Die Tragik des Tigers

Staatsanwaltschaft an den Hacken, Krebsdiagnose für Freundin Vanessa Trump und wieder keine Major-Starts: neue Hiobsbotschaften für Woods.

Der Mann sorgt für Gesprächsstoff, selbst wenn er abgetaucht ist: Tiger Woods ist nach einer kurzen Unterbrechung wieder in der Schweiz, wo sich der 50-Jährige in einem Sanatorium nahe Zürich wegen seiner Schmerzmittelsucht behandeln lässt. Die Therapie war ihm nicht zuletzt von Lebensgefährtin Vanessa Trump „verordnet“ worden; es wird kolportiert, die Ex-Schwiegertochter von US-Präsident Donald Trump habe dem Tiger nach dessen neuerlichem Autounfall im März die Pistole auf die Brust gesetzt: „Sieh zu, dass du deine Probleme in den Griff kriegst!“ Kurz darauf musste Vanessa Trump selbst eine Hiobsbotschaft hinnehmen: Bei der 48-Jährigen wurde Brustkrebs festgestellt. Nicht zuletzt deshalb auch Woods’ Stippvisite in den USA: um ihr in den ersten Tagen nach der Diagnose beizustehen. Außerdem ließ sich der Superstar kurz beim Festakt anlässlich des Highschool-Abschlusses von Vanessa Trumps Tochter Kai (19) sehen, die demnächst ihr Studium an der University of Miami aufnimmt, wo sie auch dem Golfteam angehören wird.

Woods, Lebensgefährtin Vanessa Trump und deren Tochter Kai beim TGL-Spieltag.

Staatsanwalt prüft Medikamentierung

Woods-Filius Charlie (17) hat sich derweil zum dritten Mal für die US Junior Amateur Championships qualifiziert. Das ist immerhin mal eine erfreuliche Nachricht für den Papa in der Schweiz. Denn daheim braut sich neues Ungemach zusammen. Der zuständige Richter im Martin County hat dem Antrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben und die Offenlegung ärztlicher Unterlagen erlaubt. Damit dürfte der Medikamentenmissbrauch des 15-fachen Major-Siegers vermutlich alsbald aktenkundig werden.

Die Strafverfolgungsbehörden haben Woods wegen „Fahrens unter Einfluss“ (DUI, driving under the influence) – wovon auch immer – angeklagt und wollen ihn als Wiederholungstäter endgültig aus dem Verkehr ziehen. Sogar die „Stamm“-Apotheke in Palm Beach wurde einbezogen und soll über eingelöste Rezepte zwischen 1. Januar und dem Unfalltag am 27. März, Dosierungen von Tabletten sowie Risiken und Nebenwirkungen Auskunft geben.

Damit wurden alle Einsprüche von Anwalt Douglas Duncan ausgehebelt, der das verfassungsmäßige Recht seines Mandanten auf Privatsphäre ins Feld geführt und bereits zuvor im Namen von Woods auf nicht schuldig plädiert hatte. Aus gutem Grund: 2017 war Woods von der Polizei in Jupiter schlafend und eindeutig desorientiert im Auto vorgefunden und wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet worden. Ein Test ergab fünf verschreibungspflichtige Medikamente im Blutkreislauf des Golfprofis, der sich später des rücksichtslosen Fahrens schuldig bekannte und mit einer Bewährungsstrafe davonkam. Im Fall einer erneuten Verurteilung drohen ihm nun bis zu elf Monate und 29 Tage Gefängnis.

Und sonst? Irgendwelche sportlichen Perspektiven? Naja. Der US-Boulevard zitiert eine Quelle aus Woods’ Umfeld: „Tiger wird alles tun, was nötig ist, um auf jede ihm mögliche Weise zurückzukommen – unter Berücksichtigung seiner Verletzungen und seines Alters. Er ist keiner, der aufgibt“, heißt es. Und: „Er kann jederzeit wieder ins Spiel einsteigen, sofern ihm sein Leistungsniveau angemessen erscheint.“

grand slam der verpassten Majors

Wann immer das sein mag – in der laufenden Saison jedenfalls wohl nicht mehr. Das gilt gleichsam für die restlichen Majors. Die US Open in Shinnecock Hills Mitte Juni findet definitiv ohne Woods statt, und auch für die Open Championship im Juli in Royal Birkdale hat er über sein Management den Startverzicht erklären lassen. Was prompt die netzbekannten Spötter auf den Plan rief, die ihm den zweiten Grand Slam der verpassten Majors nach 2025 bescheinigten. Was vorerst bleibt, ist die traurige Erkenntnis: Der einstige Triumphator wird immer mehr zur tragischen Figur.

Medianachweis: © Sportcomm/Gettyimages

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