Eine Runde rudern bitte: Viktor Hovland kann doch noch Golfturniere gewinnen. Und das sogar gegen den Weltranglistenersten Scottie Scheffler. 72 Loch reichten dafür bei der Travelers Championship allerdings nicht aus. Nach je 259 Schlägen (-21) auf dem Par-70-Layout des TPC River Highlands in Cromwell/Connecticut mussten die beiden ins Montags-Play-off. Das freilich endete schnell, weil Scheffler den kurzen Birdie-Putt auf dem ersten Extra-Loch knapp verpasste, Hovland hingegen zum Schlag- und Turniergewinn samt Siegerscheck über 3,6 Millionen Dollar lochte. „Es fühlt sich ziemlich gut an, ausgerechnet Scottie als besten Spieler der Welt in einem Stechen zu besiegen“, sagte der 28-Jährige über diesen achten Titel auf der PGA Tour, den ersten seit über einem Jahr und dazu noch unter den Augen von Mutter Galina.
Freilich, das letzte Signature Event der Spielzeit 2026 auf der PGA Tour hatte ohnehin was von einem Heimspiel für Hovland – angesichts der zahlreichen norwegischen Fans in Fußballtrikots, die schon Erling Haaland und Co. in die K.-o.-Runde der WM „gerudert“ hatten und nach den Auftritten der Nationalmannschaft in Boston und in New Jersey in der Region geblieben waren, um ihre Wikinger-Choreo auch auf dem Golfplatz zu zelebrieren. Klar, dass sich Viktor Hovland nicht lange bitte ließ und gern den Schlagmann machte: „Das war mein erstes Mal ,im Drachenboot’, aber es verpasst dir definitiv Adrenalin.“
Derweil lobte Scottie Scheffler den Gegner, mit dem er sich schon zu College-Zeiten duelliert hatte, und ärgerte sich über den entscheidenden Schlag, den er am Sonntag noch verwandelt hatte, um überhaupt ein Play-off zu erzwingen: „Der heute war ein bisschen zu fest.“ Wieder verhinderte das Putten mehr und Besseres beim 30-Jährigen. Wie so oft in diesem Jahr, wenngleich viele andere den Sieg beim The American Express im Januar und die folgenden nunmehr vier zweiten, zwei dritten und zwei vierten Plätze mit Kusshand nehmen würden.
Das Hadern des Branchenprimus mit dem Putter war fast eine Parallele zu Nelly Korda, Schefflers Pendant als Nummer eins bei den Damen, die bei der KPMG Women’s PGA Championship im Hazeltine National Golf Club in Minnesota den dritten Major-Triumph in Serie anpeilte, letztlich aber vor allem mit dem Short Stick ihre Mühen hatte und beim Sieg der Koreanerin Hae Ran Ryu geteilte Achte wurde. Dennoch ist Kordas Saison bereits historisch – und noch nicht beendet. Bei der anstehenden Amundi Evian Championship oder bei der AIG Women’s Open kann die bereits vierfache Majorsiegerin den Karriere-Grand-Slam komplettieren. Außerdem würde die 27-Jährige mit einem weiteren Triumph als erste US-Proette seit Julie Inkster 1999 automatisch in die Hall of Fame der LPGA Tour einziehen.
Und dann ist da noch Eugenio Chacarra, der mal ein Top-Amateur war, bevor er 2022 in die LIV Golf League wechselte, dort nach anfänglichen Erfolgen mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte und nach der Saison 2024 bei Sergio Garcias Fireballs aussortiert wurde. Seither träumt der 26-jährige Spanier von der PGA Tour, angespornt von den Erfahrungen des einstigen Amateur-Kollegen Ludvig Åberg: „Ich sehe, wie es ist, auf der PGA Tour zu gewinnen und wie sich dadurch dein Leben verändert. Bei LIV ändert sich dagegen nichts – außer dem Kontostand. Es spielt keine Rolle, ob du 30. wirst oder gewinnst, es geht nur ums Geld.“ Und: „Was mein Leben wirklich verändern würde, wäre, mich für die Majors zu qualifizieren, beim Masters anzutreten und die Chance zu bekommen, im Ryder Cup zu spielen.“
Seit dem Wochenende ist Chacarra all dem ein gutes Stück näher gekommen. Er gewann die Italian Open und damit nach der KLM Open das zweite Turnier auf der DP World Tour hintereinander, darf deswegen zur Open Championship vom 16. bis 19. Juli in Royal Birkdale und rangiert aktuell im Race to Dubai auf Platz drei hinter Patrick Reed und Rory McIlroy. Damit hat er auch das Ticket für die PGA Tour 2027 fast in der Tasche.
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