Money, Money, Money:Golfen für den guten Zweck

In Deutschland und Österreich werden- jährlich Millionen bei Charity-Turnieren- gesammelt. Während sich der Event-Charakter verstärkt, gestaltet sich das Sammeln von Spenden schwieriger.

Golf und soziales Engagement gehören in den USA zusammen wie die Schlägerhaube und der Driver. Beim Thema Charity ist die PGA Tour mehr als nur Vorbild. Die erste bekannte Spende betrug bereits 10.000 Dollar und wurde 1938 beim Palm Beach Invitational überreicht. Seither werden rund um die Profi-Turniere jährlich mehrere Millionen für gemeinnützige Zwecke generiert. Insgesamt sind bis heute über vier Milliarden Dollar zusammengekommen. Eine gewaltige Summe, von der Krankenhäuser, Organisationen, die sich um benachteiligte Kinder kümmern, oder Tafeln für die sozial Schwächsten besonders profitieren. 

Auch im deutschsprachigen Raum hat der Charity-­Gedanke bei Golf-Events seit langem Einzug gehalten. Unternehmen, Organisationen, Vereine und Golfanlagen, vor allem aber Prominente verbinden zunehmend ihr Hobby mit einem guten Zweck. Die Ziele sind dabei so vielfältig wie die Wege, auf denen die Spenden gesammelt werden. Daher erhebt dieser Beitrag keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir versuchen indes, die wichtigsten Aspekte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen im Golfsport anhand von einigen wenigen Beispielen zu beleuchten. 

Spricht man mit Leuten, die Charity-Golfturniere veranstalten, kristallisiert sich schnell heraus, dass Einigkeit in zwei Punkten besteht: Alle möchten etwas zurückgeben, weil es ihnen besser geht als vielen anderen, und alle möchten möglichst viel Geld für ihr Anliegen sammeln, damit die Hilfe entsprechend groß ausfällt. 

Schweinsteiger-Cup heute: Neue Gesichter, aber die Tradition bleibt. Der Kanonenstart in Bad Griesbach
wird mit Bastian Schweinsteiger, Lena Geier, Alexander Hartl und Felix Neureuther (von links nach rechts)
stilgerecht zelebriert.

345 Turniere

„Wir mussten zu oft sehen, wie lückenhaft unser soziales Netz in Österreich ist“, erklärt Martin Huprich, Präsident des Lions Club Pasching, der mit einer Heerschar von Ehrenamtlern innerhalb von nur vier Jahren eine sensationell große Turnierserie auf die Beine gestellt hat. 345 Mal wurde allein 2026 die Lions Trophy ausgespielt. Mit dem Erlös von mehr als 50.000 Euro können Familien mit geistig oder körperlich behinderten Kindern unterstützt werden. 

Vorreiter beim sozialen ­Engagement auf dem Golfplatz waren die „Eagles“, eine Gruppe um den Geschäftsmann und einstigen Bundesliga-Manager Frank Fleschenberg und den Eiskunstläufer Norbert Schramm, die bereits Anfang der 90er-Jahre Spenden­gelder bei Turnieren sammelten. Mit sechs weiteren Mitstreitern gründeten die beiden 1993 den „Eagles Charity Golf Club“. 

Zu dieser Zeit rangierte Golf nicht in den Top Ten der olympischen Sportarten, sondern war eher eine Freizeitbeschäftigung für Privilegierte. Franz Beckenbauer war damals in Deutschland der zweitbekannteste Golfer hinter Bernhard Langer. Es wundert also nicht, dass die Lichtgestalt des deutschen Fußballs Ende der 80er-Jahre, also noch vor der Gründung der Eagles, als Charity-­Golfer unterwegs war, unterstützt von seinem Freund Alois Hartl in Bad Griesbach.  Hartl stellte den Platz zur Verfügung, Beckenbauer garantierte vor allem mit dem wenig später aus der Taufe gehobenen „Kaiser-Cup“ die mediale Aufmerksamkeit. Eine Kombi, die bis heute Bestand hat, wenngleich in geänderter Besetzung.

Kinder ziehen

„Wir fühlen uns der Grundidee bis heute verbunden“, versichert Andreas Gerleigner. Der Geschäftsführer der „Quellness & Golf Resort GmbH & Co. Betriebs-KG“, wie Bad Griesbach sich heute offiziell nennt, ist schon seit 30 Jahren dabei und sieht den Fortbestand des nach eigenem Bekunden „größten Charity-Tagesturniers in Europa“ auch nach Beckenbauers Tod im Jänner 2024 nicht gefährdet. Bastian Schweinsteiger hat die Rolle der Galionsfigur für die ­Beckenbauer-Stiftung übernommen. Der populäre­ ehemalige Bayern-Star garantiert dieser weiterhin Spendengelder in sechsstelliger Höhe und Bad Griesbach eine Berichterstattung in ­allen Medien. Letztere zunehmend, weil sich das Geschehen nicht nur auf dem Platz abspielt, sondern aus den Turnieren mehr und mehr Events geworden sind.

Auch bei Golf & Show sind die Eagles Vorreiter gewesen. „Entertainment hatte schon immer ­einen festen Platz bei uns“, erklärt Julia Fleschenberg, die in die Fußstapfen ihres Vaters gestiegen ist. Aus der kleinen Gruppe von einst ist eine vitale Organisation mit 149 Promis und mehr als 60 Unternehmern geworden. In den zurückliegenden 33 Jahren wurden fast 53 Millionen Euro einspielt, mit denen man 1.500 Projekte unterstützen konnte.

Die steigende Bedeutung des „Mehr“ bei Wohltätigkeitsturnieren können sowohl Andreas Gerleigner als auch Hans-Werner Neske bestätigen. „Anfangs waren alle aufs Golfspielen fokussiert. Heute generierst du keine namhafte Summe ohne Abendveranstaltung“, erklärt der Organisator von 11 Turnieren für die Herman-van-Veen-Stiftung. Tombola, Versteigerung und Showprogramm  brachten Neske mehr Geld als die Startgelder. Alle zwei Jahre wurde gespielt, wobei sich die Stiftung des niederländischen Liedermachers über mehr als zwei Millionen Euro freuen durfte, die zum Schutz und der Verbreitung der Kinderrechte genutzt
wurden.

Kaiser-Cup gestern: Franz Beckenbauer gehörte zu den
ersten Stars beim Charity-Golf in Deutschland.

Benachteiligte Kinder und Jugendliche sind offensichtlich ein gern genutzter Charity-Zweck. Um die kümmert sich auch die WWK Kinderstiftung des Münchner Lebensversicherers, für die Stefan Sedlmeir 2013 das erste Turnier ins Leben rief. Das Vorstandsmitglied der Stiftung nennt die „soziale Verantwortung als Unternehmen“ als starke Triebfeder für das Engagement auf dem Golfplatz. Mit 62.000 Euro in diesem und mit 750.000 Euro aus den letzten 14 Jahren kommt man der Verantwortung nach.

Planbare Hilfe

Bei der WWK blickt man angesichts eines hohen Anteils an „Stammspielern“ optimistisch in die Zukunft, wenngleich Sedlmeir kon­statiert: „Das Spendenumfeld ist definitiv anspruchsvoller geworden. Die politische und wirtschaftliche Lage ist für viele Menschen und Unternehmen mit Unsicherheit verbunden. Private Haushalte und Firmen müssen genauer abwägen, wofür sie finanzielle Mittel einsetzen können.“

Auch Julia Fleschenberg erkennt eine solche Tendenz bei gleichzeitig steigenden Kosten für Catering und Technik. Dennoch werden ihre „Adler“ auch in diesem Jahr „gut zwei Millionen Euro“ bei 15 Events sammeln. Nach Corona haben sich die Eagles allerdings breiter aufgestellt und generieren Geld auch bei anderen Sportevents oder Sonderveranstaltungen. Hans-Werner Neske hat hingegen die andere Richtung eingeschlagen und einen Schlussstrich gezogen. „Ich hatte es satt, weiterhin betteln zu gehen“, begründet er seinen Entschluss, nachdem er 2024 mit der letzten Veranstaltung und Spenden von mehr als einer halben Million noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt hatte.

So nachvollziehbar der Schritt auch sein mag, so schmerzlich ist er für die begünstigten Organisationen, für die eines besonders wichtig ist: Kontinuität. Die erfährt eine Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes seit 2001 unter anderem durch ein nach dem langjährigen Präsidenten Egidius Braun benannten Golfturnieres. Stiftungsgeschäftsführer Tobias Wrzesinski unterstreicht die Bedeutung von regelmäßigen Zuwendungen: „Die Verbundenheit zur DFB-Stiftung Egidius Braun ist ein großes Geschenk. Das Wichtigste ist aber die langjährige Unterstützung, denn nur so ist Hilfe wirklich planbar.“  

Medianachweis: ©ABR Pictures/ W. Breiteneicher, © Quellness & Golf Resort Bad Griesbach/Pedagrafie, © Quellness & Golf Resort Bad Griesbach

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