Der Milliarden-mann

Smarter Profi, gewiefter Unternehmer und eine Bank für sein Land: Rory McIlroy gilt aktuell als der kommerziell wertvollste Sportler der Welt.

Es gibt eine Handvoll Profis, die auf Fairways und Fußballfeldern, in Basketballhallen und mit dem Tennisschläger Millionen gemacht und es mit sportlicher Größe und unternehmerischer Cleverness zum Milliardär gebracht haben – Meriten und Moneten sozusagen. Sieben sind’s, um genau zu sein, so will es das Wirtschaftsmagazin Forbes wissen. Allen voran natürlich „His Airness“ Michael Jordan mit einem geschätzten Vermögen von 4,3 Milliarden Dollar. Tiger Woods (1,4) und Roger Federer (1,1) zählen ebenso zum Kreis der Krösusse; David Beckham bringt es auf eine Milliarde. Womöglich haben sie Cristiano Ronaldo und Lionel Messi vergessen. Der geschäftstüchtige „King“ Arnold Palmer – 2016 verstorben – wäre nach heutigen Maßstäben vermutlich auch dabei, zählt freilich in diesem Ranking nicht.

Geschäftliches Erfolgsgespann: Rory McIlroy und Manager Sean O‘Flaherty.

Tiger Woods den Rang abgelaufen

Dafür könnte alsbald einer hinzu­kommen, der dem GOAT Woods in puncto Preisgeld und Prämien schon den Rang abgelaufen hat: Rory McIlroy hat auf der PGA Tour und auf der DP World Tour bislang rund 188 Millionen Dollar eingestrichen, Tiger kommt auf 154 Millionen. Das Sport-Business-Portal Sportico wiederum sieht McIlroy angesichts allerlei kaum nachzuhaltender Boni bereits bei 280 Millionen. 

Sei’s drum, auf einer Position haben sich die Verhältnisse definitiv verändert: McIlroy ist eine kommerzielle Kanone und gilt mittlerweile als wertvollster Werbeträger auf dem Golfglobus – über zwei Jahrzehnte haftete dieses Etikett ausschließlich Woods an. Die Vereinbarungen mit Nike, TaylorMade und Optum (Gesundheitsdaten) haben eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren und sind Ausnahmen in einer Branche, die eher in Zwei-Jahres-Rhythmen tickt. Dazu kommen Omega, Workday (Unternehmenssoftware), FM (Versicherungen) und NBC/GolfPass (digitale Medien).

55 Millionen Dollar im Jahr von Sponsoren

Damit verzeichnet McIlroy laut Portico im Geschäftsjahr 2026 zusätzliche Einkünfte von 55 Millionen Dollar. So viel wie kein Golfer vor und neben ihm. Scottie Scheffler kommt allenfalls auf die Hälfte, Jon Rahm gerade mal auf ein Fünftel.

Apropos Nike: Der ursprüngliche, im Januar 2013 abgeschlossene Kontrakt hatte laut US-Medien ein Volumen von 200 bis 250 Millionen Dollar, sollte über zehn Jahre laufen und war seinerzeit der größte Sponsorendeal in der Geschichte des Profigolf, bevor das Abkommen 2017 aufgrund wirtschaftlicher Probleme beim „Swoosh“-Konzern modifiziert wurde. Das übertraf sogar Tiger Woods’ „Hello World“-Vertrag von 1996 (40 Millionen Dollar für fünf Jahre) und die Verlängerung von 2001 (rund 100 Millionen Dollar für fünf Jahre).

Preisgelder, Boni und Sponsorenverträge

Dazu kommen unverfallbare Anteile von geschätzt rund 50 Millionen Euro am Player Equity Program von PGA Tour Enterprises als Profitcenter der PGA Tour. Aus Furcht vor dem US-Fiskus und einem Verlust der Gemeinnützigkeit wurde sämtliches Tafelsilber der Tour  dorthin ausgelagert: TV-Verträge, Lizenzrechte, Merchandising und, und, und.

Das und die Sponsorenverträge sind indes nur ein Standbein des angehenden Milliarden-Manns McIlroy, der diese Schallgrenze schon längst geknackt hätte, wenn er dem Lockruf des Geldes in die LIV Golf League gefolgt wäre.

DIe „Fake NEws“ von der Saudi-Offerte

Angeblich sollen die Saudis 850 Millionen Dollar geboten haben, um den seinerzeit ersten Paladin der PGA Tour zum Überlaufen zu bewegen. „Rors’“ Standhaftigkeit und sein Wirken als Wortführer des Widerstands sind Golfgeschichte. McIlroys Manager Sean O‘Flaherty nannte die Mär vom maßlosen Mammon übrigens mehrfach „Fake News“, diese Anmerkung der guten Ordnung halber.

Der 44-jährige Ire, Absolvent des Trinity College Dublin, hat’s eher mit der Zahl 42, bestens bekannt als Antwort des Supercomputers Deep Thought in Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf die ultimative Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests. Im McIlroy’schen Multiversum steht 42 indes für den Multiplikator beim ersten großen Investmenterfolg.

Das Invest-Vehikel Symphony Ventures

O’Flaherty ist der Mann hinter allen unternehmerischen Aktivitäten, steuert in der Korona des golferischen Glanzes dank kluger und vor allem höchst rentabler Investments mittlerweile ein veritables  Imperium. O’Flaherty war Player Liaison Manager bei Horizon Sports Management, von der sich McIlroy 2013 in einem schlagzeilenträchtigen und teuren Prozess trennte. 22 Millionen Euro soll ihn die Scheidung gekostet haben, dafür nahm er O’Flaherty direkt mit. 2019 gründeten die beiden Symphony Ventures, ein Investment- und Beteiligungs-Vehikel, und stiegen bei Whoop ein. Das Unternehmen für tragbare Gesundheits- und Aktivitäts-Tracker wurde seinerzeit mit etwa 240 Millionen Dollar notiert und zählt heute zu den Weltmarktführern im Bereich der sogenannten Fitness-Wearables – mit einem Wert von 10,1 Milliarden Dollar, dem 42-Fachen der ursprünglichen Investition.

Jongleur auf höchstem Niveau: Der angehende Milliarden-Mann Rory McIlroy ist nicht nur auf dem Platz ein Könner, sondern auch bei der Balance im Business.

Business-Portfolio mit 27 Positionen

Und das ist nur eine von insgesamt 27 Positionen im Portfolio der Symphony Ventures. McIlroy und O’Flaherty verantworten beispielsweise das operative Geschäft im weltweiten Sport-Ökosys­tem von TPG Sports, einem Joint Venture von Symphony mit der Vermögensverwaltungsgesellschaft TPG, wo man Assets in Höhe von 246 Milliarden Dollar verwaltet, und anschubfinanziert von Lunate in Abu Dhabi, einem Vermögensverwalter für alternative Anlagen. Dahinter steht die Chimera Investment LLC, Teil eines weitreichenden Wirtschaftsimperiums, das von Scheich Tahnoun bin Zayed Al Nahyan geleitet wird, dem nationalen Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Lunate hingegen hat die Dachorganisation Alterra, den weltweit größten privaten Klima-Investitionsfonds, ins Leben gerufen und pflegt Partnerschaften mit globalen Kapital-Schwergewichten wie Blackstone.

Dieses Garn ließe sich noch eine Weile fortspinnen, es belegt die Reichweite des Netzwerks, in dem sich McIlroy fernab der Fairways bewegt. Im Sport selbst engagiert sich der Nordire selbstredend ebenfalls. Gemeinsam mit den Hollywood-Stars Ryan Reynolds und Michael B. Jordan gehört er seit Oktober 2023 zu den Finanziers des Formel-1-Teams der Renault-Tochter Alpine.

TMRW Sports mit der NFL als partner

Und dann ist da natürlich die Simulatorsause Tomorrow’s Golf League (TGL), von der McIlroy sagt: „Wir führen den Golfsport ins 21. Jahrhundert und machen ihn für jüngere und vielfältigere Fans attraktiver. Die TGL ist ein weiterer Weg, um Menschen an das Spiel heranzuführen, das ich liebe.“ 

Der mit einem Wert von 500 Millionen Dollar konnotierte und eindeutig für Social-Media-Wirkweise konzipierte Budenzauber samt Damenableger WTGL ab Winter 2026 wird von der 2022 gegründeten Holding TMRW Sports veranstaltet, in der sich hinter den Besitzern McIlroy, Tiger Woods und Mike McCarley namhafte Investoren aus Sport, ShowBiz und Sportbusiness versammelt haben. Letztere wiederum sind als Geldgeber-Konsortium Strategic Sports Group gleichsam bei PGA Tour Enterprises und als Team-Eigner in der TGL involviert.

Jüngster Coup von McIlroy, Woods und McCarley aka TMRW Sports ist eine Kooperation mit der National Football League (NFL) zur Entwicklung und zum Betrieb einer Liga für Flag Football, der „soften“ Variante von American Football. Angeblich gab es für die Zusammenarbeit mehr als ein Dutzend hochkarätige und finanziell potente Bewerber. Zu den prominenten Investoren für die jeweils 32 Damen- und Herrenmannschaften gehören Quarterback-GOAT Tom Brady und Serena Williams. Die Tennis-Heroine hat auch bei TMRW eine Einlage geleistet und mit ihrem Mann, dem Reddit-Begründer Alexis Ohanian, den Los Angeles Golf Club ins Leben gerufen. So schließen sich Kreise.

Das Trio von TMRW Sports: Rory McIlroy, Mike McCarley und Tiger Woods.

Was hat „rors“, was andere nicht haben?

Bleibt eine Frage: Was hat der Profi aus dem nordirischen Holywood, was andere nicht haben? Was macht ihn so interessant, selbst bei Partnern, die nicht um die Zielgruppe Hobbygolfer buhlen, sondern ausschließlich im B2B-Bereich agieren? Klar, der sportliche Erfolg mit sechs Majors und dem 2025 komplettierten Karriere-Grand-Slam, keine Frage. Die wirklichen Antworten liegen allerdings woanders. Dazu ein paar Stichworte: beispielsweise Kontinuität und Stabilität, siehe die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit denselben Sponsoren.

McIlroys omnipräsenz

Oder internationale Reichweite: Während Scheffler nur auf der PGA Tour spielt und Rahm nach dem Wechsel in die LIV-Liga keine nachhaltige Präsenz mehr im europäischen Fernsehen hat, ist „Rors“ omnipräsent. Der 37-Jährige hat wie kaum ein anderer außer Bryson DeChambeau die Bedeutung der Märkte in Fernost und Indien oder Australien erkannt, die zwar wenigstens von der DP World Tour bespielt werden, deren Gastspielen es aber dennoch an der Zugkraft von Weltstars mangelt. Daher plädiert „Rors“ mantrahaft für die Ausweitung des Elite-Golfsports auf solche bislang unterversorgte, jedoch wachstumsstarke Regionen; deswegen tritt er bei Turnieren wie der DP World India Championship oder der Australian Open an.

Aber warum in die Ferne schweifen: McIlroys Majors inklusive der beiden Masters, die Auftritte bei den Irish Open und der Open Championship 2025 im nordirischen Royal Portrush oder etwa der Auswärts-Coup beim Ryder Cup vergangenes Jahr auf dem Brett Bethpage Black waren und sind Boosts für den Golftourismus in der Heimat und rücken die grüne Insel als erstklassiges Reiseziel in den Fokus.

Sogwirkung für die heimische wirtschaft

Experten beziffern die Sogwirkung für die irische und nordirische Wirtschaft in einer Größenordnung von Hunderten von Millionen. Golf trägt mittlerweile jährlich 717 Millionen Euro zum direkten wirtschaftlichen Wert der irischen Wirtschaft bei und sichert 15.600 Arbeitsplätze.

In den drei Monaten nach dem ersten Masters-Triumph stieg in seinem Heimatclub Holywood GC das Aufkommen an Green-Fee-Gästen um 168 Prozent. Mittlerweile veranstaltet der Club eine spezielle „Rory Experience Tour“ für internationale Golftouristen.

Familie: McIlroy mit Vater Gerry, Mutter Rosie, Gattin Erica und Tochter Poppy.

Der Terminus lautet: „Rorynomics“

Kurz: McIlroy ist eine Marke. Er verdient nicht nur haufenweise Geld mit Golf. Vielmehr nutzt er den Golfsport als Startrampe für eine Karriere als institutioneller Investor, der sich unabhängig von der aktiven Spielerkarriere und über den fernen Zeitpunkt eines Rücktritts hinaus entwickelt. Es könnte eine Blaupause für die nächste Generation von Spitzensportlern sein. Marketing-Experten und Wirtschaftswissenschaftler haben für das Business-Phänomen jedenfalls bereits den passenden Terminus geprägt: Rorynomics.

Medianachweis: © Sportcomm/Gettyimages, © Sportcomm/Gettyimages(2)

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