80 Millionen britische Pfund sind mal genau das: ein Pfund. So viel hat die Open Championship im Juli 2025 dem Gastgeber Nordirland eingebracht, während Scottie Scheffler auf den Links von Royal Portrush seiner ersten Claret Jug entgegen spielte. Will heißen, das Major ließ die Kassen klingeln: in Hotels, Restaurants, Pubs und Läden. Immerhin wurde die Grafschaft Antrim von 278.000 Zuschauern förmlich überrannt. Der direkte wirtschaftliche Niederschlag wird mit 89,2 Millionen Pfund beziffert. Die restlichen 191 Millionen Pfund entfallen auf das Destinationsmarketing, auf den Werbewert für die Region, auf das, was man ansonsten für Promotion und Reklame hätte ausgeben müssen, um besagte 278.000 Menschen anzulocken.
Legitimation, Rückfluss, Mehrwert
Derartige Zahlenspiele sind ein Muss, betriebswirtschaftliches Einmaleins. Es geht um die Legitimation von Aufwand und Belastung, um den Rückfluss von Investitionen, idealerweise um einen Mehrwert. Kurz: um die Daseinsberechtigung solcher Veranstaltungen über den rein sportlichen Aspekt hinaus. Sogar die Austragung von Majors will wohlbegründet sein. Erst recht greift dies, wenn das Etikett ein bisschen kleiner ist.
Zauberwort Wertschöpfung
Womit wir auf dem Level der DP World Tour und der Ladies European Tour (LET) angelangt sind, beim Amundi German Masters Mitte Mai, bei den Austrian Alpine Open Ende Mai oder bei den BMW International Open Anfang Juli im Golf Club München Eichenried.
Das Zauberwort lautet Wertschöpfung. Für die Austrian Alpine Open 2026 presented by Kitzbühel-Tirol, die heuer auf dem Golfplatz Kitzbühel-Schwarzsee-Reith inszeniert werden, hat die Ennemoser Wirtschaftsberatung in Innsbruck das bereits in Zahlen und in eine entsprechende Studie gegossen.

Organisator), Mario Gerber (Landesrat Tirol), Viktoria Veider-Walser, (Kitzbühel
Tourismus) Patricio Hetfleisch (Tirol Werbung), Leo Bauernberger (SalzburgerLand
Tourismus).
Mehr als 40.000 Übernachtungen
Demnach werden 36.000 zusätzliche Übernachtungen und ein zusätzlicher Umsatz von 7,8 Millionen Euro für Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe erwartet. Weitere 1,7 Millionen Euro steuern die Tagesgäste bei. Hinzu kommen 5500 Übernachtungen der knapp 1000 Personen, die direkt in das Event involviert sind. So kommen fast elf Millionen an inländischer Wertschöpfung zusammen. Ennemoser hat ein zusätzliches Steueraufkommen von rund acht Millionen Euro errechnet, der Fiskus darf sich freuen.
TV-Bilder für rund 100 Länder
Beim Amundi German Masters powered by V cG sind allein durch Spielerinnen und Caddies, Fernseh-Crews, Tour-Mitarbeiter und Turnier-Staff die Unterkünfte rund um die Green Eagle Golf Courses nahezu ausgebucht, schätzt Dirk Glittenberg, Chef des Promoters U.Com Event, der das Turnier nunmehr zum fünften Mal durchzieht und mit U.Com Media im LET-Auftrag die TV-Bilder für rund 100 Länder produziert. Das betrifft jedoch nicht nur den Standort Winsen (Luhe) oder das nahe Lüneburg, sondern reicht bis in die 35 Autominuten entfernte Metropole Hamburg, wo sich beispielsweise das offizielle Turnierhotel befindet.
„Dauerwerbesendung für die Region“
Daraus freilich ergibt sich für die Betrachtung des wirtschaftlichen Niederschlags eine Besonderheit. „Wir übertragen jeden Tag aus der Region und Hamburg und machen damit eine unfassbare weltweite Promotion, eine Dauerwerbesendung für die Region Lüneburg, Hamburg, Niedersachsen. Mit wunderschönen Bildern, unter anderem auch Golf, aber auch viel Natur“, sagt Glittenberg.
„Wir sind live in den USA, in China, in Skandinavien und überall in UK und Europa. Und alle reden im Zusammenhang mit dem Amundi German Masters immer von Hamburg, die Spielerinnen, die LET, alle.“
Esther Henseleit als Lokalmatadorin
Der Turnierstandort liegt allerdings im Bundesland Niedersachsen, womit sich die Touristiker der Hansestadt nur sehr bedingt zuständig fühlen. Wenngleich das einzige deutsche LET-Turnier eindeutig bis nach Hamburg wirkt. Und obwohl die in Niedersachsen geborene Olympia-Silbermedaillengewinnerin Esther Henseleit nach wie vor für den Hamburger Golf-Club Falkenstein startet.

Werbewert von 55 Millionen
Dabei leisten Golfturniere selbst in ausgewiesenen Tourismusregionen einen bedeutenden Beitrag zur Strahlkraft. Ennemoser hat für die Austrian Alpine Open einen Werbewert von 55 Millionen Euro durch die globale Berichterstattung über den Auftritt von Sepp Straka und Co errechnet. „Damit wirkt das Turnier nicht nur als touristischer Nachfrageimpuls vor Ort, sondern auch als internationales Schaufenster für den Standort Tirol“, heißt es in der Studie.
Sepp Straka freut sich aufs Heimspiel
Apropos Straka: Österreichs erfolgreichster Golfer ist natürlich das Zugpferd bei Österreichs größtem Golfturnier, wenngleich vom 28. bis 31. Mai ein generell starkes deutschsprachiges Aufgebot mit Titelverteidiger Nicolai von Dellingshausen an der Spitze um das Gesamtpreisgeld von 2,5 Millionen Euro wetteifert. „Es ist schon einige Zeit her, dass ich vor heimischem Publikum angetreten bin. Ich freue mich riesig, nach fünf Jahren wieder bei unseren nationalen Open zu spielen. Und es ist eine großartige Gelegenheit, meine Erfolge mit Familie, Freunden und Fans zu feiern“, sagt Straka, der mit vier Erfolgen auf der PGA Tour Österreichs erfolgreichster Golfer aller Zeiten ist und in der Heimat als Superstar gefeiert wird.

„Für uns geht ein Traum in Erfüllung“
Noch größer freilich ist die Freude bei den Turnierverantwortlichen, die ein halbes Jahr lang im Stillen an dem Coup gearbeitet hatten. „Für uns geht ein Traum in Erfüllung“, erklärt Edwin Weindorfer, Chef des Veranstalterteams Golf Enterprises GmbH, der die Austrian Alpine Open in Analogie zum Kitzbüheler Ski-Klassiker als Hahnenkamm des Sommers etablieren will.
Das Budget von rund 5,5 Millionen Euro wird übrigens zu mehr als 80 Prozent aus privaten Sponsorenmitteln und aus dem Ticketing gestemmt.
„Impulsgeber mit messbaren Effekten“
Das unterstreiche den privatwirtschaftlichen Charakter des Events: „Die öffentliche Sichtbarkeit, touristische Nachfrage, zusätzliche Nächtigungen und steuerliche Rückflüsse stehen damit einer Finanzierungsbasis gegenüber, die überwiegend außerhalb klassischer öffentlicher Vollfinanzierung liegt“, heißt es vonseiten der Veranstalter. „Wir können uns glücklich schätzen, großartige Partner für die Austrian Alpine Open an unserer Seite zu haben“, betont Weindorfer. „Ohne unsere Sponsoren wäre das Turnier nicht durchführbar. Durch ihre Unterstützung können wir als Sportevent ein wirtschaftlicher Impulsgeber mit messbaren Effekten für Beherbergung, Gastronomie, Wertschöpfung und internationale Wahrnehmung sein.“
Boost für Rom durch den Ryder Cup 2023
Das zeigt sich gleichermaßen an den Impulsen für die Region durch die BMW International Open im Golf Club München Eichenried und funktioniert sogar für einen Tourismus- und Kultur-Hotspot wie die Ewige Stadt Rom, die mit 20 bis 30 Millionen Gästen jährlich ohnehin zu den meistbesuchten Städten in Europa zählt, aber tatsächlich durch den Ryder Cup 2023 einen regelrechten Boost erlebt hat. Experten sprechen zudem davon, dass der Kontinentalwettbewerb neue ökonomische Maßstäbe für den Golfsport in Kontinentaleuropa gesetzt habe.
262 Millionen Euro für Italiens Wirtschaft
Laut einer Erhebung der Sheffield Hallam University generierte das Event in Italien einen wirtschaftlichen Wert von 262 Millionen Euro. Die über 271.000 Fans aus 100 Ländern brachten es auf rund 318.000 Übernachtungen und bescherten dem Beherbergungssektor allein Einnahmen von 34 Millionen Euro.
Sehnsuchtsorte auf der Golflandkarte
Die direkten Umsätze von 144 Millionen Dollar verhalfen der Ryder Cup Ltd. und dem zuvor für elf Millionen Dollar umgebauten und auf Hochglanz polierten Marco Simone Golf & Country Club zu einem willkommenen Geldsegen. Und die Folgewirkung, die sogenannte Legacy, ist sowieso von unschätzbarem Wert. Durch den Ryder Cup etablierte sich Marco Simone als Sehnsuchtsstätte auf der Golf-Landkarte. Oder anders: Seit September 2023 lockt nicht nur der Petersdom Pilger nach Roma Eterna. Im Schnitt verlängern 19 Prozent aller Gäste den Aufenthalt in der Region Latium, man spricht von der neuen Zielgruppe des Sport-Touristen.
Green Eagle und die Mission 2035
Von ähnlichen Effekten träumt man auch auf den Green Eagle Golf Courses, wo Eigentümer Michael Blesch in Eigenregie, aber ebenso in enger Abstimmung mit der Ryder Cup Ltd. bis Ende des Jahres einen neuen Platz vollendet. Der West Course ist im Wortsinn die Grundlage für Bleschs Mission 2035, eine Bewerbung um die 50. Ryder-Cup-Matches, die er mit einem innovativen Glamping-Konzept finanziell unterfüttern will. Doch schon die Positionierung des Nord Course als Gastspiel-Station der DP World Tour von 2017 bis 2024 hat sich gelohnt – durch eine signifikante Erhöhung der Wahrnehmung des Platzes, den Altrocker Alice Cooper mal „The Green Monster“ getauft hat.
Eine Million Euro für die Tour-Tauglichkeit
Knapp eine Million Euro hat Eigner Blesch investiert, um den Parcours tourtauglich zu machen. Er ist überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt, „wenn du im Fernsehen gute Bilder von einem guten Platz präsentierst“. Der Nord Course gilt seither als Muster makelloser Rasenpflege. 2023 bescheinigte der damalige DP-World-Chef Keith Pelley den Grüns am Finalsonntag gar, sie seien besser als beim Masters in Augusta.
Das zahlt sich aus. „Wir haben fünf Mal so viele Greenfee-Spieler wie vor dem Turnier, auch deutlich mehr internationale Gäste“, verrät Blesch. Die Gebühr ist mit dem Pflegestandard gewachsen und liegt mittlerweile bei 150 bis 180 Euro. Es habe sich definitiv gelohnt, Bühne für ein Turnier der DP World Tour zu sein, so Blesch: „Ich habe mich damit ein bisschen unabhängiger vom deutschen Golfmarkt gemacht. Die Skandinavier beispielsweise kommen trotz Krise, deren Buchungen sind unverändert hoch.“

Der Lockruf des grünen Monsters
Der Ruf des grünen Monsters lockte selbst Amerikaner und Australier nach Winsen (Luhe). Und dann erzählt Blesch von der Golfgruppe aus Mexiko, 32 Personen insgesamt, denen er nach deren Runde den werdenden West Course gezeigt hat: „Die haben direkt gebucht und kommen dieses Jahr wieder.“ Was zu beweisen war.
Die Austrian Alpine Open bringen Weltklasse-Golf nach Kitzbühel – mit Sepp Straka live. 28.–31. Mai: Topspieler, Gänsehaut, Pflichttermin.
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Medianachweis: ©Sportcomm/Getty Images, ©Austrian Alpine Open, ©AMUNDI_JOP
