Am 11. Juni 2006 schrieb Markus Brier bei den BA-CA Golf Open presented by Telekom Austria in Fontana österreichische Sportgeschichte. Beim Heimturnier und vor vollem Haus holte er als erster Österreicher einen Sieg auf der European Tour. Bei einem Turnier, das auf ihn zugeschnitten war und nach zehn Jahren Pause die höchste europäische Spielklasse wieder nach Österreich brachte. „Man hätte das Drehbuch nicht besser schreiben können“, so der Jubilar im Gespräch mit der Golf Week.
EIn langer weg
Dass diese Geschichte am Ende ihren historischen Höhepunkt fand, war zu seinen Anfängen alles andere als absehbar. Die Voraussetzungen für eine Profikarriere im Golfsport waren Anfang der 90er in Österreich ganz andere, die Strukturen noch lange nicht dort, wo sie heute sind. „Es gab damals keinen vorgezeichneten Weg“, seinen eigenen musste Brier erst finden. Heißt zunächst: studieren und sich als Amateur profilieren. Nach einigen größeren Erfolgen wurde er mit 27 Jahren Profi. 1996 war der Einstieg direkt auf die Challenge Tour noch leichter. Die ersten drei Jahre auf der zweitklassigen europäischen Tour waren „mäßig erfolgreich“, im vierten Jahr zeigte Brier mit sieben Top-5-Platzierungen seine Klasse. „1999 kam mein Sohn zur Welt, da war klar: jetzt oder nie. Im selben Jahr habe ich mir die European-Tour-Karte erspielt. Auf der Challenge Tour wollte ich nicht ewig herumkrebsen.“ 2000 stieg die Telekom Austria ins Golf-Sponsoring ein – mit Brier als Zugpferd. „Bis dahin war es sehr dünn.“ Für den Familienvater ging es von da an – langsam, aber stetig – nicht nur finanziell bergauf.
EIn schmaler Grat
Sportlich waren es zunächst wichtige Lehrjahre: „Im ersten Jahr bin ich Zweiter bei den Open de España geworden. Da habe ich mir gedacht, läuft eh gut – da wird man leicht überheblich. Bei den nächsten zwölf Turnieren habe ich zehn Cuts verpasst. Das war sehr lehrreich, weil ich gemerkt habe: Es kann in einer Woche sehr gut laufen, aber das geht nicht immer so.“ Der große Durchbruch folgte schließlich mit 37 Jahren. „Dieser lange Weg hat den Sieg für mich sehr wertvoll gemacht. Ich war schon im siebenten Jahr auf der Tour, hatte Top-Ten-Platzierungen, aber der Sieg fehlte noch.“ Doch genau nach diesen Momenten lechzen Tourprofis: „Man will gewinnen. Auf dieses Gefühl arbeitet man hin. Der Sieg war eine riesige Genugtuung nach all der Arbeit – noch dazu vor Heimpublikum auf einem Platz wie Fontana, mit diesem ganzen Rundherum. Das war nicht nur das Sahnehäubchen – das war ein Sahneberg!“ Die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Tag ist bei Brier noch immer präsent. „Das fühlt sich an wie gestern.“ Besonders die finale Phase hat sich eingebrannt. „Von den letzten neun Löchern weiß ich praktisch noch jeden Schlag.“ Der Heimvorteil beschränkte sich dabei nicht nur auf die Unterstützung der Fans. Für Brier war es der dritte Sieg bei den Austrian Open nach seinen zwei Erfolgen auf Challenge-Tour-Ebene, 2004 bereits in Fontana. „Ich kannte den Platz in- und auswendig.“ Doch 2006 war alles größer: die Bühne, das Interesse, die Erwartung. „Es war damals unglaublich viel los, es ist viel Wind gemacht worden. Dementsprechend hat sich auch meine Stimmung aufgebaut. Und vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl: Da passiert etwas Besonderes.“ Sportlich veränderte der Triumph viel: „Man geht danach anders an die Dinge heran, hat mehr Selbstvertrauen.“ Die folgenden zwei Jahre waren seine besten auf der Tour. 2007 gewann er die Volvo China Open in Shanghai. „China hat bestätigt, dass es keine Eintagsfliege war.“
Ein Nationales Idol

Zwanzig Jahre später sind diese Erfolge weit mehr als Einträge in den Statistiken. Auch wenn Brier nicht in historischen Dimensionen denkt: „Geschichtsbücher werden ständig umgeschrieben. Das zählt für mich weniger.“ Für Österreichs Golf war es aber ein Türöffner: endlich ein siegreiches Role-Model. „Ich glaube schon, dass es eine Vorbildwirkung gehabt hat – dass man auch aus Österreich auf die Tour kommen und dort gewinnen kann.“ In Österreich habe sich seither zudem sehr viel professionalisiert. Der Nachwuchs hat heute viel mehr Möglichkeiten. Sepp Straka war 2006 als Kind in Fontana vor Ort. Heuer ging Brier beim Pro-Am der Austrian Alpine Open an der Seite des neuen österreichischen Golf-Aushängeschilds mit: „Wir haben viel geplaudert: ein bisschen über Fontana, über Familie, über sein Leben in den USA. Er ist super entspannt.“ An Ruhestand denkt Brier noch nicht. „Ich spiele alles, was angeboten wird.“ Das erste Halbjahr auf der Legends Tour sei dünn, ab Irland gehe es dann fortlaufend bis Anfang Oktober weiter. Ein paar Senior-Majors will er noch spielen, der Ehrgeiz ist da. „Mein Plan ist, bis 60 mitzumischen.“ Solange der Körper mitspielt und das Spiel gut genug ist.
Ein neuer Eintrag
Dass Brier noch nicht zu den alten Eisen gehört, hat er letzte Saison mit seinem Toursieg nach vierjähriger Pause unter Beweis gestellt. Und dass er mit alten Eisen erst recht umzugehen weiß, zeigte er unlängst bei der Premiere des Hickory Golf Masters. Mit einem überragenden Schlussspurt – Chip-in zum Par auf der 16 sowie Birdies auf den Bahnen 17 & 18 – überholte er noch die Konkurrenz, darunter drei frühere Hickory-Weltmeister sowie weitere international erfolgreiche Tour-Professionals wie Thomas Gögele und krönte sich auf dem 100 Jahre alten Platz des Golf Club Villa d’Este mit Runden von 69 und 70 Schlägen (+3) zum ersten Major-Sieger in der Geschichte des Hickory-Golfs. Gespielt wurde ausschließlich mit Original-Schlägern aus der Zeit vor 1935 und in klassischer Kleidung mit Knickerbocker, Hemd und Krawatte — ohne Handschuhe. „Das war ein besonderes Erlebnis mit ganz eigenem Flair. Die Schäfte sind weich, man muss sehr ruhig schwingen und den Ball wirklich sauber treffen. Powergolf funktioniert nicht, was mir entgegenkommt. Auch der Platz und das Clubhaus haben perfekt zum Ambiente gepasst.“ Sein Name ist nun auf der „Silbernen Rake Niblick“-Trophäe eingraviert. Wiederum als Erster in einer Siegerliste. Und auch hier werden weitere folgen. 2028 – das Turnier wird im Zweijahresrhythmus ausgetragen – vielleicht in Österreich: „Das wäre ein interessantes Projekt, ist aber noch Zukunftsmusik.“
Medianachweis: © HGM/Monepic, Golf Week
