Unvergessen

Severiano „Seve“ Ballesteros hat das europäische Golf geprägt wie kaum ein anderer.

Wer beim Ryder Cup durch Rom wanderte und die Fans beobachtete, bekam mit, wie wichtig Severiano „Seve“ Ballesteros war. Eines der letzten Dinge etwa, die das europäische Team sah, bevor es los ging, war dieses Zitat von Seve: „Wenn dir jemals jemand auf einem Golfplatz leid tut, geh besser nach Hause. Wenn du sie nicht tötest, werden sie dich töten.“  Warum gibt es 13 Schließfächer – zwölf für die Spieler und eines für Ballesteros?  „Seve ist unser ultimatives Symbol dafür, was einen europäischen Spieler großartig macht“, sagte etwa Kapitän Luke Donald über den Spanier. „Sein Geist, seine Begeisterung und seine Seele werden uns den ganzen Weg begleiten. Was der Ryder Cup für ihn bedeutete, das werden sie spüren, wenn sie rausgehen“ , sagte Donald. Seine Leistungen nehmen 1957 in Spanien ihren Ausgangspunkt.

Einfacher Start

Ballesteros wuchs in einfachen Verhältnissen im ländlichen Norden Spaniens auf. Sein Geburtsort, Pedreña, liegt in Kantabrien. Zentrum der autonomen Provinz ist Santander mit seiner Industrie, ferner Torrelavega. Sonst ist der Landstrich dünn besiedelt. Sein Vater war ein Landarbeiter, der auf den Feldern in der Nähe des Golfclubs arbeitete. Mit sieben Jahren begann „Seve“ selbst mit dem Golfspiel und folgte damit dem Beispiel seines älteren Bruders Manuel. Anfangs hatte er nur einen Schläger, ein gekürztes Dreiereisen. Damit übte er alle möglichen Schläge, auch aus schwierigen Lagen. Erst als sein Talent erkannt wurde, erhielt er die Möglichkeit, auf dem Privatclub in der Nähe seiner Heimatstadt zu spielen. Bereits im Alter von 16 Jahren wurde Balles­teros Profi und sorgte schnell für Aufsehen: 1976 wurde er bei den British Open gemeinsam mit Jack Nicklaus Zweiter hinter Johnny Miller. An diesem Turnier nahm auch der legendäre Maurice Flitcroft teil. Unter seinen mehr als 70 Profi-Turniersiegen sind drei Open-Championship- (1979, 1984 und 1988) und zwei Masters-Siege (1980 und 1983). 

Bemerkenswert war der erste Majorsieg. Denn  lange, gerade Abschläge mit dem Driver waren nie seine Stärke. Auf dem engen Platz in Royal Lytham, bekannt für schmale Spielbahnen und hohes Rough, traf er in den gesamten vier Runden lediglich achtmal mit dem Abschlag das Fairway. Doch durch sein überragendes kurzes Spiel, seine Kreativität und seinen Mut glich er diese Schwäche immer wieder aus. Das Turnier machte ihn im Alter von 22 Jahren als „Parkplatz-Champion“ berühmt. Am drittletzten Loch des Turniers verzog er den Abschlag etwa 25 Meter nach rechts auf den Parkplatz für die Fernsehteams. Der Schlag von dort auf das Grün und der anschließende Putt zum Birdie ermöglichten seinen ers­ten Major-Sieg. Ein Reporter notierte damals in einem Beitrag: „Ballesteros, aufgewachsen in den armen Verhältnissen der Franco-Diktatur, hatte das Golfen am Strand von Kantabrien erlernt, nicht auf dem gehegten Rasen eines Edelklubs – und so spielte er dann auch: unkonventionell, fantasiereich, so mitreißend wie keiner vor ihm und keiner danach.“

Beim Ryder Cup

Insgesamt nahm Ballesteros an acht Ryder Cups teil. In den 1980er- und 1990er-Jahren war Ballesteros eine tragende Säule des europäischen Ryder-Cup-Teams. Er erzielte 22,5 Punkte in 37 Spielen gegen die Vereinigten Staaten. Seine Partnerschaft mit seinem Landsmann José María Olazábal war die erfolgreichste in der Geschichte des Wettbewerbs, mit elf Siegen und zwei Halves aus 15 Paarspielen. Während Ballesteros Mitglied europäischer Mannschaften war, die 1985 den Ryder Cup gewannen, 1987 und 1989 den Pokal behielten und 1995 den Pokal zurückeroberten, erlebte er 1997 den Höhepunkt seiner Karriere in diesem Wettbewerb, als er Kapitän der siegreichen europäischen Mannschaft war, im Valderrama Golf Club in Sotogrande, Spanien. Dies war der erste Ryder Cup, der jemals in Kontinentaleuropa ausgetragen wurde. 1979 nahm er das erste Mal am Ryder Cup teil, hatte aber noch keinen Impact, die USA gewannen in Greenbrier beim ersten Vergleich mit ganz Europa deutlich. 

Quasi ein Traumpaar: José María Olazábal und Seve Ballesteros.

Stempel aufdrücken

1983 war er wieder dabei. In Palm Beach schien es, als hätte er die Chance, einen Punkt mit Fuzzy Zoeller zu teilen, vertan. Während sein Ball 245 Yards vom 18. Grün entfernt in einem Fairway-Bunker lag, griff der unkonventionelle Ballesteros nach seinem Dreierholz. Er schoss den Ball knapp über den Rand des Bunkers, während er es schaffte, dem Wasserhindernis an der Seite des Grüns auszuweichen. US-Kapitän Jack Nicklaus sagte, es sei „der großartigste Schuss, den ich je gesehen habe“. Dennoch gewannen die USA. In Belfry änderte sich zwei Jahre später alles, es war der erste Ryder-Cup-Sieg im vierten Anlauf für Europa – und die erste Niederlage für die USA seit 1957. Bemerkenswert war auch 1989. In einem spannenden Einzelspiel zwischen Seve Ballesteros und Paul Azin­ger zeigten beide Männer ihre beste Leistung. Zu Beginn versuchte Ballesteros, einen abgewetzten Ball zu wechseln, aber Azinger bestritt seinen Wunsch und der Schiedsrichter stellte sich auf die Seite des Amerikaners. Ballesteros stöhnte: „Willst du heute so spielen?“ Azinger spielte am 18. Loch einen Dropshot aus, aber Ballesteros behauptete, dieser sei nicht korrekt ausgeführt worden. Azinger behielt die Nerven und gewann, doch die Trophäe blieb in den Händen der Europäer. 1995 endete Seves Karriere als Spieler beim Ryder Cup, 1997 kam es zu dem fulminanten Sieg in Valderrama als Kapitän.

Weiter leben

Für seine Karriere erhielt er Auszeichnungen, 1999 wurde er in die World Golf Hall of Fame aufgenommen, 2000 wurde er zum European Player of the Century und Deportista Español del Siglo gewählt. Er hat einen Ehrendoktortitel der University of St Andrews und einen Stadtschlüssel von Augusta erhalten. 2007 verkündete er seinen Rücktritt, nachdem ihn Rückenschmerzen schon Jahre zuvor an regelmäßigen Teilnahmen gehindert hatten. 2008 wurde ein Gehirntumor diagnostiziert. Am 25. Juni 2009 gab Ballesteros bekannt, dass er den Krebs besiegt habe und ihm alles wie ein Wunder vorkomme. Am frühen Morgen des 7. Mai 2011 erlag Ballesteros jedoch seiner Krankheit. 

Er wird für immer unvergessen bleiben, meinten auch die Fans dieses Jahr.

Medianachweis: Sportcom/Getty Images

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