Der Übergang kam nicht schleichend, sondern mit Wucht. Als Helen Briem im Sommer 2024 ins Profilager wechselte, hatte sie sich bereits einen Namen gemacht. Sie war die Nummer eins der Amateur-Weltrangliste und dominierte auf internationaler Ebene – der Schritt wirkte wie eine Formsache. Was folgte, ging dennoch schneller als erwartet. Vier Saisonsiege auf der LET Access Series, drei davon als Amateurin. Kurz darauf folgte der erste Start auf der Ladies European Tour als Profi, bei dem sie direkt die La Sella Open gewann. Ein klares Statement auf der großen Bühne.
Körper und Spiel
Zunächst fällt die Erscheinung auf. Sie ist rund 1,90 Meter groß, hat enorme Hebel und viel Länge vom Tee. Das sind Voraussetzungen, die im Damengolf selten sind, aber zu kurz greifen. Ihr Spiel ist strukturiert: Sie hat viel Länge, spielt aber kontrolliert. Sie arbeitet präzise mit klaren Abläufen. In Interviews wirkt die gebürtige Nürtingerin ruhig, analytisch und fast nüchtern. Ihr Weg an die europäische Spitze begann klassisch: Familie, Heimatclub, Förderung durch den Verband. Ihr Vater Jochen ist eine zentrale Figur – oft als Caddie an ihrer Seite. Ihre Entscheidungen wirken durchdacht. „Wir haben viel Spaß. Wir lernen dazu, wir wachsen gemeinsam“, sagt sie. Briem wurde früh ins deutsche Fördersystem integriert, entwickelte sich im Golf Team Germany weiter und sammelte internationale Erfahrung. Den Wechsel ins Profilager vollzog sie bewusst erst, als dieser Schritt unausweichlich war.
Konstanz statt Zufall
Ihre Ergebnisse wirken nicht wie Ausreißer. Beim jüngsten Erfolg bei den Ladies Open de France auf der Ladies European Tour hatte sie am Ende sieben Schläge Vorsprung auf die Konkurrenz. Bei der LPGA Q-Series im vergangenen Jahr sicherte sie sich als Bestplatzierte ihre Tourkarte und damit den direkten Sprung auf die größte Bühne. Ein Weg, für den andere Jahre brauchen.
Mit dem Wechsel auf die LPGA beginnt ein neues Kapitel. Das Feld ist stärker, es gibt mehr Reisen und die Anforderungen sind höher. Briem wirkt jedoch nicht wie jemand, der sich treiben lässt, sondern wie jemand, der strukturiert arbeitet. Der nächste Schritt ist die Etablierung auf der Tour, perspektivisch der Solheim Cup. Im deutschen Golfsport wird schnell von „Hoffnung“ gesprochen. Bei Briem ist das jedoch nachvollziehbar. Sie ist nicht nur ein Versprechen, sondern längst eine Spielerin mit Substanz – und Ergebnissen.
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