Des golfers neue kleider

Eine junge Generation von Marken revolutioniert die Golf-Mode.
 Zu den kreativen Köpfen zählt auch Stephen Malbon mit seinem Label.

Herb Caen scheint die Kleidung auf dem Golfplatz ein Dorn im Auge gewesen zu sein. „Mit fortschreitendem Alter gewinnt man eine verblüffende Erkenntnis: Golfer tragen diese scheußlichen Kleider mit Absicht“, soll er einst gesagt haben. Es gibt in den Tiefen des Internets mittlerweile massenhaft solcher Sprüche und Zitate über den Golfsport. Die meisten davon sind, egal aus welcher Epoche sie stammen, ziemlich zeitlos und heute genauso aktuell. So wie jener Satz von Caen. Der US-Amerikaner war nicht nur Journalist, sondern auch Golfer.

Modemacher Stephen Malbon (links) trägt auf dem Golfplatz auch Kapuzenpulli.

Stil-Ikonen Ihrer Zeit

Er hat zu Lebzeiten von 1916 bis 1997 viele unterschiedliche Strömungen, mitunter auch modische Verfehlungen mitbekommen. Von Knickerbocker mit Karo-Muster, passenden Strümpfen, auffälligen Hüten und strengem Krawatten-Look über gestrickte Kurzarm-Shirts in den 1940er-Jahren und bewegungsbetontere Schnitte ein wenig später bis hin zu Arnold Palmer, Gary Player, Jack Nicklaus und Greg Norman. Diese vier prägten in ihren erfolgreichsten Jahren nicht nur den Sport, sondern auch den Style auf den Plätzen. Für viele waren sie Stil-Ikonen ihrer Zeit. Und sie läuteten gleichzeitig das Ende des erzkonservativen Auftretens der Sportler ihrer Zunft ein. Player ganz in Schwarz, die anderen mit allem, was der Regenbogen so hergibt. Wohlwollend könnte man sagen: Es waren eindrucksvolle Farbkombinationen. 

Mode-Revolution auf dem Golfplatz

In den 1990er-Jahren begann allmählich die große Liberalisierung in der Golfmode. Alles kann, nichts muss. Individuell, nicht kontrollierbar. Immer angelehnt an die Etikette des Sports. Und heutzutage? Seit einigen Jahren erlebt die Szene die nächste tiefgreifende Veränderung, draußen auf den Fairways und Grüns tobt eine regelrechte Mode-Revolution. Im Zentrum dieser Entwicklung steht eine neue Generation von Marken. Zu denen gehört auch Malbon Golf, 2017 in Los Angeles gegründet von Stephen und Erica Malbon.

Sie stammen ursprünglich aus Virgina Beach in den USA. Stephen wuchs zwar mit Bezug zum Golfsport auf, wandte sich jedoch zunächst anderen kulturellen Einflüssen zu. Inbesondere Kunst, Medien und Streetwear. Erst als er um die 30 war, entdeckte er seine Leidenschaft fürs Golfen neu. Das ist gewissermaßen entscheidend für sein kreatives Schaffen. Denn Malbon blickt nicht als  Traditionalist auf den Sport, sondern als ideenreicher Macher mit Gespür für Stil, Subkultur und Markenästhetik. Von Beginn war klar, dass es nicht nur um Bekleidung gehen sollte. Vielmehr verstand sich Malbon als Lifestyle-Projekt, als Plattform für Selbstausdruck.

Alltagstaugliche Hingucker

Seine Vision hat er klar formuliert: Golf soll zugänglicher, vielfältiger und stilis­tisch freier werden. Kleidung dient nicht nur funktionalen Zwecken, sondern auch dem Ausdruck von Persönlichkeit. Ohne dabei den Respekt vor der Geschichte des Golfsports außer Acht zu lassen. Malbon-Outfits sind auf der einen Seite extravagante High Fashion, auf der anderen absolut alltagstaugliche Hingucker. Kapuzenpullis, Baggypants, Leinenhemden mit Oversize-Schnitten, verspielten Grafiken und dezenten Nähten. Dazu gewagte Sneakers, die mit ursprünglichen Golfschuhen überhaupt nichts mehr zu tun haben. 

Der Australier Jason Day ist eines der Testimonials von Malbon.

Auch auf den Profitouren ist Malbon Golf mittlerweile präsent. Zu den Markenbotschaftern zählen unter anderem Jason Day, Fred Couples und Charley Hull. Als Day beim Turnier auf Hawaii vor einigen Jahren erstmals mit Malbon-Klamotten auf der Runde unterwegs war, soll das dem Unternehmen auf einen Schlag über 12.000 neue Follower bei Instagram gebracht haben, aber auch haufenweise empörte und kritische Kommentare. Stephen Malbon hatte damals im Gespräch mit dem Sports Business Journal augenzwinkernd gesagt: „Wir nehmen uns selbst nicht so ernst. Es wird Leute geben, die sich über eine Hose aufregen. Aber es gibt größere Probleme auf der Welt als ein Paar Hosen. Es ist okay, über sich selbst zu lachen.“ 

Gar nicht so lustig fanden hingegen die Augusta-Verantwortlichen und sogar mancher Tour-Konkurrent das Outfit, mit dem Day beim Masters 2025 angetreten ist. Im Verlauf des Turniers war er sogar gebeten worden, die Kleidung zu wechseln. Das wiederum spielte Malbon in die Karten: Er war mit seiner Mode als innovativer Vorreiter weltweit im Gespräch.

Vogelmuster vs. Masters-Dresscode

Und er legte ein Jahr später nach. Day wollte 2026 mit der Kollektion „Birds of Geor­gia“ auf den heiligen Rasen in Augusta, wurde aber schon im Vorfeld gebeten, aufgrund des strengen Dresscodes zumindest die Hose mit dem auffälligen Vogelmuster in der Garderobe zu lassen, auf dem Platz stattdessen ein einfarbiges Modell zu tragen. Hat er schließlich auch gemacht. Aber Malbon hat damit wieder einmal öffentlichkeitswirksam versucht, die Grenzen des guten Geschmacks zu verschieben. 

Medianachweis: ©Sportcomm/Getty Images

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