Ra(h)mschLaden LIV

Die Liga hat Insolvenz angemeldet, der Spieler-Exodus steht bevor. Noch warten alle – zuvorderst Jon Rahm –, was das Gericht aus der Bankrotterklärung macht.
Neuerdings ziemlich beste Feinde: PIF-Boss Al-Rumayyan (l.) ließ LIV-CEO O‘Neil das Aus durch einen Adjutanten übermitteln und ignoriert den einstigen Partner seither.

Der Anruf war kurz und brutal unmissverständlich: „Macht den Laden dicht. Ihr kriegt keinen einzigen Dollar mehr“, soll ein Adjutant von PIF-Boss Yasir Al-Rumayyan den verdatterten LIV-CEO Scott O’Neil heruntergeputzt haben. Das war im April 2026, wie der stets gut informierte US-Journalist Alan Shipnuck berichtet. Der Rest ist jüngere Golfgeschichte voller anfänglicher Gerüchte und Spekulationen, die sich meistens als wahr erwiesen haben. Mittlerweile hat die LIV Golf League beim Insolvenzgericht Gläubigerschutz beantragt, um unbehelligt von kolportierten Gesamtverbindlichkeiten zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar den Neustart ab 2027 als LIV 2.0 zu organisieren. So ähnlich hat sich in den 1930er-Jahren auch der seinerzeit ziemlich klamme Augusta National Golf Club mal vor einer Pleite gerettet, das aber nur am Rande.

Trotz des Todesurteils per Telefon ist der PIF nicht raus. Als hundertprozentiger LIV-Besitzer muss Saudi-Arabiens Staatsfonds das in New Jersey anhängige Verfahren bezahlen, wo O’Neil wegen der Schuldnerfreundlichkeit des Bundesstaats zuvor noch flugs eine Dependance gegründet hat, und hat dafür eine weitere Kreditlinie von 49,6 Millionen Dollar eingeräumt. Al-Rumayyan freilich hat den einstigen Partner – ebenfalls laut Shipnuck – seither keines Wortes mehr gewürdigt. Und dann taucht der saudische Wirtschaftswesir während des LIV-Gastspiels bei Donald Trump in Bedminster auf, als sei nichts gewesen, als habe er mit dem ganzen Dilemma nichts zu schaffen.

Solche Geschichten sind viel spannender als Exkurse ins dröge US-Insolvenzrecht und den ominösen Paragrafen 11 oder das Studium der Gläubigerliste, in der Jon Rahm mit ausstehenden 7,47 Millionen Dollar ganz oben rangiert. Wohlgemerkt, das betrifft lediglich den Zeitraum bis Oktober – die Rahm noch zustehenden 150 Millionen der Garantiegage für seinen Mehrjahresvertrag sind damit nicht erfasst.

Schiff in Schräglage: Jon Rahm in Hongkong. 2027 spielt dort die DP World Tour.

LIV will Aufhebung der Spieler-Verträg

Das mit dem Kontrakt ist ohnehin vertrackt – sorry, jetzt wird es doch ein bisschen juristisch. Aber es dürfte auch den potenziellen neuen Geld… Kreditgeber BC Partners interessieren, der 250 bis 350 Millionen Dollar für LIV 2.0 zur Verfügung stellen will, das aber vom Verbleib namhafter Spieler wie Rahm abhängig macht. Ein Insolvenzantrag nach Chapter 11 macht laufende Verträge mit bilateralen Verpflichtungen – sogenannte Executory Contracts – nämlich nicht zwingend obsolet. LIV wird die Verbindlichkeiten gegenüber Rahm und anderen also keineswegs automatisch los, sondern hat im Sinne einer unbelasteten Restrukturierung die Zurückweisung, sprich Aufhebung der Verträge beantragt und will die Spieler durch Beteiligungen an LIV 2.0 entschädigen.

Genau deswegen eiert der zweifache Major-Sieger bei entsprechenden Fragen auch so herum. Und die kommen natürlich, seit der Spanier für die Starts bei den Irish Open und bei der BMW PGA Championship seine Bubble verlassen hat. „Ich habe nach wie vor einen Vertrag mit LIV 1.0 und bin mehr als bereit, den zu erfüllen“, sagte er in Doon­beg. „Vieles ist noch offen, es kann eine Menge passieren. Die Zeit wird‘s zeigen.“ In Wentworth war Rahm trotz der aktenkundigen LIV-Pleite noch schmallippiger: „Dazu ist alles gesagt.“

Wackelkandidat Tiger Woods: Spielt er? Fährt er? Darf er überhaupt fahren?

Letztlich gibt es keinen Grund fürs Bleiben. Die sportlichen Perspektiven auf einem Circuit mit zehn Events sind mau, den die Vereinbarungen der Asian Tour und von Golf Australia mit dem Establishment hart getroffen haben. Großes Geld gibt’s auch nicht mehr. Und die Teilnahme am Ryder Cup 2027 ff. würde zur Unmöglichkeit, weil die DP World Tour ab kommender Saison keine Doppelstarter mehr akzeptiert.

Der Exodus steht eh bevor, siehe die Meldungen von LIV-Hinterbänklern für die Q-School der DP World Tour und das Starterfeld bei der BMW PGA Championship. Selbst die Dauer-Disser Ian Poulter und Lee Westwood haben klammheimlich ihre Millionenstrafen bezahlt und sich für die Alfred Dunhill Links Championship Anfang Oktober gemeldet.

Deutliche Avancen an dP world Tour

Auch Rahms Avancen an Virginia Water sind unüberhörbar. Die aktuelle Situation sei „eine weitere Gelegenheit für die DP World Tour, einige Anpassungen vorzunehmen und an Kraft zu gewinnen. Dadurch ergeben sich garantiert Möglichkeiten, bestimmte Bereiche zu stärken“, flötete er in Wentworth. „Ich glaube, das kommende Jahr oder die nächsten anderthalb Jahre werden ziemlich wichtig, um die DP World Tour weiter aufzuwerten.“ Nachtigall, ick hör dir trapsen: Wenn der 31-Jährige offiziell geht, brechen alle Dämme: Dann wird LIV 2.0 zur Version 0,2 – zum reinen Ra(h)mschladen.

Und damit zu einem anderen Wackelkandidaten, der zumindest wieder die Golfschläger schwingen kann. Tiger Woods wurde auf der Range von Liberty National gesichtet, wo er anlässlich des von seiner TGR Foundation ausgerichteten Amateur-Teamwettbewerbs Nexus Cup eine Clinic gab. „Ich kann so ziemlich alles schlagen“, sagte der 50-Jährige zu seinem Spiel. Ob er auch alle schlagen kann, ist ein anderer Schnack. Dafür muss der 15-fache Major-Sieger allerdings erstmal sein Comeback geben. Bei den PGA Tour Champions beispielsweise, wo er mit dem Cart fahren kann. Wenn er das angesichts seines fünfjährigen Führerscheinentzugs überhaupt darf. In Florida auf jeden Fall, dafür hat sich Gouverneur Ron DeSantis schon starkgemacht. Trumpisten halten halt zusammen.

Medianachweis: © Sportcomm/Gettyimages, © Sportcomm/Gettyimages(2)

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