtregion ausgerechnet in Prenden gebaut wurde, verwundert Kenner der dortigen Golfszene wenig. Der nordöstlichste Golfclub Brandenburgs war schon immer spürbar unkonventioneller als andere, gibt sich gerne mal als „Enfant terrible des Golfsports“, wo gerne ausgelassener und schriller gefeiert wird als andernorts – egal, ob bei der um Mitternacht noch nicht beendeten „Midsummer Minigolf Night“ im Juni oder beim zweitägigen „Royal Benzinger“-Benefiz-Golfturnier, das Ende August schon zum 18. Mal ausgetragen wird. „Das ist eine schön  schräge Veranstaltung nach dem Motto ‚The lunatics are on the grass‘ (‚Die Verrückten sind auf dem Platz‘) – inklusive Lagerfeuer“, lacht Marta Lusawa, „und wer will, darf auf der Anlage auch ein Zelt aufschlagen und übernachten. Das gibt es sonst nirgendwo.“ Schönes Spiel! 

Medianachweis: © Wolfgang Weber

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