LeBron James ist vieles: vierfacher NBA-Champion, vierfacher MVP, Olympiasieger und erfolgreichster Punktesammler der NBA-Geschichte. Seit August kann er auch Golf zu seiner öffentlichen Biografie zählen. James hat einen eigenen YouTube-Kanal gestartet. Die erste 96-minütige Folge zeigt eine Reise nach Schottland mit ehemaligen Teamkollegen der Cleveland Cavaliers. Mit von der Partie sind Kevin Love, J.R. Smith, Richard Jefferson, Tristan Thompson und Channing Frye. Anlass ist das zehnjährige Jubiläum des NBA-Titels von 2016. Gefeiert wird allerdings nicht auf dem Basketballplatz, sondern bei einer Golfrunde auf Castle Stuart. Das Video ist jedoch kein klassisches Golf-Tutorial. Es geht um die Golfrunde, die ehemaligen Mitspieler, schottische Linksplätze, Essen, Gespräche und den Wettbewerb unter Freunden. Neue Folgen sollen monatlich erscheinen.
Ein Anfänger mit großem Ehrgeiz
James spielt erst seit 2025 regelmäßig Golf. Sein Handicap lag zuletzt noch im 20er-Bereich. Für einen Athleten, dessen Basketballkarriere von Perfektion und Kontrolle geprägt ist, ist Golf deshalb ungewohnt. „Es ist unglaublich herausfordernd, aber auch eine Flucht“, sagte James über das Spiel. Golf gebe ihm Ruhe und gleichzeitig das, was er immer gesucht habe: Wettbewerb. Dass es ihm mit dem Spiel ernst ist, zeigte sich schon vor dem Start seines Kanals. James schaute regelmäßig Golf-Videos auf YouTube und verfolgte die Berichterstattung zu den Masters. Namen wie Grant Horvat, die Bryan Bros. und Bryson DeChambeau waren ihm bereits bekannt. Als er Anfang 2026 gemeinsam mit Robby Berger und dessen „Bob Does Sports“-Crew auf die Runde ging, überraschte er die YouTuber mit seiner Vertrautheit in der Szene. „Als LeBron kam, kannte er alle“, erzählte Berger später. James war also nicht einfach ein Prominenter, der einmal vor laufender Kamera einen Golfschläger in die Hand nahm.
Warum YouTube-Golf?
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. James ist 41 Jahre alt und steht vor seiner 24. NBA-Saison. Seine Basketballkarriere geht in die Schlussphase. Gleichzeitig sucht er nach Möglichkeiten, seine sportliche Identität auch außerhalb des Basketballs weiterzuentwickeln. Golf passt dazu. Das Spiel ist kompetitiv, aber weniger unmittelbar. Ein schlechter Schlag entscheidet nicht über eine ganze Saison. Für einen Athleten, dessen Basketballkarriere seit mehr als zwei Jahrzehnten permanent beobachtet wird, ist das ein anderer Umgang mit Leistung. Hinzu kommt die digitale Dimension. James ist seit Jahren an Medienprojekten beteiligt. Der Golfkanal ist deshalb weniger ein spontanes Hobbyvideo als eine weitere Möglichkeit, eigene Interessen und sein Umfeld zu präsentieren.

Der Einstieg über die Cavaliers
Die erste Folge wurde bewusst gewählt. Castle Stuart in Schottland dient als Kulisse für die Wiedervereinigung der Mannschaft, mit der James 2016 den wohl wichtigsten Titel seiner NBA-Karriere gewann. Cleveland lag in den Finals gegen Golden State mit 1:3 zurück, gewann dann aber drei Spiele in Folge. James wurde Finals-MVP. Zehn Jahre später treffen sich einige der damaligen Spieler wieder. Diesmal geht es jedoch nicht um Basketball. James und seine ehemaligen Teamkollegen spielen ein 3-gegen-3-Golf-Scramble. Es wird gewettet, diskutiert und geneckt. Die Golfreise ist gleichzeitig ein Klassentreffen und der Einstieg in James’ neues Projekt.
Golf als neues Spielfeld
James’ Interesse endet nicht bei YouTube. Im kommenden Sommer soll im Firestone Country Club in Akron das „LeBron James Family Foundation Invitational“ stattfinden. Die zweitägige Veranstaltung wird gemeinsam mit der PGA Tour organisiert und soll Jugendliche aus James’ „I Promise“-Programm mit Nachwuchsgolfern zusammenbringen. Dabei geht es auch um Spieler des „Pro-Bound Five“-Programms, das College-Spieler beim Übergang in den professionellen Golfsport unterstützt. James verbindet damit seine eigene Golfbegeisterung mit einem Thema, das ihn seit Jahren beschäftigt: Zugang zum Sport. „Mein Ziel ist es, Kindern, die so aussehen wie ich damals, als ich in der Innenstadt aufgewachsen bin, neue Möglichkeiten zu eröffnen“, sagte James. Kinder sollten früh die Möglichkeit bekommen, Golfplätze kennenzulernen, als Caddies zu arbeiten, Schläger auszuleihen, Unterricht zu bekommen und selbst zu spielen.
Vom Zuschauer zum Teil der Szene
James’ YouTube-Kanal erzählt nicht nur von einem Basketballstar, der Golf spielt. Er schaut sich Turniere an, kennt die Online-Szene, spielt mit Content Creators und entwickelt parallel dazu eigene Formate. Noch ist offen, wohin das führt. James wird nicht versuchen, in wenigen Jahren professioneller Golfer zu werden. Sein Handicap liegt weit von den Maßstäben des Profisports entfernt. Genau das macht den Kanal interessant. Auf dem Golfplatz ist LeBron James derzeit nicht derjenige, den alle schlagen wollen. Er ist derjenige, der selbst noch herausfinden muss, wie er den Ball dorthin bekommt, wo er hin soll.
Medianachweis: © Sportcomm/Gettyimages, ©youtube.com/@LeBron