Die Sottisen des Siegers

nach der US-Aufholjagd beim Presidents Cup

Na, was denn nun, Brandt Snedeker? „Ich glaube, ich habe diese Woche keinen sonderlich guten Job gemacht“, hieß es zuerst. Dann, nach dem 17:13 im Presidents Cup, schnappte der Kapitän des US-Teams in Richtung aller Kritiker: „Ich kann das Gerede echt nicht mehr hören, wir könnten kein Teamgolf spielen.“ So sind sie, die Sottisen des Siegers. Nein, „Sneds“, Amerikas Profis können immer noch kein Teamgolf! Nach den desaströsen Vierern gegen die grandios aufspielenden Internationalen und einem 7,5:10,5 vor den Singles retteten die Spieler ihrem Skipper im Medinah Country Club mit neun Einzelerfolgen und einem Remis den Allerwertesten, dem besten Finaltag in der Geschichte des Duells zwischen den USA und dem Rest der Welt ohne Europa.

Undenkbar, wenn die Amerikaner nach dem Ryder Cup 2025 sowie heuer dem Walker Cup und dem Solheim Cup auch diesen Wettbewerb noch verloren hätten, der in den US-Medien bereits zur ehrenrettenden patriotischen Pflicht stilisiert worden war. Doch diesmal klappte, was vergangenes Jahr um diese Zeit auf Bethpage Black misslang, als Team Rot selbst auf heimischem Boden die sieben Punkte Rückstand aus den Foursomes und den Fourballs trotz eines 8,5:3,5 in den Einzeln nicht wettzumachen vermochte. Und so geht der elfte Sieg in Serie in die Chroniken ein, und dem Gegner bleibt nur die Hoffnung auf Kingston Heath 2028. Der australische Sandbelt ist ein gutes Pflaster: In Royal Melbourne feierten die Internationalen 1998 den bislang einzigen Erfolg.

Aber Geoff Ogilvys Mannen waren so „nah dran“, wie es der Teamchef zuvor attestiert hatte. Die konnten wirklich Teamgolf auf mitreißende Weise, angeführt vom Tom Kim mit vier Punkten aus fünf Matches und dessen Vierer-Partner Si Woo Kim, der drei Punkte beisteuerte. Alle Weichen waren gestellt, um den Fluch des Fehlschlags endlich zu bannen – bis Scottie Scheffler und Co. die exorbitanten Unterschiede in der Weltrangliste mit 11:5 Spielern in den Top 30 am Sonntag endlich auch auf den Platz brachten. Bemerkenswert: Der 21-jährige Rookie Jackson Koivun, als Nummer 66 der Welt nominell schwächster Amerikaner, gewann alle seine drei Matches, besiegte sogar den weltbesten Internationalen Si Woo Kim (Platz 13) und war der einzig ungeschlagene US‑Akteur.

Der Weltranglistenerste hingegen war in den Foursomes mit Sam Burns wieder mal ein Totalausfall und schraubte seine Negativ-Bilanz im Ryder Cup und im Presidents Cup auf acht Niederlagen bei einem Sieg. Scottie Scheffler kann definitiv kein Teamgolf und durfte am Samstagnachmittag die Bank drücken. Wenn der 30-Jährige hingegen seinen eigenen Ball spielt – beim Bestball und in den Einzeln –, sieht die Bilanz deutlich freundlicher aus. Was zu beweisen war. Und der Fairplay-Moment des 16. President Cup geht ebenfalls auf Schefflers Konto, als er seinem Einzelgegner Nico Echavarria einen eigentlich unmöglichen Putt schenkte, weil ein Fan dem Kolumbianer in dessen Drive geblökt hatte.

Medianachweis: © Sportcomm/Gettyimages

Total
0
Shares
0 Share
0 Tweet
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
0 Share
Prev
Sonnige Aussichten

Sonnige Aussichten

Die Reiselust der Golfer ist ungebremst, 2026 wird für viele Veranstalter zum Rekordjahr. Vietnam macht den …

Das könnte dich auch interessieren
Total
0
Share